“Jetzt reicht´s”: Stuttgarter Bewegung ruft zum “Endspurt gegen Stuttgart 21″

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Stuttgarter Bewegung ruft zum Endspurt gegen das Großprojekt "Stuttgart 21"
Stuttgarter Bewegung ruft zum Endspurt gegen das Großprojekt "Stuttgart 21"

Für Samstag den 18.September rufen die Stuttgarter Parkschützer unter dem Motto "Jetzt reicht´s: Endspurt gegen Stuttgart 21" zur "Volksversammlung" im mittleren Schloßgarten beim Hauptbahnhof. Noch 193 Tage zur Landtagswahl in Baden-Württemberg versprechen eine sehr lange Zeit für die Regierungsparteien  CDU und FDP zu werden.

Auf einer Kundgebung der Demonstration werden u.a. der Verkehrsexperte Klaus Arnoldi vom Verkehrsclub Deutschland (VCD), sowie der Geologe und Anhydrit-Fachmann Dr. Jakob Sierig sprechen. Polka für die Welt erschallt von HISS, die Stuttgarter wollen´s Feiern nicht versäumen.

Derweil versuchen die Landesregierung Baden-Württemberg unter dem Stefan Mappus (CDU),  die Hintermänner des städtebaulichen und verkehrsindustriellen Programms "Stuttgart 21" mit ihrem Sprecher Wolfgang Drexler (SPD), die Deutsche Bahn AG unter Rüdiger Grube, sowie Industrielobby und Konzerne in Stuttgart noch in letzter Minute soviel kaputt zu schlagen wie sie nur können. Auf einer Webcam kann man die noch in diesen Minuten weiter exekutierte Zerstörung von Teilen des unter Denkmalschutz stehenden Hauptbahnhofs live mitverfolgen.

Dabei ist für CDU und Industrielobby der politische Kampf längst verloren. Nach Bündnis 90/Die Grünen, die mit Silke Krebs voraussichtlich die erste grüne Ministerpräsidentin der Republik stellen werden und in den Umfragen schon mit sechs Prozentpunkten Abstand zur SPD bei 27 % liegen, f0rdert nun auch die Landes- und Bundespartei der Sozialdemokraten einen sofortigen Baustopp bzw Stopp des Abrisses und eine Volksabstimmung in Baden-Württemberg. (2)

Wie die aller Wahrscheinlichkeit nach ausgehen würde, kann man (neben vielen anderen nützlichen Informationen) auf kopfbahnhof-21.de nachlesen. In einer Umfrage sprachen sich vor kurzem 54 % der Baden-Württemberger gegen das Programm "Stuttgart 21" aus, nur 34 % unterstützten es.

In 2008 hatte die SPD-Bundespartei unter Franz Müntefering und Frank-Walter Steinmeier noch mit dem Beschluss des Bundeshaushaltes 2009 den Weg frei gemacht für das von der damaligen "großen Koalition" von SPD, CDU und CSU in Berlin unterstützte Großprojekt. Der damalige Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte mit seiner Unterschrift unter den entsprechenden Finanzdeal "Stuttgart 21" abgesegnet.

Doch im September 2009 sorgten dann SPD-Vorsitzender Müntefering und SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier für die größte Wahlniederlage der SPD seit der Weimarer Republik. Satte 11.2 Prozent Wählerstimmen verbuddelte die damalige SPD-Bundesführung in der großen Koalition unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und kam insgesamt auf 23 %. In Baden-Württemberg waren es ganze 19.3 %. Und das ist gerade mal ein Jahr her.

Kann man es da den Sozens wirklich übel nehmen, dass sie wenigstens versuchen ihre eigene Haut zu retten? Also da muss man doch Mitleid haben. Barmherzigkeit. Verständnis und Wohlwollen.

Wir sind doch alles nur Menschen.

update 16.10 Uhr

Man könnte jetzt sagen: "wo wir schon beim Thema sind". Was ist nur mit Rainer Wendt los? Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft DPolG, sonst eher der zähnefletschende römische Legionär Haudraufundschluss, rät ebenfalls zum Baustopp und

"der Landesregierung und der Deutschen Bahn, das Gespräch mit den Kritikern zu suchen."

Hui. Hat man lange nicht gesehen.

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Quellen:
(1) http://www.parkschuetzer.de/termine/87
(2) http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/fdp-kontra-spd-heftiger-parteienstreit-ueber-stuttgart-21;2655059
(3) http://www.swp.de/goeppingen/lokales/stuttgart_und_region/art5592,629295

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