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Kriege sind kein evolutionär unabwendbares Erbe des Menschen: Erich Fromm
Von petrapez | 30.Juli 2010
Sadismus ist die Leidenschaft der seelischen Krüppel – Menschen wollen keinen Krieg – Kriege entstehen durch Gehorsam gegenüber der Regierung und deren Appelle an Gemeinschaftsgefühl – Ungehorsam gilt als Laster
Erich Fromm war strikt gegen die These, dass die mörderische destruktive Killer-Aggression des Menschen angeboren ist und tritt mit seinen Erläuterungen somit all jenen entgegen, die aus politischen Gründen meinen, Kriege sind naturgegeben und unabwendbar, weil diese Gewalt gegen Artgenossen eben von der Evolution der Säugetiere so vorgeben wäre.
“Der Mensch ist von Natur aus böse, gewalttätig, hinterhältig, egoistisch, triebhaft” – dieses Bild zu zeichnen, ist sich die tägliche Presse redlich bemüht. Keine Zeitung ohne diese ständigen Hiobsbotschaften. Positive Verhaltensweisen und Beispiele werden gemieden wie die Pest, um zu verhindern, dass humane Regungen dazu führen, den eigentlichen Sinn des Daseins zu hinterfragen und eine andere natürliche Lebensweise zu beginnen, die nicht in diese egoistische Ellenbogengesellschaft passt, die nur funktioniert, weil von oben nach unten kräftig auf den Nächsten durchgetreten und herumgetrampelt wird.
Günther Nenning spricht 1976 mit dem Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologen. ORF-alpha sendete am 15.03.2010 zum 110.Geburtstag/ 30. Todestag von Erich Fromm das folgende Gespräch, dass zur Pflichtlektüre für diejenigen gehören sollte, die Kriegseinsätze der Bundeswehr im Ausland als etwas Normales ansehen und somit die Instinkte der Kriegstreiber bedienen .
Artikel zum Thema
30.07.2010 Die Normalen sind die Kränkesten
Topics: Gesellschaft, Stände und Verhältnisse, Militär und Krieg | 6 Kommentare »
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30.Juli 2010 at 07:42
“Kriege entstehen durch Gehorsam gegenüber der Regierung und deren Appelle an Gemeinschaftsgefühl”
Kriege – und wir können derzeit nur imperialistische Kriege meinen – gehören gesetzmäßig zum kapitalistischen System. Luxemburg lesen. Richtig ist, daß, “wenn keiner hingeht”, sie nicht stattfinden könnten. Da die herrschende Klasse es jedoch noch immer schafft, die Menschen mit Nationalismus, “Patriotismus” und Chauvinismus zu verdummen und aufzuhetzen, kann der Krieg nur “abgeschafft” werden, wenn der Kapitalismus “abgeschafft” wird.
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30.Juli 2010 at 10:42
Habe schon in den Siebzigern/Achtzigern einige Fromm-Bücher gelesen, kann ich nur empfehlen. Schön, dass er hier auf Radio Utopie gewürdigt wird.
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30.Juli 2010 at 12:25
Ich freue mich, dass Erich Fromm hier gewürdigt wird, wie auch im ORF, gehört er doch zu den größten Humanisten, die ich kenne. Fromm hat ein sehr reichhaltiges Werk hinterlassen, es lohnt sich sehr, es (wieder) zu entdecken. Sind seine Mahnungen und Analysen doch so aktuell wie nie in diesen Zeiten.
Über das Thema Gewalt und Aggression gibt es einen Vortrag von ihm aus dem Jahre 1971, den ich zu dem Thema hier gern mal empfehlen möchte:
http://www.mediafire.com/?zm1mdjd5gje
Hier erklärt und analysiert Fromm genau die Aussage dieses Artikel und bestätigt die Aussage auch.
Des weiteren wäre eine sehr interessante Neuentdeckung der Archäologie aus jüngster Zeit einen Artikel wert, denn auch diese Entdeckung paßt sehr gut zum Thema “Mensch und Krieg”. Dabei handelt es sich um die Entdeckung der bisher ältesten Stadt der Menschheit, namens Caral, die um die Jahrtausendwende in der Wüste von Peru gefunden wurde. Diese Stadt ist ca. 5000 Jahre alt. Sie hat ca. 1000 Jahre existiert, ohne dass auch nur das kleinste Anzeichen von Gewalt oder Waffen gefunden wurde, trotz sehr intensiver Suche danach. Die bislang sehr gepflegte Kriegstheorie in der Archäologie, wonach die Menschen Zivilisationen und Städte gegründet haben, um sich vor anderen Menschengruppen zu schützen, wurde mit der Entdeckung von Caral eindrucksvoll wiederlegt. Es gibt zwei sehr gute Dokumentationen zu Caral, eine davon wurde von der BBC produziert. Es lohnt sich, in Hinsicht auf die Kriegspropaganda mal einen Blick auf diese sehr wichtige Entdeckung zu werfen, die noch längst nicht jedem bekannt sein dürfte.
Viele Grüße
Desillusionierter
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30.Juli 2010 at 13:15
Eine präsize Fesstellung von Erich Fromm
dazu eine aktuelles Beispiel
http://www.youtube.com/watch?v=qFlpq8viNAE
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30.Juli 2010 at 13:33
@ Desillusionierter
dazu passt auch, dass in unmittelbarer Nähe der Pyramiden von Gizeh Forscher viele menschliche Skelette aus der Zeit der vierten Dynastie zwischen 2575 und 2467 gefunden haben.
Die Untersuchung an den Überresten hatte ergeben, dass sie auf Grund der Abnutzungserscheinungen und Art der Verletzungen sehr schwer gearbeitet hatten und es sich um Arbeiter des Pyramidenbaus gehandelt haben muss.
Interessant ist die würdevolle Art der Bestattung. Den Toten wurden viele Grabbeigaben, so Gefässe für Brot und Wein, für ihre weitere Reise in das jenseitige Reich mitgegeben.
Sklaven erhielten derartiges nicht. Wie viele bezahlte Arbeiter und Sklaven bei den Bau eingesetzt wurden, wird schwierig zu ermitteln sein. Aber das überlieferte Bild in den Geschichtbüchern, dass die Pyramiden ausschliesslich durch harte Sklavenfron errichtet wurde, muss differenzierter betrachtet werden.
Möglich wäre sogar, dass Tausende von Freiwilligen aus religiösen mythologischen Motiven heraus teilnahmen und einen tiefen Sinn in der Errichtung sahen wie zum Beispiel eine Ehrung für einen Gott. Die damalige Glaubensvorstellung von der Welt war umfassender als die materielle naturwissenschaftliche Prägung von heute und schloss Raum und Zeit in anderer Sichtweise ein. Das diese von Priestern ausgenutzt wurden, ist eine andere Frage der heutigen Einstellung.
31.Juli 2010 at 01:16
@ petrapez
Ja, ich kenne die Diskussion um die Pyramidenarbeiter in Gizeh auch, wie kontrovers darum gestritten wird, ob die Arbeiter einen Sklavenstatus besaßen oder nicht. Ich denke, die Hinweise auf einen Sklavenstatus der Arbeiter sind auch mehr als dürftig. Dass sie freiwillig mitwirkten, das kann ich mir auch gut vorstellen. Hier könnte durchaus ja Projektion eine Rolle spielen, es darf halt nicht sein, was wir uns kaum noch vorstellen können?
Die Pyramidenstadt Caral ist ja auch in etwa in derselben Epoche entstanden wie die Pyramiden von Gizeh, evtl. ist Caral noch etwas älter. Dort wurden ja nur wenige Skelette gefunden, aber wie in Gizeh waren die Toten ebenfalls immer sehr liebevoll bestattet worden. Die unterirdischen Wohnungen waren durch Gänge miteinander verbunden, es gab keinerlei Tore oder Türen, welche die Wohneinheiten voneinander trennten.
Es gibt reichhaltige Funde, die auf eine sehr lebendige Kultur hinweisen, und auf einen reichhaltigen Handel, vor allem mit den Fischern, die in ca. 35 km Entfernung am Meer lebten, die mit Baumwollnetzen beliefert wurden. Im Gegenzug erhielten die Menschen in Caral von den Fischern Fische, die eine wichtige Nahrungsgrundlage bildeten. Materielle Not gab es anscheinend nie in den 1000 Jahren des Bestehens dieser Kultur. Niemand musste anscheinend jemals hungern, und es gab wie in Gizeh auch mytische Riten und eine sehr ausgeprägte Feierkultur. Und das alles hat wahrscheinlich eine sehr friedlebende Zivilisation über eine sehr lange Zeit möglich gemacht, die gar keine Kriege brauchte. Befestigungsanlagen oder ähnliches, wie es später fast überall üblich gewesen war, das gab es in Caral ebenfalls nicht.
Die Entdeckung von Caral unterstützt wohl nun vor allem diejenigen Forscher in der Archäologie, die den Handel in erster Linie als Grund für die Entstehung von frühen Zivilisationen ansehen. Eine intelligente Arbeitsteilung und der Baumwollanbau (in der Wüste durch ausgefeilt angelegte Bewässerungsanlagen) machte einen effektiven Handel und einen relativen Wohlstand für alle möglich.
Interessant wäre die Frage, ob es tatsächlich Verbindungen zu den anderen hochstehenden Zivilisationen gab, wie z. B. zu den Ägyptern in Gizeh, denn so manche Ähnlichkeiten sind ja schon festzustellen. Wenn auch der Pyramidenbau in Caral eher dem südamerikanischen Baustil entspricht, und es keine so großen Pyramiden wie in Gizeh gab. Was Caral aber besonders ausmacht, das ist eben die völlige Abwesenheit von Anzeichen von Gewalt und Krieg. Der weltweit führende Befürworter der Kriegstheorie in der Archäologie hat dort sehr lange vergeblich nach solchen Anzeichen für Gewalt oder für eine Verteidigungsanlage der Stadt gesucht.
Er musste sich am Ende schmerzlich eingestehen, dass die Kriegstherorie durch die Entdeckung von Caral nicht mehr länger aufrecht erhalten werden kann. Womit er sein sehr gepflegtes und oft propagiertes Weltbild revidieren musste. Also ich finde, das ist schon eine sehr revolutionäre Entdeckung gewesen, und deswegen hat die Entdeckung von Caral mich auch sehr bewegt. Und ich denke, dass es wohl auch in Gizeh keiner Unterdrückung der Arbeiter bedurfte. Es gab anscheinend noch einen Gemeinschaftsgeist in diesen alten Kulturen, den wir uns heute wohl kaum noch vorstellen können…
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