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Bundeswehr will weltweit Kriege abschaffen – wegen Rohölknappheit

Von petrapez | 2.September 2010

Am 1.September erschien zum Weltfriedenstag ein verdächtig merkwürdiger Artikel über die Bundeswehr in der Frankfurter Rundschau.

Darin hiess es, dass das Zentrum für Transformation der Bundeswehr sich mit den Energieressourcen dieser Welt beschäftigt hätte. Wenn die Generalität Kriege für die Grosskonzerne der Ölindustrie führt, anstatt an irgendwelche nur für das Volk erfundenen Fabeln – die die Regierung ihren Bürgern zu erzählen die Aufgabe hat – glaubt, entbehrt das nicht einer gewissen Logik.

Märchenhaft jedoch muten die Ergebnisse und Schlussfolgerungen dieser Studie an: darin heisst es, dass binnen eines Jahres die ergiebigen Ölquellen auf diesem Planeten erschöpft sein werden und nur mickrige Bohrungen ein wenig das kostbare schwarze Nass aus der Erdkruste quetschen würden. Noch in diesem Jahr (man beachte, dass das Jahr in vier Monaten zur Neige geht) könnte es zum globalen Peak Oil kommen; und weil auch die Schwellenländer so hungrig auf Rohöl sind, explodieren die Preise, die Mobilität und Transporte brechen zusammen und dann kracht es im weltweiten Wirtschaftsgebälk ganz mächtig und es komme zu chaotischen Zuständen, so die Bundeswehr.

Die Experten der Denkfabrik der Bundeswehr kamen zu dem Schluss, dass eine Rettung aus diesem Dilemma weder erneuerbare Quellen noch Kernkraft oder Gas oder gar Biosprit in Sicht ist, denn diese Art der Energiebeschaffung reiche bei weitem noch nicht aus, um Abhilfe schaffen zu können. Bei Biosprit wurde sogar ganz richtig erkannt, dass mit dem massenhaften Anbau dieser Pflanzen in Monokultur die Bevölkerung ihrer Lebensgrundlage zur Versorgung mit Lebensmitteln beraubt würde und es dadurch zu Hungerkatastrophen kommen wird. Kernkraft verbietet sich sowieso wegen der Gefahr der atomaren Verseuchung von selbst.

„Mittelfristig bricht das globale Wirtschaftssystem und jede marktwirtschaftlich organisierte Volkswirtschaft zusammen.“

ist die düstere Warnung vor der Ölknappheit. Auch die Zukunft der Europäischen Union und der NATO stünden auf dem Spiel, weil die Bürger ihren Politikern nichts mehr wie bisher alles gutwillig abnehmen würden, wenn es ihnen an die eigene persönliche Substanz gehen wird.

Kommunismus will die Bundeswehr als Lösung nicht einführen, auch vermeidet sie in der Studie jeden Hinweis auf Ambitionen, andere Länder mit ihren Panzern und Raketen beehren zu wollen. Ebensowenig werden ihre neuen Herausforderungen im globalen Gefüge nach der Beendigung des Kalten Krieges erwähnt, die weltweit auf sie warten.

Die Bundeswehr hat einen ganz revolutionären Einfall als Lösungsvorschlag, wie sich die deutsche Sicherheitspolitik in Zukunft entwickeln solle, anzubieten:

Man solle sich doch bitte schön ohne Rücksicht auf das zu erwartende Gezetere aus Israel mit den Ländern des Nahen Osten (dort liegen auch die Quellen des Irans) stärker um Freundschaft bemühen, um auf friedliche Weise Handelsbeziehungen zu knüpfen und dabei besonders dem Vorbild Chinas folgen, dass dem Westen ein Geschäft nach dem anderen mit bilateralen Verträgen in Afrika und Lateinamerika wegschnappt. Russland wünscht sich die deutsche Bundeswehr als ihren besten Freund, da er der Hauptlieferant für Öl wäre.

Alle würden in einem globalen Boot sitzen und China würden seine billigen Öleinkäufe in Übersee gar nichts nützen, weil der Westen durch seinen Zusammenbruch die Waren aus dem Reich der Mitte nicht kaufen könnte. Mehr Flexibilität, Energieeinsparungen und massive Investitionen in Erneuerbare können eine Ölkrise noch entschärfen, so der Artikel in der FR über die unglaublich “neue Vernuft” der Bundeswehr.

Traurig ist hierbei die Feststellung, dass es in der Studie der Verteidigungsarmee eines demokratischen Landes nicht um die Selbstverständlichkeit eines Friedens aus Gründen der Menschlichkeit auf diesem Planeten geht sondern nur um Profite.

Die Redaktion der Frankfurter Rundschau hat den Beitrag “Bundeswehr schlägt Alarm” nicht unter die Rubrik Sommerloch-Satire gestellt.

Der Chef der Bundeswehr, Verteidigungsminister zu Guttenberg kann nun eigentlich damit beginnen, alle sinnlosen Rüstungsausgaben nach diesem “untypischen” Friedensangebot an die Welt abzurüsten und die Bundeswehr in eine Aufbautruppe umzutransformieren – aber Hände weg von einem hinterhältigen Gedanken an eine europäische Söldnerarmee!

Aussenminister Westerwelle wird mit einer Wirtschaftsexpertendelegation nach Teheran und andere Hauptstädte geschickt, um normale Handelsbeziehungen anzuknüpfen. Die Bundeskanzlerin kann ihre verhängten, nun überflüssigen Sanktionen meistbietend an die US-Aussenministerin versteigern.

Die Republik hat die Vorschläge des Zentrums für Transformation der Bundeswehr zur Kenntnis genommen und will jetzt Taten sehen und wird dabei genau mit Argusaugen überwachen, in welche wirklich gemeinte Richtung diese Transformation von den Generälen und Kriegsexperten umgesetzt werden wird.

Quelle: http://www.fr-online.de/wirtschaft/bundeswehr-schlaegt-alarm/-/1472780/4608462/-/index.html

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Topics: Allgemein, Militär und Krieg | 11 Kommentare »

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11 Kommentare to “Bundeswehr will weltweit Kriege abschaffen – wegen Rohölknappheit”

  1. Iks meint:
    2.September 2010 at 07:15

    Öl wird zwar in nächster Zeit noch lange nicht knapp werden, es sei denn man lässt alles in den Golf sprudeln und machts mit Corexit gänzlich unbrauchbar, aber wenn einmal die Kriege aufhören hat man mehr für die Wirtschaft übrig.

    Und es gibt Methoden Atomenergie gefahrlos zu nutzen. Aber der Denkpanzer der Bundeswehr scheint wohl schon veraltet zu sein.

    http://www.telegraph.co.uk/finance/comment/7970619/Obama-could-kill-fossil-fuels-overnight-with-a-nuclear-dash-for-thorium.html

    Ok nur ists wohl vergebene Mühe da an Osamabama zu appelieren.

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  2. Bundeswehr will weltweit Kriege abschaffen – wegen Rohölknappheit - blog von mattin meint:
    2.September 2010 at 08:34

    [...] von radio utopieBundeswehr will weltweit Kriege abschaffen – wegen Rohölknappheitvon petrapezAm 1.September [...]

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  3. nurich meint:
    2.September 2010 at 11:23

    das öl IST bereits knapp!

    ALLE!!! gegenwärtigen kriege werden aktuell um öl geführt!

    elektronen aus kkw oder photovoltaik können das öl als DEN industrierohstoff auch nicht ersetzen.

    auch die abiotische theorie wird daran nichts ändern – denn man kann einen planeten nicht dazu zwingen sein öl gefälligst exponentiell nachwachsen zu lassen.

    die party ist vorbei.

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  4. zdago meint:
    2.September 2010 at 20:05

    Wie wäre es mit Kohleverflüssigung – damit hat man in Deutschland schon gut gearbeitet – aber nein, daß dürfen wir ja nicht !
    Da würde ja die Abhängigkeit von den US-Öl-Strategen gelockert.
    mfg zdago

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  5. Mowitz meint:
    2.September 2010 at 20:14

    Experten, Militär und Denkfabrik sind ein gräuliches Parasitennetzwerk. Weit über 10% des weltweiten Ölverbrauchs werden allein für Kriege und der Beschaffung allschönen Kriegmaterials verpulvert. Diese Parasiten glauben bereits sie hätten Substantielles zur Gestaltung unserer Wirtschaft beizutragen. Und da fällt ihnen nichts anderes ein als für “freie” Handelswege noch mehr Energieressourcen zu verschwenden. Mit diesen und anderen Parasiten verhält es sich aber so, dass ihre Denkweise sie glauben lässt, sie seien Teil des Wirtschaftsgefüges. Die naheliegendste Lösung, es mal mit fairem Handel zu versuchen, wird nichtmals angedacht. Auch wenn “wir” dabei lernen müssten bedeutend weniger Energie zu verbrauchen. Um mal den Hosenanzug im Kanzleramt aus einem anderen Zusammenhang zu kolportieren: “Das ist alternativlos” – wenn man davon überzeugt ist, dass ewige Kriege keine Alternative sein können.

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  6. Roberta meint:
    2.September 2010 at 20:43

    Es gibt einen russischen Experten, – habe leider den Namen vergessen – der darüber forscht und veröffentlicht, dass das Öl sich ständig neu bildet.

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  7. Mahaf meint:
    3.September 2010 at 05:25

    @ Roberta
    Meintest Du vielleicht den hier?
    http://www.kth.se/itm/forskning/forskning-egi/kraft_varme/personal/vladimir-kutcherov-1.10615?l=en_UK

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  8. Mahaf meint:
    3.September 2010 at 07:23

    …und da wir schon mal wieder beim Stichwort “Vergessen” sind – ich finde es ja fast schon witzig, wie sich AIK Strausberg bei der Selbstbebrütung ständig neu zu erfinden versucht. Zur allgemeinen Erinnerung hier ein link aus ’07:
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26575/1.html

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  9. Bundeswehr will weltweit Kriege abschaffen – wegen Rohölknappheit | Die ZZ Saarland meint:
    3.September 2010 at 09:13

    [...] Bürgern zu erzählen die Aufgabe hat – glaubt, entbehrt das nicht einer gewissen Logik. Quelle: Radio Utopie Post Published: 03 September 2010 Author: Michael Posse Found in section: Aktuelle Ausgabe, [...]

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  10. hammerling meint:
    4.September 2010 at 10:48

    Ich lese im Artikel der FR nichts, was auf das Versiegen der Ölquellen “binnen eines Jahres” hindeutet. Was dort genannt wird, das ist Peak Oil. Den haben die USA, der Irak und der Iran schon lange hinter sich, über Saudi-Arabien wird spekuliert. Dort sind die Fördermengen ebenfalls rückläufig, nur weiß man noch nicht genau, ob es sich um Preimanipulationen handelt.

    Peak Oil ist deswegen so wichtig, weil sich nach diesem Punkt die Schwierigkeiten, Öl zu fördern, exponentiell steigern. 20 Jahre bis Peak Oil heißt nicht, weitere 20 Jahre Öl zu vernünftigen Kosten gewinnen zu können.

    M. E. verfolgt die Bundeswehr mit dieser Studie die Absicht, einen regionalen Krieg im Nahen und Mittleren Osten zu rechtfertigen. Rohstoffknappheit als Vorwand für die Erfüllung der Wünsche der führenden Kulturnation am Mittelmeer, so sehe ich das. Der Iran ruft.

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  11. Claus Geiger meint:
    6.September 2010 at 00:52

    Das Hauptinteresse sollte auf der Frage des sogenannten Tipping Points liegen, der Bifurkation. Ab Seite 48 des Berichtes. Wenn allen klar ist, dass die Weltwirtschaft schrumpfen wird, weil sie mehr als 150 Dollar/barrel Öl einfach nicht packt (siehe 2008), kann das zu einem Tipping point führen: Die Wirtschaft schrumpft auf unabsehbar lange Zeit und daher investiert niemand mehr, weil er/sie ohnehin weiß, dass es sinnlos ist. Eine Art Teufelskreis, eine rigorose Weltwirtschaftskrise ist die Folge… Und nur wenn wir Glück haben verläuft die Zukunft linear:
    2€, 3€, 4€ für einen Liter Kraftstoff. Da können wir dankbar sein. Im anderen Fall verläuft die Zukunft chaotisch und wir bekommen keinen Treibstoff und dann auch nichts zu essen.

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