Mohamed ElBaradei vergleicht die heutige Situation des Irans mit den Ereignissen von 1953

Politik, Diplomatie

Der Chef der Internationalen Atomenergieorganisation IAEO (International Atomic Energy Agency, IAEA) Mohamed ElBaradei sagte am Montag in einem cnn-Interview, dass die Welt nicht übertreiben sollte in ihrer Anklage gegen den Iran bezüglich des Programms zur Anreicherung von Uran.

Dies führe zu einer Bedrohung der Stabilität  in der Region. Damit bezieht er sich hauptsächlich an die Adresse der USA und Israel: „ There is a concern, but don't hype the concern.“

Bezogen auf Japan, Brasilien und Argentinien, die ebenfalls Programme zur Urananreicherung durchführen, sagte er, dass einige andere Staaten auch Programme zur Urananreicherung haben und die Welt setzt keinen Fuss hinein. Also warum setzen wir unseren Fuss in den Iran wegen seiner Urananreicherung?

„Many other countries are enriching uranium and the world is not making a fuss about it. So why are we making a fuss about Iran and its nuclear enrichment.“

Er fügte hinzu, dass die umfangreiche Besorgnis über die nuklearen Aktivitäten daher rühren, dass der Iran als gefährlich dargestellt wird, dass dies aber jeder realen Grundlage entbehre. Die Iraner werden als „Achse des Bösen“ bezeichnet. Dort würde mit Hilfe von Geld ein Regimewechsel versucht und sie sind von Nuklearwaffen besitzenden Ländern und US-Truppen umgeben. Versetzt euch in ihre Lage: „So put yourself in their shoes“

ElBaradei erinnerte an die Verschwörung  von 1953 der Eisenhower-Administration zum Sturz der demokratisch gewählten Regierung und des Premierministers  Dr. Mohammad Mossadegh.

Wikipedia:  Dr. Mohammad Mossadegh

In seiner Regierungszeit versuchte Mossadegh eine Reihe sozialistisch orientierter Reformen umzusetzen; darunter eine Landreform, die das Jahrhunderte alte Feudalsystem beendete und durch kollektive Landwirtschaftsbetriebe und staatlichen Grundbesitz ersetzte.
Die Veränderungen im Iran zogen nun die Aufmerksamkeit der US-Regierung auf das Land. Die Vereinigten Staaten sahen durch die Gefahr einer Einflussnahme der Sowjetunion über die Tudeh-Partei, wie auch durch die Verstaatlichungen, ihre Interessen gefährdet.
Am 4. April 1953 billigte der CIA-Direktor Allen W. Dulles ein Budget von einer Million US-Dollar, die dazu verwendet werden sollten, Mossadegh zu stürzen (“in any way that would bring about the fall of Mossadegh”). Mit dieser Geheimdienstoperation Operation Ajax gelang es der CIA in Zusammenarbeit mit dem Schah, monarchistischen und klerikalen Gruppen, geführt vom General im Ruhestand Fazlollah Zahedi, am 19. August 1953 Ministerpräsident Mossadegh aus dem Amt zu entfernen. Auf Drängen der CIA hatte der Schah nach langem Zögern am 13. August eingewilligt, per Dekret den früheren Senator und Innenminister sowie Armee-General Fazlollah Zahedi zum neuen Ministerpräsidenten zu ernennen.

Wikipedia: Operation Ajax

Operation Ajax bezeichnet eine historische und in ihrer Art für weitere Aktionen beispielgebende CIA/MI6-Operation im Jahr 1953, bei der im Iran der populäre, als Nationalheld gefeierte, demokratisch gewählte Premierminister Dr. Mohammad Mossadegh gestürzt und eine vom Schah Mohammad Reza Pahlavi favorisierte Militärregierung installiert wurde. Dadurch wurde die von Mossadegh geplante Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie verhindert, die British Petroleum das Monopol verwehrt hätte.
Geleitet wurde die Aktion von Kermit Roosevelt jr., unterstützt durch Donald Wilbur, einem weiteren Agenten der Operation Ajax. Zusammen mit Loy Henderson,[1] dem US-Botschafter im Iran, überredeten sie den Schah zum Sturz Mossadeghs. Vorher sah der Schah sich jedoch veranlasst, den Iran zu verlassen. Er floh vorübergehend über Bagdad nach Italien, kehrte jedoch am 22. August 1953 triumphal zurück – nach dem Sturz Mossadeghs durch General Fazlollah Zahedi.

Es gibt in der heutigen Situation Parallelen zu den damaligen stattgefundenen Ereignissen.

Die USA haben die Volksmudschahedin unterstützt, um die Regierung in Teheran zu stürzen.

Kürzlich wurden diese von der Europäischen Union von der Liste der Terrororganisationen gestrichen.

ElBaradei ist der Ansicht, dass die USA und Teheran dringend die Versöhnung suchen müssen, auch wegen der damals stattgefundenen Ereignisse.

Als im Januar der iranische Präsident  Mahmoud Ahmadinejad sagte, dass sich die neue US-Regierung unter Obama für ihre begangenen Verbrechen gegen das iranische Volk entschuldigen muss bevor eine Änderung in  den Beziehungen erfolgen kann, spielte er auf die Ereignisse von 1953 an.

Der Iran bestreitet eine militärische nukleare Forschung und betont die Entwicklung zur zivilen Nutzung im Gegensatz zu den USA, die seit vielen Jahren die Konfrontation suchen und behaupten, dass der Iran bald in der Lage ist, genügend  angereichertes Material  zur Herstellung von Atomwaffen zu besitzen.

Der scheidende CIA-Direktor Michael Hayden sagte am 16. Januar, dass es keine Beweise gibt, dass Teheran seine niedrig angereicherte Uranprogramme für die Entwicklung für Atomwaffen verwendet.

Einem Bericht der Atomaufsichtsenergiebehörde vom November 2008 ist zu entnehmen, dass der Iran in dieser Entwicklung erst unter 5% liegen würde und für die Produktion von Atomwaffen über 90% benötigt werden.

Um die Gefahr einer drohenden militärischen Auseinandersetzung im Nahen Osten zu verhindern, ist es dringend notwendig, dass alle Konfliktparteien endlich Vernuft annehmen und an den Verhandlungstisch mit sachlichem konstruktiven Argumentationen zurückkehren, die Einmischung der Geheimdienstoperationen der USA in die Angelegenheiten anderer Länder müssen aufhören.

Mit dem Regierungswechsel in den USA könnte es bei ernsthaften Willen eine positivere Entwicklung zur Stabilisierung des Nahen Ostens geben, es sei denn, dass dies nicht in ihrem Interesse liegt. Das wird die nahe Zukunft zeigen.