Indien: der Freund meines Feindes ist mein Feind

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China wird als neue Bedrohung vom Subkontinent empfunden.
(Grafik: Gemälde eines Menschenaffen von Sir William Jardine, 1833 /Wikipedia)

Schaut man sich die neuesten Aussagen von führenden Politikern in Asien an, ist man schockiert über die Unversöhnlichkeit, die in ihnen mitschwingt. Es erinnert an das Trommeln auf die Brust einiger Primaten, in abgewandelter Form findet es sich im Kämpferischen der menschlichen Krieger wieder, dem Säbelrasseln und Tschingterrassa.

Jeder höhere Regierungsbeamte will seinen Staat als Platzhirsch der Region verstanden wissen. Das nennt man dann Ringen auf dem diplomatischen Parkett.

Das Spiel geht ganz einfach: der Freund meines Feindes ist mein Feind. Denn das zwei andere Partner sich vertragen, stört einen mächtig, man könnte ja an Einfluss verlieren. Besser ist es, immer neue Keile dazwischen zu jagen, sonst hört eines Tages niemand mehr auf einen.

So ist es nur folgerichtig, dass Indien sich sehr besorgt darüber äussert, dass der wachsende Einfluss Chinas in Südasien und dem Indischen Ozean seine eigene selbsternannte traditionelle Einflusssphäre zu schmälern beginnt, sehr negativ für Indien, versteht sich.

Der Chef der indischen Luftwaffe gab sogar zu Protokoll, dass, obwohl ein weiterer Konflikt (Anm.: gemeint ist hier der kurze Krieg vom Jahr 1962) mit China höchst unwahrscheinlich ist, das Land eine grössere Bedrohung als Pakistan für Indien bedeutet. Das ist eine erstklassige logische militärische Aussage, die dem gesunden Menschenverstand - wie immer- widerstrebt.

Kein Mensch auf der gesamten Welt verbietet es Indien, sich China in freundschaftlichem Verhältnis zu nähern ausser der eigene innnere Schweinehund sowie die Rüstungsindustrie, die einen nicht über den eigenen Schatten springen lassen. Das Ganze ist so surreal, und keiner der betroffenen Völker regt sich darüber auf, sondern lässt sich an der Leine führen wie dressierte Affen und hüpft in die vorgegebene Richtung. Dabei gäbe es für die beiden grössten asiatischen Nationen genügend wirtschaftliche Berührungspunkte, ohne dieses dämliche militärische Zusatzgequassel - das vielleicht noch einer ernst nimmt.

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(Grafik: The anti-royal menagerie. Englisches Satireblatt, 1812, William Henry Brooke; British Museum, London/ Wikipedia)

Auch für den indischen Verteidigungsminister Antony stellen sich die guten militärischen Beziehungen zwischen China und Pakistan als ernsthaftes Problem dar. China und Pakistan unterzeichneten einen militärischen Pakt zur Zusammenarbeit im letzten Jahr. China hat separate Visas an indische Bürger Kaschmirs erteilt.

"Die zunehmende Verknüpfung zwischen China und Pakistan im militärischen Bereich ergibt eine Fülle von grosser Besorgnis. Wir müssen ständig die chinesischen militärischen Fähigkeiten neu beurteilen und unsere Antworten müssen dies entsprechend berücksichtigen. Wir müssen wachsam sein zu jeder Zeit."

sagte Antony in einer am Freitag gehaltenen Rede, berichtet die Nachrichtenagentur "Reuters" aus Indien.

Kriege sind mit einfachen Gründen schnell vom Zaum gebrochen und so schwer wieder zu beenden.

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Quelle: http://in.reuters.com/article/topNews/idINIndia-44294720091127

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