Die Akte Litwinenko

Wem nĂŒtzt der Tod eines 2000 ausgewanderten ex-FSB-Agenten rechtzeitig zum Putin-Besuch beim EU-Rußland-Gipfel?

Fassen wir mal zusammen: da wird eine mutige, investigative und in Rußland bewußt kleingehaltene und dadurch völlig unbekannte Kollegin namens Anna Stepanowna Politkowskaja in Rußland von Unbekannten erschossen, ihre fĂŒr russische MilitĂ€rs und Regierung sehr unangehmen Recherchen liegen Jahre zurĂŒck, ihre innenpolitische Wirkung ist gleich Null, aber in dem Augenblick, wo sich Wladimir Putin, mitten in der entscheidenen Phase des Weltkrieges in Nahost, nach Deutschland begibt, wird sie publikumswirksam ermordet (1).

Vor einiger Zeit meldet sich ein italienischer Agent des MilitĂ€rgeheimdienstes Sismi, dessen Chef vor kurzem von Prodi wegen illegalen Abhöraktionen gegen Hunderttausende von Italienern (14), Erpressungen und Kollaboration mit der CIA gefeuert wurde (15), namens Mario Scaramella (2) bei dem seit 2000 in London lebenden Buchautoren und ex-FSB-Agenten Alexander Litwinenko und sagt, „hey, wir haben da Beweise und Informationen zum Mord an Polikowskaja, außerdem sollst Du vom FSB ermordet werden, laß uns mal zum Essen treffen“, das tun beide dann auch, aber erst nachdem sich Litwinenko noch an einer Hotelbar ausgerechnet mit einem alten Bekannten, ex-Moskauer LeibwĂ€chter und FSB-Agenten Andrej Lugowoi trifft, obwohl er ja eigentlich gerade erfahren hat, daß er vom FSB ermordet werden soll.

Lugowoi gibt an, zum Treff an der Hotelbar aus „geschĂ€ftlichen“ GrĂŒnden zwei ominöse GeschĂ€ftspartner namens Dimitri Kowtun und Vjatscheslaw Sokolenko mitgebracht zu haben, von denen einer eine Tasse Tee mit Litwinenko trinken wollte und das dann offensichtlich auch tat.
Laut Litwinenko war da nur ein GeschĂ€ftspartner namens „Wladimir“, jedenfalls sagt man in London, er habe das so gesagt.
Da das geschĂ€ftliche Interesse offensichtlich von einem dieser beiden Herren (bzw.von „Wladimir“) ausging, ist anzunehmen, daß dieser Treff an der Hotelbar kein Zufall war, sondern auf die Initiative eines dieser GeschĂ€ftspartner (oder „Wladimir“) zurĂŒckzufĂŒhren ist.
Mit anderen Worten: da wollte jemand, daß sich die beiden ex-FSB-Kollegen Litwinenko und Lugowi heute treffen.

Also: Tee trinken an der Hotelbar mit ex-KGB-Kollegen Andrej Lugowoi , nachher Essen gehen mit Sismi-Agent Mario Scaramella, der laut italienischen Presseberichten auch fĂŒr die CIA und den kolumbianischen Geheimdienst gearbeitet haben soll (2).

Scamarella erzĂ€hlt ihm da, die russische Regierung wolle ihn, Litwinenko und auch ihn, Scamarella ermorden, und zwar weil er in einer Berlusconi-Kommission zu TĂ€tigkeiten der russischen Geheimdienste in Italien tĂ€tig war (4), wie ĂŒbrigens Scamarella selbst. Außerdem gĂ€bÂŽs da eine Todesliste auf der sie Beide drauf stĂŒnden (3).
Diese Infos (zum Tod von Politkowskaja, Morddrohungen gegen ihn, Litwinenko) hÀtte er, Scamarella, via email erhalten (so eine Schmonzette..).
Kurze Zeit nach diesen Treffen erkrankt Litwinenko schwer, er stirbt langsam und qualvoll zum Mitfilmen, und zwar ausgerechnet heute (5).
Was aber geschah heute noch?

EU-Rußland-Gipfel geplatzt

Helsinki:Durch ein polnisches Veto ist heute ein fĂŒr den Kontinent immens wichtiges neues Grundlagenabkommen mit dem grĂ¶ĂŸten Land der Erde und wichtigstem Energielieferanten Europas auf Eis gelegt worden(6).
Rußlands PrĂ€sident Putin traf heute in der finnischen Hauptstadt ein, um an dem EU-Gipfel teilzunehmen und eigentlich auch, um die europĂ€isch-russische Zusammenarbeit zu fördern, an der zuerst einmal nur, und nur Europa ein gesteigertes Interesse haben kann, wenn man nur ein kleines bischen Verstand besitzt und die strategische sowie wirtschaftliche Kooperation Rußlands und China wenigstens ansatzweise begreift(7).
Aber dafĂŒr langt es in der deutschen Presselandschaft wieder einmal nicht.
Wer etwas begreift, spielt das offenbar das Spiel der transatlantischen Kriegskoalition, die mit ihrem Handlanger der polnischen Regierung diesen Gipfel sabotieren will.

Der „Weltkrieg um Wohlstand“ macht die Spielregeln

Zum Tausendsten Mal: es herrscht Krieg in der Welt. Wer zu dĂ€mlich ist, das zu begreifen sollte endlich seinen gottverdammten „ich-darf-zu-den-Konferenzen-und-kann-davon-leben“-Presseausweis zurĂŒckgeben.
Diesen ganzen BND-verseuchten Mist hÀlt ja kein Mensch mehr aus.

Rußland legt extra eine Pipeline zu uns, damit wir im Winter nicht frieren mĂŒssen. Und was passiert?
Die Ukrainer und Polen, die sich aus den Überlandlandleitungen gerne mal was abzwacken (8), fangen an rumzuheulen.
Das NATO-Mitglied Litauen, im 2.Weltkrieg mit fliegenden Fahnen zu Hitler ĂŒbergelaufen und mitschuldig am Tod von 20 Millionen Russen, lĂ€ĂŸt die westliche Luftwaffe im Land aufmarschieren (9) und wundert sich, daß Rußland da irgendwie kein Interesse daran hat und sie nicht mehr mit der Ressource fĂŒttern will, wegen der 150.000 Menschen im Irak durch eine multinationale Invasionsarmee des Westens massakriert worden sind (10), wĂ€hrend die dĂŒmmsten Individuen des Planeten, sogenannte „Linke“, blöd daneben stehn und Maulaffen feil halten.

Putin kommt nach Dresden, er wird zum Dank mit „Mörder, Mörder“-Rufen begrĂŒĂŸt, weil pĂŒnktlich vorher Polikowskaja ermordet wird.
Putin kommt nach Helsinki, sĂ€mtliche Zeitungen sind voll vom „ex-Spion“ Litwinenko (von dem vor einer Woche nie jemand was gehört hatte), weil auch der pĂŒnktlich ermordet wird.
WĂ€hrenddessen versaubeutelt uns EuropĂ€ern der skurilistische Kaczynski-Clan, welcher zwei ZwillingsbrĂŒder als PrĂ€sident und MinisterprĂ€sident im Amt geparkt hat, ein strategisch hochwichtiges Abkommen mit Rußland, wĂ€hrend 1000 neue Soldaten zur freien NATO-VerfĂŒgung nach Afghanistan geschickt werden, obwohl die Mehrheit der Polen den Krieg im Irak und Afghanistan ablehnt und die Kaczynski-Partei nur ein Viertel der Parlamentssitze hat(11).

Alexander Litwinenko war Buchautor. Zusammen mit dem US-Amerikaner russischer Herkunft Yuri Felshtinsky schrieb er ein Buch, mit dem echt schmissigen Titel „Blowing Up Russia. Terror from within“.
Nun war das aber keine AnkĂŒndigung, jedenfalls wahrscheinlich nicht, sondern eine Reportage ĂŒber die AnschlĂ€ge auf WohnhĂ€user in Moskau, mit denen der Tschetschenienkrieg begrĂŒndet worden war.
Litwinenko berichtet darin, daß diese AnschlĂ€ge keineswegs von „tschetschenischen Terroristen“, sondern vom FSB begangen wurden, um einen Kriegsgrund zu haben(12).
Stimmt.
Nur warum zum Geier stand 1999 nichts davon in der Presse? Oder vielleicht 2001…?

Rußland ist unser strategischer VerbĂŒndeter und mehr, es ist auch unser Freund. Dieses Land und seine Bewohner haben nach der Niederschlagung des Faschismus nicht Rache walten lassen und sie haben spĂ€testens seit dem Ende der Sowjetunion keinerlei expansive Tendenzen entwickelt, sondern nur versucht, ihren Laden irgendwie zusammenzuhalten.
Der 2.Tschetschenienkrieg, der mit den gefakten TerroranschlÀgen des FSB begonnen wurde, ist und war von Grausamkeiten gekennzeichnet, und zwar von allen Seiten.
Tschetschenien bietet noch heute das Bild eines Waffenarsenals, alle kĂ€mpfen gegen alle, die Fronten sind keineswegs klar, ĂŒberall Milizen und WaffentrĂ€ger und alle, alle leben sie vom Erdöl, von Schmuggel und vom Waffenhandel.
Das russische MilitĂ€r spielt darin anerkanntermaßen die schmutzigste Rolle.

Nun, zurĂŒck zum Fall Litwinenko.
Wie mag er sich abgespielt haben?

Ein Sismi-Agent trifft sich mit ihm und vergiftet ihn, irgendein Eingeweihter sorgt fĂŒr ein Treffen mit einem FSB-Agenten, dann wird Litwinenko beim Sterben mitgefilmt, das warÂŽs.
Der Rest ist Weltpolitik.

Heute auf tagesschau.de (13):
In Moskau heißt es dazu, Alexander Litwinenko sei nur ein unbedeutender Wicht aus der dritten Reihe gewesen. So formulierte es ein Duma-Abgeordneter.“
Und zu Politkowskaja:
„Nach ihrem Tod kommentierte dieser (Putin): Der Mord wĂŒrde fĂŒr Russland einen grĂ¶ĂŸeren Schaden anrichten, als wenn sie noch publizieren wĂŒrde.
Die Geisteshaltung, die hinter solchen Äußerungen steckt, ist erschreckend. Litwinenko – ein unbedeutender Wicht. Politkowskaja – macht durch ihren Tod nichts als Ärger.“

Tja, Leute, das ist zwar direkt, schnörkellos und brutal – aber es stimmt.
Wer die russische MentalitĂ€t nicht kennt, die einfach ohne blödes Drumherumgefasel auszukommen pflegt, der ist da natĂŒrlich schwer konsterniert, was?
Wobei man natĂŒrlich den West-CĂ€saren Bush wieder bestens lobhudeln kann, nur weil er so nett ĂŒber seine Kriegsmassaker daherschwĂ€tzt, gelle?
Sowas schreiben nur Leute zusammen, die noch Jahre spĂ€ter SchweißausbrĂŒche bekommen weil sie mal in der U-bahn neben einem Punker sitzen mußten.

Liebe Tagesschau-Kollegen und sonstige Pressefritzen: Weltkrieg, Agenten, Morde, Diplomatie und Erdöl – Euch ist das alles zu hart?
Dann geht doch in den Turnverein.

Quellen:
(1)
http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/259/88171/
(2)
http://209.85.135.104/search?q=cache:E4KTCMKFFsYJ:www.olympics.ie/text/%3Fc%3DWORLD%26jp%3DCWIDOJQLSNMH+Mario+Scaramella+Sismi&hl=de&ct=clnk&cd=7&lr=lang_en
(3)
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,450485,00.html
(4)
http://www.stern.de/politik/ausland/:London-Ex-Spion-Litwinenko/577141.html
(5)
http://www.welt.de/data/2006/11/24/1123114.html
(6)
http://www.zeit.de/news/artikel/2006/11/24/82036.xml
(7)
http://www.engdahl.oilgeopolitics.net/Auf_Deutsch/Bric_Wall/bric_wall.html
(8)
http://www.welt.de/data/2005/09/09/772351.html
(9)
http://de.rian.ru/world/20061110/55505726.html
(10)
http://www.0815-info.de/archiv/2006/november/110623.php
(11)
http://www.wsws.org/de/2006/nov2006/pol-n22.shtml
(12)
http://de.wikipedia.org/wiki/Litwinenko
(13)
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6126604_NAV_REF1,00.html
(14)
http://0815-info.de/archiv/2006/september/code1199.php
(15)
http://www.dolomiten.it/nachrichten/artikel.asp?KatID=f&ArtID=84860

Rechtschreibung korrigiert am 20.01.2016. Der Inhalt wurde natĂŒrlich nicht geĂ€ndert.