Hoffen um die Welt

Politik, Diplomatie

Amerika hat sich nach dem 11.September 2001 zu einer imperialen Grossmacht aufgeschwungen, welche die eigenen Regeln verletzt, die eigenen Träume verraten, die eigenen Freunde verlassen und die eigene Substanz zerstört hat.
Es tat dies in vollem Bewusstsein und nicht unter Zugzwang, es tat dies in dem Versuch die Herrschaft über den Planeten zu erringen, es tat dies ohne Mitleid oder Rücksicht und es tat dies ohne Skrupel - kalt, grausam, barbarisch.

Es gab nichts auf das Amerika hörte, es gab nichts was Amerika nicht tat um seine Herrschaft zu festigen, es gab nichts was Amerika sah ausser die Willigen und die Feinde.

Nun wird es dafür den Preis bezahlen.

Die Siegesrede Obamas war ein Versuch all das wieder wettzumachen (hier eine Abschrift). Es war ein brillianter Brückenschlag über alle aufgerissenen Gräben im eigenen Land und in der Welt.
Es war eine bemerkenswert weise, nicht triumphierende, sondern fast leise Inspiration welche die zertrampelten, die geschundenen, die verratenen Seelen der Menschen im eigenen Land und in der Welt zum Klingen brachte und sie hat gewirkt - vorerst.

Es ist wichtig, sich einmal diese brilliant inszenierten Bilder von gestern anzuschauen, auch die letzten Minuten als zu schimmernden Klängen Bilder aus der ganzen USA eingeblendet werden.

Ein Anfang ist gemacht. Aber ein Anfang von was?

WER WIRD DIE INITIATIVE ERGREIFEN?

Zuerst werden alle machtgewohnten Eliten, in panischer Angst um ihre Macht und Pfründe, versuchen schnell Fakten zu schaffen und den neuen Cäsar des westlichen Imperiums, den neuen Präsidenten der USA, auf ihre Position zu zwingen.
Einen ersten Versuch machte das z.Z. auch offiziell regierungslose Militär von Israel, indem es am gestrigen Wahlabend im gleichen wahnwitzigen Hass auf die eigene Bevölkerung und Demokratie deren Sicherheit und Frieden durch einen absurden Angriff auf den Gazastreifen gefährdete welcher alle (nach dem Zusammenbruch des Ostblocks feindlosen) Militärs des sogenannten "Westens" seit Jahrzehnten auszeichnet.

In der Angst überwaffnet, tödlich und gefährlich einfach überflüssig zu werden und zu verschwinden wie ein Antagonismus in einer neuen, gemeinsamen Welt der Menschheit auf einem zusammenwachsenden Planeten, werden die potentiellen und realen Massenmörder der Militärs in allen NATO-Staaten - aber auch die unter ihrem Druck entstandenen, so herbeigesehnten neuen Gegner -  alles tun, um dem neuen US-Präsidenten die Initiative aus den Händen zu reissen.

Es ist nur die Frage ob er es ihnen freiwillig gibt, oder nicht schon längst in die Hände gegeben hat. Vieles spricht für Letzteres.

DAS FUNDAMENT DER REAL EXISTIERENDEN WELT: BESITZ

Seit Jahren propagiert Barack Obama den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg, beispielhaft an dem Beispiel der Atommacht Pakistan. Seit jahren wird der jetzige neue Präsident von Superreichen, Konglomeraten und Eliten so massiv unterstützt, wie noch kein anderer jemals zuvor.
Ohne diese 600 Millionen Dollar, welche für seine Eigenwerbung ausgegeben wurde, hätte Hillary Clinton gestern ihre Siegesrede gehalten und jeder weiss das, obwohl niemand gern einem Sieger widerspricht.

Doch nur darum ging es hier die ganze Zeit. Einen Sieger ins Weisse Haus zu bringen, einen Einsammler für die ganz grosse Jagd, einen neuen Sieg für alte Kaiser in neuen Kleidern, eine Restauration des Ansehens der "Führungsmacht der westlichen Welt".
Aber einen Wandel? Einen "change"?

Ein Wandel hiesse, dass sich die Eigentumsverhältnisse ändern. Sie bestimmen über Chancen, Prosperität, Zugang, Leben und Lebensglück.
An den Monopolen über Finanzen. Energie, Politik und Kultur aber wird nicht gerüttelt werden. Im Gegenteil, die gigantische Ausplünderung des Staates USA durch die Banken - der Obama in Washington zugestimmt hat - wird einfach weitergehen. Wer sollte die Banken denn daran hindern? Ein Präsident Obama vielleicht?

DIE NÄCHSTE "KRISE"

Seit Wochen geistert nun die kommende "Krise" durch die nichtgesteuerte Zeitungswelt, welche den neuen US-Präsidenten testen werde.
Ausgelöst hatte dies ausgerechnet der neue US-Vizepräsident Joe Biden, der grösste Flurläufer und Bar-Diplomat Washingtons überhaupt. Seit 1973 ist er im Senat. Das muss man sich mal vorstellen.
Biden war und ist nicht nur für jeden Krieg gewesen den die USA seitdem geführt haben, sondern er war es vor allem sogar noch vor denjenigen die ihn letzten Ende führen mussten oder anordneten.

Wie kann jemand allen Ernstes von sich behaupten, er hätte vor irgendetwas in Washington ändern zu wollen und dann ausgerechnet Joe Biden zu dem Mann machen, der nur einen Herzschlag vom Amt des Präsidenten entfernt ist?

Biden nun hielt am 19.Oktober vor seinen und Obamas Finanziers eine dramatische, eine in ihrer Bedeutung hochschwangere Rede vor der Geburt der unabänderlichen Tatsachen.
Es wird eine einzige düstere Prophezeihung, in der er bereits jetzt um Unterstützung für eine kommende schweren "Test" des neuen Präsidenten wirbt, welcher "wirklich harte Entscheidungen" in einer "internationalen Krise" werde treffen müssen  - in den ersten 6 Monaten seiner Amtszeit.

Biden zieht einen Vergleich zwischen Obama und Kennedy, benennt "4 oder 5 Szenarios", ausdrücklich Russland, Pakistan, den Nahen Osten, Iran sowie Bin Laden der im Grenzgebiet zwischen Afghanisten und Pakistan lebe und laut der CIA "gesund und wohlauf" sei.

"Das ist da, wo al Qaeda lebt. Es ist dort. Es ist real. Wir konzentrieren uns so sehr auf die schlechte Politik im Irak, dass wir manchmal zu denken scheinen dass dort irgendwie kein reales Problem ist. Unsere CIA hat daraufhin gewiesen, dass Bin Laden gesund und munter ist, Irak, entschuldigen Sie mich, in den Bergen zwischen Pakistan und Afghanistan. Er bekommt (unverständlich) und Unterstützung aus diesen Stammesgebieten. Ihr erlebt hier, Leute, der Taliban kommt zurück.
Wir stehen kurz davor uns in einer Position wiederzufinden wo wir den Rückschritt sehen wie er in Pakistan passiert..

Wir reden hier darüber dass Iran eine Nuklearwaffe bekommt und Israel bedroht und uns. Pakistan brüstet sich bereits mit Nuklearwaffen, die alle bereits genau jetzt Israel treffen können, die alle den Mittelmeerraum treffen können und tief bis in den Indischen Ozean. 
Der Punkt, den ich hier deutlich machen will ist, Du kannst das nicht militärisch gewinnen. Du musst darüber hinaus gehen..

Wir werden uns in echten Schwierigkeiten wiederfinden wenn wir gewählt werden. Das wird richtig hart. Das wird richtig, richtig, richtig hart. Wir werden das grösste systembedingte Defizit in der modernen - nicht modernen - in der Geschichte der Welt haben.
Wir werden uns selbst in der Lage wiederfinden eine Schuld zu erben, eine jährliche Schuld dieses Jahr, die sich möglicherweise einer dreiviertel Billion Dollar nähert. Hören Sie mir zu?"

Schuld. Schuld. Bei wem eigentlich und wofür?

"Und das ist der Punkt den ich meine. Denkt an meine Worte. Denkt an meine Worte. Es wird keine sechs Monate dauern bevor die Welt Barack Obama testet wie sie Kennedy getestet haben. Die Welt schaut auf uns. Wir werden einen brillianten 47 Jahre alten Senator zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika wählen. Erinnert Euch daran wie ich das gesagt habe, hier stehend, auch wenn Ihr alles andere vergessen habt was ich gesagt habe.

Seht mal, wir werden eine internationale Krise haben, eine erzeugte Krise, um den Mumm von diesem Kerl zu testen. Und er wird ein paar wirklich harte - ich weiss nicht was die Entscheidung sein wird, aber ich verspreche Euch dass es passieren wird.
Als ein Geschichtsstudent, der unter 7 Präsidenten gedient hat, ich garantiere Euch es wird passieren. Ich kann Euch 4 oder 5 Szenarios nennen von wo es vielleicht ausgeht. Und er wird Hilfe brauchen.

Und die Art von Hilfe die er braucht ist, er braucht Euch, nicht um ihm finanziell zu helfen, wir brauchen Euch damit Ihr Euren Einfluss in der `community` benutzt um ihm beizustehen. Denn es wird zu Beginn nicht offensichtlich sein, es wird nicht offensichtlich sein dass wir Recht haben."

Auch Barack Obama bat gestern in seiner Siegesrede ("I need your help") um die Hilfe seiner Landsleute.
Wobei?

"Und zu all Denen die uns zuhören jenseits unserer Küsten, aus Parlamenten und Palästen, zu Denen welche um die Radios versammelt sind in den vergessenen Ecken dieser Welt, unsere Geschichten sind einzigartig, aber unser Schicksal ist geteilt und ein neuer Morgen der Amerikanischen Führerschaft bricht an.

Zu Denen -- zu Denen, welche die Welt einreissen wollen: wir werden Euch vernichten.
Zu Denen, die Frieden und Sicherheit suchen: wir unterstützen Euch.
Und zu all Denen die sich gefragt haben ob Amerikas Leuchtfeuer immer noch genauso hell brennt: heute Nacht haben wir einmal mehr bewiesen dass die wahre Stärke unserer Nation nicht aus der Macht unserer Waffen oder der Höhe unseres Reichtums herrührt, sondern von der andauernden Macht ("enduring power") unserer Ideale: Demokratie, Freiheit ("Liberty"), unbegrenzte Möglichkeiten ("opportunity") und unnachgiebiger Hoffnung.
Das ist das wahre Genie von Amerika: dass Amerika sich (ver)wandeln ("change") kann. Unsere Union kann perfektioniert werden. Was wir bis jetzt schon erreicht haben, gibt uns Hoffnung für das was wir morgen erreichen können und müssen."

Nun, was wird also "morgen" sein?

EIN ANGRIFF AUF DEN WELTFRIEDEN

Bereits im September verteilten führende US-Politiker und Abgeordnete beider Parteien, "Demokraten" wie "Republikaner", ein Papier namens "Die Herausforderung annehmen - US Politik gegen Irans Nuklearprogramm" ("Meeting the Challenge –U.S. Policy toward Iranian Nuclear Development").

Es ist ein Strategiepapier für eine völkerrechtswidrige Konfrontation, einen Krieg mit dem Iran, der auch vor dem Einsatz von Atomwaffen nicht zurückschreckt. Ausdrücklich wird die Bereitschaft betont "Hunderttausende Menschen zu töten", so der Neokonservative Michael Rubin welcher das Papier entworfen hat.
 Ausdrücklich heisst es in diesem Papier, an dem auch der designierte nächste US-Aussenminister unter Barack Obama, Dennis Ross, beteiligt ist:

"Nur wenn die israelischen Politiker glauben, dass US- und europäische Politiker sicherstellen dass die islamische Republik keine Atomwaffen erlangen, werden die Israelis wahrscheinlich nicht den Iran selbst angreifen"

Die Reihenfolge der Aktionen, mit denen der Krieg gegen den Iran beginnen soll, listet der "Berliner Kurier" ("Was hat Obama mit dem Iran vor?") wie folgt auf:

- Finanzblockade
- Seeblockade
- Aufmarsch
- Ultimatum
- Luftschlag, auch mit Atomwaffen

Joe Biden hielt am nun 19. Oktober seine düstere Propheizeihungs-Rede. Am 20. sass der Präsident der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, El Baradei, in einem Interview mit dem Fernsehsender Al-Arabiya, als dessen Resumee nun weltweit die Meldung in den Konzernmedien die Runde machte, dass uns nun "eine Bombe zu Weihnachten" aus dem Iran erwartete, wie die "Süddeutsche Zeitung" am 23.Oktober titelte.

 Es blieb Knut Mellenthin auf hintergrund.de überlassen diesen Bericht und die darauf aufbauende, blitzschnell von Neokonservativen in Deutschland aus dem Boden gestampfte Initiative "Stop the Bomb" in der Luft zu zerreissen.

"Nochmals zur Vermeidung eines Missverständnisses: ElBaradei rechnete seine Zeitangabe „mindestens sechs Monate bis zu einem Jahr“ bzw. - wie er sich dann selbst verbesserte - „ein Jahr mindestens“ ab einem hypothetischen Tag X. Nämlich ab dem – von ihm keineswegs für real gehaltenen – Moment, wo Iran sich entschließen könnte, aus dem Sperrvertrag auszusteigen und die Zusammenarbeit mit der IAEA abzubrechen. Da dies bekanntermaßen bis heute nicht geschehen ist und sich auch nicht andeutet, ist die Weihnachtsbombe auf jeden Fall Blödsinn, selbst wenn man die Worte von ElBaradei widersinnigerweise „ganz wörtlich“ nimmt. Widersinnigerweise, denn tatsächlich hat der IAEA-Chef in dem Interview seine Zeitangabe offenbar nicht in einem wissenschaftlichen Sinn gemeint, sondern wollte nur ausdrücken, dass selbst bei einem iranischen Ausstieg aus dem Sperrvertrag noch genug Zeit zum Handeln bleiben würde. Weder US-amerikanische noch israelische Dienststellen behaupten, dass Iran in einem Jahr oder gar in einem halben Atomwaffen herstellen könnte. Und ElBaradei, der hauptsächlich um Versachlichung und Deeskalation des Streits bemüht ist, wäre so ziemlich der letzte, der bewusst mit alarmistischen Prognosen Benzin ins Feuer schütten würde.

Im Gegenteil führte er im weiteren Verlauf des Interviews aus, dass ein Militärschlag gegen Iran „das Schlimmste wäre, was möglich ist. Es würde den Mittleren Osten in einen Feuerball verwandeln“. In diesem Fall würde er selbst, ElBaradei, seine Mission als gescheitert betrachten und von der Leitung der IAEA zurücktreten, betonte er in dem Interview mehrmals.

Wie evident unsinnig, ja geradezu lächerlich die Weihnachtsbomben-Geschichte ist, ergibt sich aus einem Vergleich mit den US-amerikanischen und israelischen Prognosen. Beginnen wir mit dem im November 2007 veröffentlichten gemeinsamen Bericht sämtlicher US-Geheimdienste, dem National Intelligence Estimate (NIE) mit dem Titel „Iran: Nuclear Intentions and Capabilities“.

Der allerfrüheste Zeitpunkt, zu dem Iran technisch in der Lage sein könnte, ausreichend hochangereichertes Uran (HEU) für eine Atomwaffe zu produzieren, ist dem NIE zufolge Ende 2009, „aber das ist sehr unwahrscheinlich“. Eher anzunehmen sei ein Zeitrahmen zwischen 2010 bis 2015. „Alle Dienste halten auch für möglich, dass diese Fähigkeit erst nach dem Jahr 2015 erreicht wird.“ – Wohlgemerkt, es geht lediglich um die technische Fähigkeit, HEU zu produzieren. Die Schwierigkeiten, wirklich einsatzfähige Atomwaffen zu entwickeln, sind dabei noch gar nicht angesprochen.

Schon das vorausgegangene Iran-NIE des Jahres 2005, das nicht veröffentlicht wurde, war nach Angaben der Washington Post davon ausgegangen, dass Iran erst zwischen 2010 und 2015 fähig sein könnte, genug HEU zu produzieren, um daraus Atomwaffen herzustellen...

Jeder, der sich mit dem Streit um das iranische Atomprogramm ernsthaft beschäftigt, ist wenigstens ungefähr über die prognostizierten Zeiträume im Bilde. Mit dem Märchen von der Weihnachtsbombe kann nur operieren, wer entweder überhaupt keine Ahnung hat – was für die Betreiber und Unterstützer der Anti-Iran-Kampagne peinlich und selbstentlarvend wäre – oder wem es auf eine Lüge mehr oder weniger nicht ankommt, wenn sie nur dem vermeintlich guten Zweck dient.

Die Linke ist in der STOP THE BOMB Kampagne mit der Bundestagsabgeordneten Petra Pau, dem Bundesarbeitskreis Schalom in der Parteijugend und mit einem Arbeitskreis der Rosa-Luxemburg-Stiftung vertreten. Zu den weiteren Akteuren der Kampagne gehören Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Zentralratsvizepräsident Dieter Graumann und die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Lala Süsskind, der Politologe Matthias Küntzel, der Journalist Henryk Broder, die österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek, der CDU-Politiker Heiner Geißler und der israelische Historiker Benny Morris, der den Einsatz von Atomwaffen gegen Iran fordert. Israel besitzt nach internationalen Schätzungen 150 bis 200 Atomwaffen auf Trägersystemen aller Waffengattungen. Im Gegensatz zu Iran hat es den Sperrvertrag nicht unterzeichnet."

KEIN PLAN OHNE ZEITPLAN

Interessanterweise wurde wieder einmal plump versucht, die ganze Zeitlinie dieser aus den USA inszenierten Kriegspropaganda-Kampagne zu manipulieren.

Das vom Neocon US-Strategiepapier "Meeting the Challenge – U.S. Policy toward Iranian Nuclear Development" stammt zwar schon aus dem September. Bekannt gemacht wurde es aber erst am 23.Oktober  durch einen Artikel in der "Washington Post", zeitgleich mit dem Beginn der Kampagne in Deutschland durch den Artikel der SZ, den übrigens Hans Rühle verfasste, welcher von 1982 bis 1988 Leiter des Planungsstabes im Bundesverteidigungsministerium war, für die NATO arbeitete und anschließend die sogenannte "Bundesakademie für Sicherheitspolitik in Deutschland" aufbaute.

Ausgerechnet diese "Bundesakademie für Sicherheitspolitik" nun war es, welche diesen August ein von führenden Funktionären aus Konzernen, Militär, Parteien und Regierung erstellte Szenario veröffentlichte, in welchem von einer kommenden "bewaffneten Auseinandersetzung" mit Russland und China ausgegangen wird.

Die "Auftragsarbeit im hochaktuellen Umfeld", entstanden zwischen Januar und Juni 2008 an der "Bundesakademie für Sicherheitspolitik" (BAKS), sah ausserdem die weltweite Kriegführung durch deutsche Militärs als "letzten Schritt zur Volljährigkeit Deutschlands".

Aber auch der Feind im Inneren war schon ausgemacht für die Expertise: ausgerechnet eine "breit organisierte Bürgerinitiative" der es zukünftig gelingen könnte die in Deutschland derzeit vorherrschende Energiepolitik "auszuhebeln". (- stop - denken Sie auch gerade an aufrechte Helden der hessischen Politik..? - stop -)
Dies widerum könne, so die Studie der "Bundesakademie", zu "gewalttätigen Ausschreitungen und Demonstrationen" führen.

Für die eigenen Zwecke gelte es zu allererst die Öffentlichkeit gewinnen. Eine Mischung von "fachlich kompetenten Führungskräften" aus "Wirtschaft, Wissenschaft und Medien" sollten als Multiplikatoren die "Akzeptanz" der deutschen Militärpolitik in der Bevölkerung befördern und in der Öffentlichkeit "die erforderliche Meinungsführerschaft" übernehmen, hiess es.

Der Vizepräsident der "Bundesakademie für Sicherheitspolitik", Brigadegeneral a.D. Klaus Gauchel, ist Beisitzer in der sogenannten "Deutsche Atlantische Gesellschaft e.V.".
Vizepräsidenten der "Deutschen Atlantischen Gesellschaft" sind wiederum das Vorstandsmitglied des traditionsreichen deutschen Rüstungskonzerns Diehl Werner Dornisch, MdB Jörg van Essen (FDP), Rüstungslobbyist General a.D. Klaus Naumann, der "Wehrbeauftragte" des Deutschen Bundestages Reinhold Robbe und der Leiter der deutschen Delegation zur Parlamentarischen Versammlung der NATO, MdB Karl A. Lamers (CDU).

General a.D. Klaus Naumann wiederum war einmal oberster Militär der deutschen Streitkräfte. Als ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr (und höchstdekorierter deutscher Soldat seit dem 2.Weltkrieg) forderte er schon im Januar dieses Jahres, zusammen mit vier ehemaligen Generalstabschefs aus führenden NATO-Staaten, in einem Statement den präventiven Atomschlag als neue NATO-Doktrin.

"Es droht das Risiko von weiterer Verbreitung von Atomwaffen und mit ihr das Risiko, dass nukleare Kampfführung, obgleich begrenzt in der Reichweite, vielleicht möglich werden könnte," so Naumann, John Shalikashvili (USA), Henk van den Breemen (Niederl.), Jacques Lanxade (F), Lord Inge (GB) in ihrer Vorlage für eine neue NATO-Doktrin.

Die Militärs und die Kräfte im Hintergrund dieses Papiers forderten im Januar 2008 als Antwort:
- die Einführung der Mehrheitsentscheidung in der NATO
- ein neues "Direktorium" aus "Führern" der USA, EU und NATO
- ein Ende der "Obstruktion" der NATO durch eine rivalisierende EU, so die Autoren
- das vollständige Fallen jeder Einsatzbeschränkung aller Truppen in Afghanistan
- den Einsatz von NATO-Truppen (und damit auch Atomwaffen) ohne UN-Mandat, zum SCHUTZE einer "grösseren Zahl von Menschen"

Der Träger des grossen Bundesverdienstkreuzes Klaus Naumann wandte sich ganz speziell gegen Einsatzbeschränkungen der Bundeswehr in Afghanistan und griff die deutsche Regierung scharf an.
"Die Zeit ist gekommen zu zeigen ob Deutschland ein verlässlicher Partner ist", so Naumann. Mit ihren Beschränkungen trage die Bundesregierung zur "Auflösung der NATO" bei.

OPERATION ENDURING POWER

Wenn man sich nun all diese Zusammenhänge schlicht ausreden lässt, wenn man auf Worte eines einzelnen Mannes mehr gibt als auf die über Jahre durch ihn, seine Mitarbeiter, seine Hintermänner und seine Finanziers zielstrebig betriebene Politik, wenn man nun nach der guten alten Methode "I want to believe" handelt, dann kann man nicht nur an UFOs, dann kann man auch an Barack Obama glauben.

Viele Amerikaner werden das tun. Sie brauchen Hoffnung, deshalb werden sie diese entwickeln und sei es nur in ihren neuen Präsidenten.
Es wird ein Geschenk sein, eine Energie, eine Vorauszahlung, welche Barack Obama nun in den Händen hält und als Waffe einsetzen wird, bis sie wieder verbraucht ist und wieder ein Prediger die Bühne betritt um den nächsten Kredit von den Amerikanern zu erbitten und nochmal und nochmal und nochmal und nochmal, solange, bis die Menschen begreifen dass man Mächtigen keinen Kredit gibt, in nichts und mit nichts und für nichts, sondern dass man sie zwingt dass zu tun was man selbst will, weil die Mächtigen es sonst nicht tun weil sie es sonst nicht müssen.

Am 13.November wird unser Parlament die neue Kriegsvollmacht im Rahmen der "Operation Enduring Freedom" (OEF) für weitere 13 Monate unterschreiben. Ihr neuer Oberbefehlshaber wird Barack Obama sein. Ein deutsches Kriegsschiff wird in den nächsten Tagen im Rahmen eines NATO-Flottenmanövers im Persischen Golf in Kuwait einlaufen. Das sind Fakten, keine Worte.

Auf die windelweiche Huldigung unserer unwichtigen Politblödelanten in der Bundesregierung allerdings darf man gespannt sein, wenn sie blass und ergeben demnächst ihre Order vom neuen Chef in Washington erhalten. Diese wird die gleiche wie vorher sein:

- Mehr Geld für mehr Soldaten und mehr Krieg,
- Einleitung der nächsten Phase im Übergang zur offen angekündigten "Neuen Weltordnung" am 15.November in New York beim Weltfinanzgipfel der G20 Staaten,
- das Grundgesetz der Deutschen stört und muss weg,
- Schnauze halten, weitermachen,

und hoffen, hoffen, hoffen...

(...)

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