Der Krieg geht weiter
RuĂland stellt sich hinter Libanon und lehnt US-Frankreich-Entwurf in der UN ab
New York, Dienstag Morgen: der russische Botschafter Witali Tschurkin lehnte heute in einem Interview mit dem russischen Fernsehsender „Westi“ den US-französischen UN-Resolutionsentwurf in seiner jetzigen Form ab (1).Kurz zuvor hatte AuĂenminister Steinmeier vor seiner Abreise in den Nahen Osten im Weltsicherheitsrat noch eine VerstĂ€ndigung ĂŒber den Bush/Chirac-Entwurf gesehen (2).
Gestern Abend hatte die libanesische Regierung einen eigenen Friedensplan mit der UnterstĂŒtzung der Arabischen Liga und RuĂlands aufgestellt. Er sah 15.000 libanesische Soldaten zur Sicherung an der gemeinsamen Grenze zu Israel vor. Dieser Plan wurde von der israelischen Regierung umgehend als „Trick“ abgelehnt (3).
Die neue Konfrontation
Deutschland und Frankreich haben sich mit ihrer Parteinahme fĂŒr Israel weltpolitisch Schachmatt gesetzt. Etwas noch DĂŒmmeres hĂ€tte gerade der ElysĂše-Palast garnicht tun können, als den Libanon diplomatisch völlig zu ignorieren, denn die Siniora-Regierung, die zuhause gnadenlos zerbombt wird und der die Menschen vor den Augen wegsterben, hatte doch gar keine andere Möglichkeit, als sich nach VerbĂŒndeten umzusehen, wenn zuerst Berlin und dann Paris den Kriegsgegner hofieren und die Entsendung eigener Truppen zur UnterstĂŒtzung Israels der Weltöffentlichkeit als Friedensplan andrehen wollen.
Und RuĂland, daĂ von Berlin und jetzt auch noch Paris bereits diplomatisch abgeschrieben wurde, nahm diese goldene Chance natĂŒrlich wahr endlich wieder Schutzmacht in Arabien zu sein, und mal nicht nur fĂŒr den Iran..
Die Olmert-Regierung will deutsche Truppen im Libanon
Die Olmert-Regierung kann den Libanonkrieg nicht gewinnen. Das kann niemand.
Das Einzige, was Olmert im Auftrage BushÂŽs und BlairÂŽs versucht, ist, mit aller Macht deutsche Truppen in den Libanon zu bomben. Die israelische Regierung verbot gestern sogar Hlifslieferungen des Roten Kreuzes, offenbar um das Leid im vollkommen abgeschnittenen SĂŒdlibanon aus politischen GrĂŒnden noch zu steigern (8).
Olmert telefonierte quasi öffentlich mit Angela Merkel und bestand auf deutschen Truppen und zwar plötzlich, sonst gehe der Krieg weiter(4), in der Bild am Sonntag fragte irgendein Lord Weidenfeld „Können wir ĂŒberhaupt noch `Nein` sagen?“ und sagte dann auch gleich, Deutschland könne sich „da nicht herausreden“ (5) (wer ist denn dieser Kerl? Was glaubt der eigentlich wer er ist?), in Israel werden allen Ernstes Umfragen gemacht, die natĂŒrlich zeigen, wie begeistert die Bevölkerung von deutschen Soldaten im Libanon und an der eigenen Grenze ist (6) und unser werter AuĂenminister schwitzt immer noch unter seiner Brille und redet dummes Zeug daher.
Aber in Sachen wirren Statements, da steht die frankodeutsche Achse noch. Ebenfalls gut im Schnitt lag heute nĂ€mlich auch der französische UN-Botschafter Jean-Marc de la Sabliere, der den vom Libanon und RuĂland abgelehnten und von der eigenen Regierung plötzlich fĂŒr ĂŒberarbeitungswĂŒrdig gehaltenen UN-Entwurf, allen Ernstes als „gute Arbeit“ bezeichnete (7).
Das Ende der Friedensmacht
Es bleibt die Bilanz eines katastrophalen Scheiterns der französischen Diplomatie, eine eindeutige Parteinahme Deutschlands fĂŒr ein kriegfĂŒhrendes Land und eine gefĂ€hrliche Konfrontation zwischen den USA und RuĂland und China im Nahen Osten.
Auslöser des ganzen Debakels, und mitschuldig an dem nun mit Sicherheit andauernden Gemetzel:
die deutsche Bundesregierung.
Und sollte sie wieder einmal meinen, deutsche Soldaten in einem Krieg wĂŒrde irgendetwas verbessern, wird sie von der deutschen Bevölkerung eines besseren belehrt werden.
1.
http://www.vol.at/engine.aspx/page/vol-article-detail-page/cn/vol-news-jsteiner-20060808-105517/dc/tp:vol:news-welt/ag/tp-apa
2.
http://de.today.reuters.com/news/NewsArticle.aspx?type=topNews&storyID=2006-08-08T063710Z_01_HUB818479_RTRDEOC_0_DEUTSCHLAND-NAHOST-STEINMEIER.xml
3.
http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3856&Alias=wzo&cob=243182
4.
http://www.wams.de/data/2006/08/06/988191.html
5.
http://www.bild.t-online.de/BTO/news/aktuell/2006/08/07/nahost-israel-libanon-weidenfeld/nahostkonflikt-deutsche-soldaten.html
6.
http://www.hagalil.com/archiv/2006/08/umfrage.htm
7.
http://en.rian.ru/russia/20060808/52373919.html
8.
http://stern.de/politik/ausland/:Libanon-Israel-Hilfslieferungen/567213.html
