Das Imperium erhöht die weltweite Spannung IV – Putschversuch in Pakistan

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Islamabad: Wer Pervez Musharraf mal richtig angesehen hat, der sieht ein ängstliches Hühnchen. Dieser Mann hat weder irgendeine Kontrolle über irgendetwas, noch hat er wirklich Ahnung, was sein eigener Militär- und Geheimdienstapparat veranstaltet.
Musharraf ist ein Opfer, und er weiss es. Seine Zeit ist abgelaufen. Er soll ersetzt werden durch die Sharif-Brüder aus dem Exil in Saudi-Arabien und London, die derzeit ihre Rückkehr vorbereiten.

Musharraf hat heute über seinen stellvertretenden Informationsminister Tariq Azim mit der Ausrufung des Kriegsrechtes und einer Verschiebung der Parlamentswahlen gedroht (1). Er geniesst dabei nicht einmal mehr die Unterstützung seiner eigenen Partei, der "Pakistan Muslim League" (Quaid-e-Azam, PML-Q, 2).
Dessen Chef, Chaudhry Shujaat Hussain, heute zu Reportern im Parlament: " Es gibt keine Möglichkeit eines Notstands" (3).
Übersetzt heisst das: "Es gibt keine Möglichkeit zur Ausrufung des Kriegsrechtes".

Den ganzen Tag versuchte heute Musharraf verzweifelt in Meetings und einberaumten Krisensitzungen, die Kontrolle wieder zu erlangen. Es gelingt ihm nicht.
Der afghanische Präsident Hamid Karzai versuchte ihn heute nach Afghanistan zu locken. Musharraf blieb in Pakistan.
Aus Washington höhnte der Sprecher des US-Aussenministeriums, Sean McCormack, dazu:
"Präsident Musharraf würde sicher nicht in Islamabad zurück bleiben, wenn er nicht glauben würde, gute und zwingende Gründe dafür zu haben zurückzubleiben (3).

NAWAZ UND SHABAZ SHARIF

Heute morgen begann der Oberste Gerichtshof von Pakistan mit der Beratung einer Eingabe von Nawaz Sharif. Dieser will nach 7 Jahren zurück nach Pakistan (1).

Nawaz Sharif, eigentlich Mian Mohammed Nawaz Sharif, war von November 1990 bis Juli 1993 und von Februar 1997 bis Oktober 1999 Premierminister von Pakistan.
Im wird nachgesagt, ein Ziehkind des pakistanischen Geheimdienstes ISI zu sein.
Er überwarf sich schon während seiner ersten Amtszeit mit 3 aufeinanderfolgenden Armeechefs, General Mirza Aslam Beg, General Asif Nawaz und General Wahid Kakar.
Im Jahre 1998 verdächtigte der damalige Premierminister Nawaz Sharif den Armeechef General Jehangir Karamat, eine Verschwörung gegen ihn angezettelt zu haben und entliess ihn.
Als dessen Nachfolger nominierte er - Pervez Musharraf. Das sollte sich später als ein Fehler erweisen.

1998 ordnete Sharif als Premierminister mehrere Atomtests an und verhängte währenddessen das Kriegsrecht (4). Anschliessend begann er einen Krieg mit Indien in Kashmir (Kaschmir).
Von seiner Regierung in Pakistan unterstützte bewaffnete Einheiten dringen in die Region um Kargil ein und lösen den "Kargil-Krieg" aus (5). Dieser scheitert gnadenlos, die Truppen Pakistans und die verbündeten Milizen müssen sich zurückziehen.
Nachher versucht Sharif seinem Armeechef Musharraf die Schuld zuzuschieben.

1999 befiehlt Sharif der Armee, die Wasser- und Elektrizitätsversorgung unter Kontrolle zu bringen. Seitdem sitzen Soldaten oder ex-Soldaten in diesen zivilen Schlüsselpositionen Pakistan´s.
1999 kommen Gerüchte über einen angeblichen Militärputsch in Pakistan auf. Während sich Musharraf auf einem Auslandsaufenthalt befindet (sic!), setzt ihn Sharif am 12.Oktober ab.
Musharraf setzt sich in einen zivilen Jet Richtung Pakistan. Diesem wird die Landeerlaubnis verweigert, ihm droht über dem Flughafen kreisend der Absturz wegen Treibstoffmangel. In letzter Sekunde besetzen Armeeeinheiten den Flughafen, Musharraf´s Flugzeug kann landen.
Zurück ergreift der die Macht und setzt Sharif in Haft. Dieser wird anschliessend zu lebenslanger Haft verurteilt, dann zu Exil in Saudi-Arabien. Die saudische Königsfamilie interveniert dabei zugunsten Sharifs.
Die Familie Sharif, mit Bruder Shabaz, muss ebenfalls das Land verlassen (4).

Shabaz Sahrif war u.a. leitender Minister der bevölkerungsreichsten Provinz Punjab und Chef der Muslimliga. Er lebt zur Zeit mit seinem Bruder Nawaz Sharif - der entgegen der Exil-Vereinbarung inzwischen Saudi Arabien verlassen hat - zusammen in London (6).

DER ABGANG VON MUSHARRAF - EIN FRAGE DER ZEIT

In einer gemeinsamen Erklärung erklärten nun die ehemalige Ministerpräsidentin von Pakistan, Benazir Bhutto, und Shahbaz Sharif, Musharraf habe wohl Angst um die Macht.
Bhutto drohte unverhüllt, die inneren und äusseren Gefährdungen, die Musharraf als Ausrede für einen Kriegszustand in Feld führe, würden mit dessen Ausrufung nicht einfach verschwinden (8).

Benazir Bhutto, einst Gegnerin der Sharif-Familie, musste nach dem Militärputsch von Musharraf 1999 ebenfalls das Land verlassen. Sie und ihr Mann, der Zementfabrikant Asif Ali Zardari, gelten als äusserst korrupt. Während Bhuttos Regierungszeit kamen in Afghanistan 1996 die Taliban an die Macht. Ihre Regierung gewährte ihnen finanzielle und militärische Unterstützung. Pakistan war einer von drei Staaten, die das Talibanregime anerkannten. Es blieb auch nach der Absetzung Bhuttos Unterstützer der Fundamentalisten in Kabul bis zum 11. September 2001 (7).

Die Tatsache, dass Bhutto und die Sharif-Brüder von den transatlantischen NATO-Regierungen und Saudi-Arabien unterstützt werden, spricht für sich.
Am 23.Juli hatte die US-Regierung unter George Bush und Vize Dick Cheney mit einem Militärschlag in Pakistan gedroht.
An der Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan tobten zu diesem Zeitpunkt bereits wilde Gefechte, angeblich ging es da ständig um irgendwelche "Taliban", von denen niemand genau sagt, wer das eigentlich sein soll.
Der oberste Chef der Geheimdienste in den USA, Admiral Michael McConnell, sprach offen von einem möglichen "Putsch" in Pakistan. (9)

Die oberste deutsche Exekutivbeamtin, Kanzlerin Merkel, versuchte mit einer ganzen Reihe von NATO- und US-Lobbyisten die deutsche Öffentlichkeit - und daraus folgernd das deutsche Parlament - von der Notwendigkeit eines Einsatzes deutscher Truppen an der Grenze zu Pakistan, oder gar direkt auf pakistanischem Gebiet zu überzeugen (10).
Als Nebelkerze und Ablenkungsmanöver diente dazu die Geiselaffäre.
Die drei Kriegsmandate ISAF, OEF und das Tornado-Mandat, sollen im Herbst unbedingt durch das Parlament gepeitscht werden, die FDP-Führung unter Guido Westerwelle signalisierte Merkel und ihrem Aussenminister Frank Steinmeier (SPD) bereits Unterstützung für deren Kriegskurs (11).

Währenddessen begannen Steinmeier und der ehemalige Verteidigungsminister und Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, Peter Struck, eine Kampagne gegen den SPD-Vorsitzenden Kurt Beck (12), offenbar um eine Kanzlerkandidatur von Steinmeier vorzubereiten. Derzeit wechselt der ehemalige deutsche Geheimdienstkoordinator während des 11.September den Ortsverband, um überhaupt in das Parlament einziehen zu können. Das wird von Beobachtern als Vorbereitung für eine Kanzlerkandidatur gewertet (13).
Bereits am 16.Juli - noch vor der angeblichen Entführung von 2 Deutschen durch Taliban - hatte Steinmeier die Verlegung von deutschen Soldaten in den Süden von Afghanistan gefordert (14).

Struck plädierte derweil, genau wie der NATO-Generalsekretär de Hoop Scheffer, am 04.August nochmal für die Fortsetzung des Krieges mit deutschen Soldaten (11).

Auch das Establishment der Grünen in Berlin ist eingeweiht. Doch bei den Grünen regt sich Widerstand.
Gegen alle Wegrederei, Ausflüchte und Nebelkerzen der "Parteichefs" erzwang die Basis von Bündnis 90/Grünen zum Afghanistankrieg (an der Grenze zum instabilen Pakistan) einen Sonderparteitag, um die deutschen Truppen da rauszuholen.
Rainer Bütikofer kündigte bereits an, dass er auch gegen jeden Beschluss irgendeines Parteitages für den Krieg im Bundestag abstimmen würde.(15)

DIE 12 GESETZE DER FASCHISTEN

...sind - einmal erkannt - immer wieder simpel zu verifizieren.

1. Ein Kriegsverbrechen kommt ans Tageslicht - begehe noch eins.
2. Irgendeine Fälschung eines sogenannten "Al Kaida/al-Qaida"-Videos durch NATO-Geheimdienste wird bewiesen - veröffentliche noch eins.
3. Irgendein Volk will die Rückkehr seiner Soldaten aus irgendeinem Krieg - zwinge die "Opposition", die Du gekauft hast, einer Truppenverstärkung zuzustimmen.
4. Irgendein Regierungsbeamter Deiner Clique wird beim Lügen ertappt - wiederhole sie. Regen sich dann die Leute richtig auf - wiederhole sie nochmal. Rasten dann die Leute richtig aus - behaupte, Du hättest das nie gesagt.
5. Äussert ein Gegner (also ein Parlamentarier) Schmerz über irgendeine Intrige, Missinformation oder beklagt er sich - tue genau das nochmal. Wenn er sich wieder beklagt - tue es nochmal und gemeiner. Wenn er dann aufgegeben hat, sich über irgendwas zu beklagen, tröste ihn öffentlich und äussere Dich versöhnlich.
6. Sage einfach immer genau das Gegenteil von dem, was wahr ist. Kommt das raus, sage: "Es gibt keine Wahrheit". Rasten dann die Leute völlig aus, wiederhole die Lüge nochmal. Und bastelt dann irgendjemand im Parlament tatsächlich an einer Rücktrittsforderung, entschuldige Dich und verlange es damit auch zu belassen, im Sinne der Fairness.
7. Gegen einen Feind zu kämpfen, ist aufwendig und oft risikoreich. Viel besser ist es - ihn zu kontrollieren.
8. Der Feind ist kein Soldat - der Feind ist das Parlament.
9. Für einen Sieg über das Parlament ist jedes Mittel recht, was funktioniert. Jedes Mittel, was nicht funktioniert, wird vermieden.
10. Schwäche des Gegners muss immer belohnt werden, Stärke des Gegners bestraft. Stärke der eigenen Untergebenen darf nur bis zum Grad der eigenen Stärke toleriert werden.
11. Jegliche Art der Wertebildung - ausser dem Streben nach Vernichtung des Gegners durch ihm aufgezwungene Passivität - muss um jeden Preis vermieden werden. Mitleid, Gefühl, Seele, Ehrlichkeit, Anstand, Fairness, Verantwortung für die Allgemeinheit, Gerechtigkeit, Freiheit und Volk, sind eine Illusion. Es gibt nur Kontrolleure und Kontrollierte.
12. Glaube an Nichts und an Niemanden. Denn Nichts und Niemand haben wirklich eine Bedeutung ausser der eigene Profit.

Diese Prinzipien unserer Feinde gilt es zu berücksichtigen, wenn wir siegen wollen. Adaptieren wir sie, verlieren wir.

Unsere Moral ist immer stärker als der Faschismus und seine Lügen - immer. Der Trick ist einfach, den Feind genau zu kennen und trotzdem nicht so zu werden wie er.

Quellen:
(1)
http://www.guardian.co.uk/pakistan/Story/0,,2144844,00.html
(2)
http://en.wikipedia.org/wiki/Pakistan_Muslim_League_(Q)
(3)
http://english.aljazeera.net/NR/exeres/E8767DCE-E9B2-4E0C-A9E5-C9B3EE56E03E.htm
(4)
http://en.wikipedia.org/wiki/Nawaz_Sharif
(5)
http://de.wikipedia.org/wiki/Kaschmir
(6)
http://en.wikipedia.org/wiki/Mian_Muhammad_Shahbaz_Sharif
(7)
http://de.wikipedia.org/wiki/Benazir_Bhutto
(8)
http://www.dailyindia.com/show/164209.php/Benazir-Shahbaz-Sharif-say-that-Musharraf-is-afraid-of-losing-power
(9)
http://www.radio-utopie.de/archiv.php?themenID=746&JAHR_AKTUELL=2007&MON_AKTUELL=7
(10)
http://www.radio-utopie.de/index.php?themenID=775
(11)
http://www.rp-online.de/public/article/aktuelles/politik/ausland/465478
(12)
http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E91632E82D49F435082405C4D3FC15B90~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_googlefeed
(13)
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,496941,00.html
(14)
http://www.radio-utopie.de/archiv.php?themenID=716&JAHR_AKTUELL=2007&MON_AKTUELL=7
(15)
http://www.welt.de/politik/article1077004/Bundesregierung_will_nicht_vom_Kurs_abweichen.html