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“Es herrscht hier die Diktatur des Geldes”: Telefoninterview aus Thailand

Von Daniel Neun | 21.Mai 2010

Der Ausländer “Michael” lebt in der thailändischen Stadt Ayutthaya, ca 80 Kilometer vom Stadtzentrum der Hauptstadt Bangkok entfernt. Im Laufe des gestrigen Tages berichteten die Behörden über eine Bombe, die in einem Einkaufszentrum Ayutthayas hochgegangen sei. Noch Stunden zuvor war von einem Chinaböller, nun, “Feuerwerkskörper” auf der Toilette eines Big C Supermarkts die Rede gewesen. Dennoch seien gleich drei Gebäude im Visier von “Randalierern”, Gouverneur Witthaya Piewpong war sehr besorgt gewesen (1). Ebenso die geistigen und amtlichen Bevölkerungsaufseher in Deutschland: der älteste Flachbildschirm der (west)deutschen Presselandschaft berichtete bereits am 17.Mai unter der Wandmalerei “Brennen bald auch die Touristen-Hochburgen?” (2)

“Da sich die Unruhen mittlerweile auch auf andere Städte und Provinzen des Landes ausgeweitet haben, raten die deutschen Behörden „von nicht unbedingt erforderlichen Reisen“ in Städte Ayutthaya, Chiang Mai, Chiang Rai, Udon Thani und Khon Kaen und die unter Notstandsrecht stehenden Provinzen im Süden Thailands ebenfalls „dringend“ ab.”

Merkwürdigerweise bekam man in Ayutthaya selbst gar nicht mit, wie dramatisch die Lage in der westlichen Presse mittlerweile geworden war.

Michael ist kein Anhänger der “Rothemden”, den Oppositionellen, die aus Protest gegen Armut und Unterdrückung durch das nach dem Militärputsch 2006 eingesetzte Regime von Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva wochenlang das Geschäftsviertel in Bangkok besetzt hielten. Als angeblicher “Anführer” der demokratischen Opposition, die sich größtenteils aus verarmten Bauern zusammen setzt, wird in der Informationsindustrie des Einflußraumes von USA und europäischen Staaten immer wieder der 2006 gestürzte ehemalige Ministerpräsident Thaksin Shinawatra genannt, einer der reichsten Männer Thailands und ehemals einer der zwanzig reichsten Männer der Welt.

Thaksims Familie hatte seine 1987 gegründete Shin Corporation, durch Betrug jahrelang das faktische Monopol für Mobilfunk im Königreich, in 2006 für umgerechnet 2.3 Milliarden Dollar an die mehrheitlich im Staatseigentum von Singapur befindliche Temasek Holdings verkauft, ohne Steuern zu bezahlen. Das führte in Thailand zu Protesten, neun Monate später wurde Thaksim gestürzt und Aktien im Werte von umgerechnet 1.4 Milliarden Dollar beschlagnahmt. (3)

Michael schildert nun aus seiner persönlichen Perspektive die Lage im Land, die gesellschaftlichen Verwerfungen und sozialen Schluchten zwischen einer winzigen Oberschicht und einer verarmten Bevölkerung, sowie über Berichte, die man sich hinter vorgehaltener Hand über den vermeintlichen “Anführer” der Opposition Thaksin Shinawatra erzählt.

Quellen:
(1) http://www.bangkokpost.com/news/local/178577/curfew-continues-until-saturday
(2) http://www.bild.de/BILD/politik/2010/05/17/thailand-bangkok-gewaltsame-unruhen-buergerkrieg/brennen-jetzt-auch-bald-die-touristen-hochburgen.html
(3) http://blogs.forbes.com/billions/2010/02/27/thaksin-shinawatra-says-goodbye-to-1-4-billion/

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Topics: Aktuelle Nachrichten, Politik, Radio | 5 Kommentare »

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5 Kommentare to ““Es herrscht hier die Diktatur des Geldes”: Telefoninterview aus Thailand”

  1. ebm_bln meint:
    21.Mai 2010 at 03:13

    Hi Daniel (Radio-Team),

    wirklich sehr informatives Interview.

    Nur schade, dass Daniel ausgerechnet dann das Interview beendet, als Michael die entsprechenden Argumente und Denkweisen der einzelnen Fraktionen näher beschreiben wollte… Im speziellen hier die Intentionen der Rothemden auf der einen Seite und der restlichen Bevölkerung (inkl. Polizei und Armee) auf der anderen Seite.

    Vielleicht könntet Ihr ja speziell dazu noch einmal ein Interview führen, damit auch dem Durchschnitts-Europäer klarer wird, WER dort WOFÜR demonstriert hat?!?!!!

    Ansonsten, dass Beispiel mit der jungen Frau ist erschreckend und zeigt deutlich, wie weit die meisten Billiglohnländer entfernt sind von UNSERER VORSTELLUNG von einem (einigermaßen FREIEN Leben) zivilisierten Demokratieverständnis.

    Mir beiweist das die These, das man nur unwissende, ungebildete Menschen wie SKLAVEN ausnutzen kann – und im Umkehrschluss, wir mit unserer GIER nach billigen Produkten DIESE MENSCHEN damit AUSNUTZEN… Es ist beschämend und man sollte sich das einmal gut durch den eigenen KOPF gehen lassen! Will man weiter Teil dieses SKLAVENMARKTES sein, indem man die Nachfrage weiter schürt???

    Ich persönlich will das jedenfalls nicht, denn meiner Meinung nach ist

    GEIZ nicht geil SONDERN Menschen verachtend !!!

    greetz ebm_bln

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  2. Interessantes Interview zur Lage in Thailand « Asien-Rundreise 2010 meint:
    21.Mai 2010 at 05:47

    [...] sollte sich als Gegendarstellung oder wenigstens zum besseren Verständnis der Situation dieses Interview mit einem in Thailand lebenden Deutsch anhören: http://www.radio-utopie.de/2010/05/21/es-herrscht-hier-die-diktatur-des-geldes-telefoninterview-aus-... [...]

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  3. lupo meint:
    21.Mai 2010 at 11:10

    ich sehe die Sache ganz genauso! Und das Thaksin, ungehindert in der EU herumreisen kann,mit seinem Montenegro Pass, sagt ja schon Alles. Im Moment werden die Gerichte in Montenegro bemüht, das Dukanovic Auskunft gibt, warum Thaksin einen Monte Pass hat. Aber in der Mafia Republik Monte, wird sowieso Nichts heraus kommen, genauso wenig wie die Morde an kritischen Journalisten aufgeklärt werden.

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  4. NeueWeltMedia meint:
    21.Mai 2010 at 11:11

    Hoffe auf weiteres (ausführlicheres) Material:-) Weiter so…sehr informativ!

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  5. think better twice meint:
    21.Mai 2010 at 11:50

    ^^^^^^^
    Diese Thai-Fabriken sind KZ ohne Stacheldraht.
    ^^^^^^^

    Im Zuge der “Globalisierung” unternehmen die kosmopolitischen Finanzterroristen JEDE Anstrengung, um auch in Mitteleuropa die gleichen Bedingungen einzuführen.

    In Deutschland ist das bereits MILLIONENFACH mit der Einführung der Zwangsarbeit durch 1-EURO-Jobs gelungen.

    Vielen Dank, liebe Schröder-SOZIOPATHEN, das habt ihr richtig schön GRÜN hinbekommen!

    Vielen Dank, lieber Joshua Fischer, fühlen Sie sich wohl in Ihrer tollen Grunewald-Villa sponsort by Goldman SUCKS?

    Danke, Daniel!
    Danke, Michael!

    DAS IST ECHTER JOURNALISMUS!

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