Südkorea: Belagerungszustand von Autofabrik seit Ende Mai

Politik, Diplomatie

Entlassene Arbeiter der Autofirma Ssangyong Motor leisten erbitterten Widerstand gegen ein 3000 Mann starkes Polizeiaufgebot und Spezialeinheiten

In der südkoreanischen Provinz Gyeonggi, in der Stadt Pyeongtaek 70 km südlich von Seoul, haben tausend entlassene Arbeiter ihre insolvente Fabrik des Autoherstellers Ssangyong Motor seit Ende Mai (1) besetzt, zum jetzigen Zeitpunkt befinden sich noch ca. sechshundert auf dem Fabrikgelände.

Zweitausendsechshundert Arbeiter hatten von insgesamt siebentausendeinhundert Beschäftigten ihre Entlassung von der Firmenleitung erhalten.

Ein Banner hängt am Werk mit dem Spruch "If you don't talk, just kill all of us!"

Die Polizei nähert sich immer weiter dem Gelände, auf dem hochexpolsive Materialien wie Lösungsmittel, Verdünner und Farben lagern. Dutzende Polizisten und Demonstranten wurden in Auseinandersetzungen schon verletzt. Das Polizeiaufgebot beträgt 3000 Mann und es wurden jetzt über 100 Spezialkräfte hinzugezogen.

"Wir warten zur Zeit" sagte gestern ein Polizei-Sprecher, da man keine Explosion provozieren will.

Die Polizei erwägt nun, mit Gabelstablern und anderem schweren Gerät die Reifenbarrikaden, die vor dem Gebäude aufgestapelt sind, zu entfernen.

Mit riesigen Schleudern versuchen die Arbeiter in der besetzten Fabrik, die Polizei zurückzuhalten, indem sie scharfe Metallteile und Schrauben abfeuern. Die Polizisten haben Metallbarrikaden aufgebaut, um sich vor den Geschossen zu schützen.

Auf den Beschuss reagierte die Polizei mit Tränengas, das sie am Mittwoch von Helicoptern aus über dem Gebäude versprühte.

Die Polizei versucht den Widerstand zu brechen, indem sie die Gas- und Wasserversorgung abgetrennt hat, keine Nahrungsmittel passieren lässt und ununterbrochen Lärm veranstaltet, um die Arbeiter in der Fabrik am Schlafen zu hindern. Riesige Lautsprecherboxen wurden vor dem Gebäude installiert, aus denen ständig Aufforderungen zum Verlassen der Fabrik plärren.

Laut Augenzeugenberichten sind die Menschen in der Fabrik völlig erschöpft, da ihnen Wasser und Nahrung fehlen. Ein Familienangehöriger sagte, sie leiden an Mangelerscheinungen und haben keine medizinische Versorgung und keine Medikamente. Die 600 noch in der Fabrik ausharrenden Arbeiter hätten nur ein oder zwei Handvoll Reis pro Tag zu essen.

Die Firmenleitung, in der die chinesische Shanghai Automotive Industrie Corporation (SAIC) 51 Prozent hält, spricht durch den Produktionsausfall von einem bisherigen Verlust von 261 Milliarden Won, umgerechnet ca. 135 Millionen US-Dollar. (2)

Durch die weltweiten Rezession erlitt Ssangyong Motor im Jahr 2008 einen Verlust von 710 Mrd. Won, das sind ca. 567 Millionen Dollar. Die ausgelieferten Fahrzeuge betrugen 81.000 Stück im Vergleich von 122.000 Stück im Jahr 2007. Im Januar hatte die Firma Konkurs angemeldet und Insolvenzmassnahmen und Umstrukturierungspläne beschlossen, die zu den Massenentlassungen führten. (3)

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Quellen:

(1) http://english.aljazeera.net/news/asia-pacific/2009/07/2009723582641747.html
(2) http://www.koreatimes.co.kr/www/news/nation/2009/07/113_48978.html
(3) http://online.wsj.com/article/SB124837489036876593.html