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Gladio Berlin: Rauschgoldengel mit Stallgeruch

Von ter | 12.November 2009

1961 errichtete die DDR den „Antifaschistischen Schutzwall“ und löst, wie bereits skizziert, mit der idealistischen Fluchthilfe der „Läufer“ an der Freien Universität Berlin eine Welle der Solidarität mit den über Nacht ausgegrenzten Kommilitonen aus. Diese „Fluchthilfe“ war eine ad Hoc gegründete Organisation, welche sich in dem von Spitzeln, Zuträgern und Schlapphüten überlaufenen West- Berlin professionell abschirmte, mit Methoden der Konspiration, die auch die Nachrichtendienste anwenden.

 

Stallgerüche

Wer sich fragt, woher Studenten dieses Wissen über nachrichtendienstliche Konspiration hatten, liegt sicherlich nicht falsch, wenn er zu dem Ergebnis kommt, das ehemalige Angehörige des Rasselbanden- ND, die sich „dienstlich“ oder während der Ausbildung selten kennen gelernt hatten, sich privat – beim Spielen auf der Straße – in der Schule – oder beim Studium kennen lernten, sich gegenseitig am Stallgeruch erkannten und sich zu diesen verschworenen Zirkeln der Fluchthelfer zusammenfanden, welche ihre weiteren Helfer – zunächst – aus den Reihen des ehemaligen Rasselbanden- ND rekrutierten, soweit sie sich von den früheren Einsätzen oder von der Ausbildung kannten.

Auch Otto Schwanz, aufgrund seines Werdeganges frühzeitig ausgemustert, bekam so seine zweite Chance. Der Jüngling  fiel selbst seinen ehemaligen Ausbildern auf, gehörte er doch nach Aussagen von mehreren Angehörigen dieser Fluchthelferorganisationen, zu den erfolgreichsten Passbeschaffern in der Szene.

Nur wenige Monate nach Errichtung der Mauer war der Spuk der idealistischen, studentischen Fluchthilfe vorbei. Otto Schwanz brachte diese wenige Monate erneut in Kontakt mit seinen früheren Auftraggeber.

Nachrichtendienst und Rotlicht

Vieles in den Erzählungen von Otto Schwanz, aber auch in dem über ihn nachlesbaren Artikeln, Akten oder Zeitzeugenberichten spricht dafür, das dieser etwas zur Kriminalität neigende 21 Jährige nach der idealistischen Fluchthilfe gemäß seinen persönlichen Veranlagung von seinem Auftraggeber eingesetzt wurde, nämlich im Berliner Rotlicht, welches für jeden Nachrichtendienst eine unerschöpfliche Quelle der Information war und ist. Keine Prostituierte und kein Zuhälter würde sich in diesem Milieu unbelästigt – längere Zeit –  Bewegen können, wenn sie nicht ständige Informationsquelle der Polizei wären.

Diese Hilfstätigkeit für die „Schmiere“ ist nicht unbedingt die Sache von Jedermann und Nachrichtendienste in West- Berlin – als ständig informierte Beschützer – waren vielen Angehörigen dieser Szene lieber.

Ein roter Faden zieht sich durch die Erzählungen von Otto Schwanz: Er war ständig knapp bei Kasse, weshalb er – was seine Erzählungen belegen – erworbenes Spezialwissen und erworbene Fertigkeiten auch für den Gelderwerb einsetzte.

Szenenwechsel

1961 war ein Hans- Jürgen L. – fern von Berlin – gerade einmal 8 Jahre alt und wuchs, wie so manch anderer – ohne einen derartigen politischen Hintergrund – im satten Wirtschaftswunderland Bundesrepublik auf und doch wird er viele Jahre später auf den Spuren eines Otto Schwanz, welcher dieser Ende der Sechziger in Kanada hinterließ, wandeln.

Auch in einem völlig anderen Zusammenhang ergeben sich Parallelen.

Informanten halten den jugendlichen Hans- Jürgen L. für einen – von der politischen Gesinnung her – rot angehauchten Weltverbesserer – mit dem Drang zum Großen – und für einen V-Mann der Zitronenfalter, also des Verfassungsschutzes.

Beweise für diese damalige angebliche V-Mann Tätigkeit finde ich nicht, wohl aber Indizien, dass er in späteren Jahren entweder V-Mann des LKA- Mecklenburg Vorpommern oder des BKA war.

Start und Ziel

Ich bin gedanklich zurück in Thunder Bay, Ontario, wo sich Ost- und Westkanada begegnen, zwei Traditionen und zwei politische Denkrichtungen aufeinander prallen. Schon Ende der Sechziger fühlten sich die Menschen in Port Arthur und Fort William überwiegend als Westkanadier. Dieser Unterschied ist viel größer als der Unterschied zwischen einem Hamburger und einem Bayern.

Was führte mich erstmals nach Port Arthur?

Es war das Schicksal des Mannes, den ich Demis Turan genannt hatte. Sein wahrer Name war reiner politischer Zündstoff, weshalb ihn seine Auftraggeber, als er die Bundesrepublik verlassen musste, nicht etwa bei sich aufnahmen, sondern ihn mit falschen Papieren in das nördliche Nachbarland abschoben. Nicht etwa in den anglophonen Landesteil, sondern zu den Frankophonen. Eine Staatsgrenze und eine Sprachgrenze schien diesen “Rabenvätern”  Garantie zu sein, dass der ungeliebte “Zögling des Rasselbanden ND” die notwendige, sichere Distanz zu ihnen wahrt.

Das ich bei diesem ersten Aufenthalt in dieser Gegend meinen abhanden gekommenen Beichtvater, dem meine zweite Reise in dieses Nest galt,  wieder fand, war reiner Zufall.

Militärputsch in Griechenland

Meine eigene kleine Welt war im Frühjahr 1967 in eine Schieflage geraten. Das griechische Militär hatte – mit der Rückendeckung der CIA – geputscht und den kleinen Staat der Helenen in eine brutale Folterdiktatur der Obristen verwandelt.

Aus völlig anderen Gründen als ein Otto Schwanz machte ich zusammen mit Freunden Nachrichtendienst auf eigene Rechnung. Mit einem dreisten Bubenstück hatten wir uns die dafür notwendigen finanziellen Mitteln besorgt, den notwendigen monetären Rahmen geschaffen und was viele Jahre später die Fluchthelfer des Transitabkommens (Bundesrepublik/DDR) taten, war 1967 zu unserem Job in Griechenland geworden.

Fälscher

Vor einiger Zeit habe ich das Buch – Die Sache mit Tom: Eine Flucht in Deutschland – gelesen, dessen Autor Rüdiger von Fritsch – BND- Vizepräsident der Jahre 2004/07 – im Detail beschreibt, wie er zusammen mit seinen Freunden 1974 (unter anderem) einen Stempel fälschte.

Tja, ich glaube wir waren besser. Wir fälschten nicht die Pässe, mit denen wir unsere Freunde und deren Familien aus Griechenland herausbrachten, wir fälschten Dienstausweise, welche uns in Jugoslawien Tür und Tor öffneten und wenn viele Jahre später ein Jugoslawischer Nachrichtendienstgeneral derbe Vorwürfe an westliche Geheimdienste erhob, in Bezug auf das Durchschleusen von Personen aus Griechenland nach Österreich, so hat mich die Verwunderung der Mädchen und Jungs der betroffenen Nachrichtendienste nur amüsiert. Woher sollte der jugoslawische Militärgeheimdienst auch wissen, was ein echter und ein falscher CIA Agent ist? Stallgeruch ist Stallgeruch.

Österreich oder die Bundesrepublik waren nur Zwischenstationen. Viele der Freunde mussten möglichst weit weg von einem möglichen Zugriff des griechischen Militärgeheimdienstes und seiner amerikanischen Helfer.

Was mich mit dem Autor des genannten Buches eint, war der Umstand: Mir (uns) fehlte jedes Unrechtsbewusstsein und ich bin auch nicht bereit, ein solches nachträglich zu suchen oder gar zu finden.

Zum Freund und Verbündeten wurde uns damals die Republik Frankreich, in der das Wort vom „politischen Asyl“ keine leere Worthülse war.

Rauschgoldengel

Mein erster Eindruck von diesem Kanada war schlicht bescheiden. In meinem Reisepass prangte ein kirchlich, gesponsertes Schülervisum  Was ich auf dem Flughafen Toronto erlebte war:

Ein kanadischer Alptraum.

Er fing mit der Passkontrolle an. Hellbraun sollten meine Schulterlangen Haare sein, von Sonne, Wind und Meer gebleicht, lächelte ich Strohblond den Zollbeamten an.

Schlimmer aber war mein Outfit.

Ich trug zu japanischen Stoffschuhen weiße Socken, hellrote Jeans, aus dem Seidenähnlichem Vinyl, ein dunkelblaues Seidenhemd mit einem kunstvollen Batikmuster, eine damals 4.000 Franken teuere Rolex, eine Goldkette um den Hals und das rechte Handgelenk, sowie einen merkwürdig gearbeiteter Herrenring. Der von Einreise- und Ausreisestempel, Visums und Aufenthaltsberechtigungen überfüllte Reisepass rundete dieses Bild der Zöllner ab, die doch tatsächlich auf die Idee kamen den „bunten Vogel“ etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, weshalb die übrigen Reisenden des Direktfluges London- Toronto schnell durch gewunken wurden. Ein kanadischer Mitreisender fing damit an, legte mir zum Abschied freundschaftlich die Hand auf die linke Schulter und eine Vielzahl der Passagieren folgten diesem Beispiel. Nur drei südländische aussehende Einwanderer hatten andere Sorgen, aber auch sie wurden entgegen den üblichen Regeln diesmal schnell abgefertigt. Warum sich diese dämliche vierzehnjährige Tochter des Ehepaares vor verlassen des „Tores“ noch einmal umdrehte, um einen dankbaren Blick zurückzuwerfen, habe ich und werde ich nie verstehen.

Den Zöllnern fiel diese dämliche Geste nicht auf, die waren voll mit dem Schauspiel ihrer fetten, kleinen Kollegin beschäftigt, welches Filmreif war.

Wiehernder Truthahn

Mein Gepäck wird gefilzt. Eine etwa 35- jährige fette Henne schrie jedes Mal vor Entzückung auf, wenn sie zu den hellgelben Vinyljeans auch dass farblich passende Batik- Seidenhemd fand und grabscht mit ihren Wurstfingern jedes der sorgsam zusammengelegten Kleidungsstück an, legt es auseinander, um sich insbesondere die Hemden vor ihren fetten Bauch zu halten und um dabei zu wiehern wie ein Pferd. Eine dreiviertel  Stunde dauert dieser Alptraum, eine weitere Halbe Stunde benötigte ich für das Zusammenlegen meiner Kleidungsstücke, wobei ich es vermied an diesen zu riechen, da dieses fette Mädchen auf jedem angefassten Kleidungsstück den Geruch ihres süßen Nuttenparfüm hinterlassen hatte.

Ein Ring als Dienstausweis

So richtig wussten diese Zöllner nicht, was sie mit mir sollten, riefen die Ontario Polizei zu Hilfe und mit denen kam ein Polizist, der fasziniert auf meinen Ring schaute und den ich spöttisch fragte, aus welcher militärischen Einheit der kleinen kanadischen Armee er den Sprung zur Polizei geschafft habe. Stallgeruch ist halt Stallgeruch und nachdem ich dem Herrn mittels eines Säbels aus der Asservatenkammer des Zoll gezeigt hatte, dass ich mit diesem Gerät umgehen konnte, war der überzeugt, dass der Träger des Ringes dem Verein in Würzburg angehörte – dessen Herrn W. einen Jürgen Roth temporär zum Verschwörungstheoretiker machte – ich meine diesen Vielfraß, der tatsächlich einmal die  US – Gladio in Europa kommandierte.[Hinweis an die Ceiberweiber: Er war wirklich einmal der Verantwortliche für diesen Verein. Mit dem ging ich einmal Essen und während ich ein 180 Gramm Steak verdrückte, brachte ihm der Kellner gerade das dritte 300 Gramm Steak.]

Na also – Stallgeruch ist halt Stallgeruch.

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Topics: Allgemein | 6 Kommentare »

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6 Kommentare to “Gladio Berlin: Rauschgoldengel mit Stallgeruch”

  1. ter meint:
    12.November 2009 at 23:01

    Stay Behind – Gladio was der Leser wissen sollte (Teil I)

    Sie sind alle so GHEIM, das sie sich sicherlich eines Tages fragen, ob es sie wirklich gibt? Und weil sie sich vor lauter Geheimhaltung diese Frage nicht beantworten können, müsste es eigentlich zu einem Kurzschluss kommen und ihre Existenz beenden. Leider sind diese Nachrichtendienste keine Maschinen, auf diesen Kurzschluss warten wir vergebens.

    Nachrichtendienste sind nur in normalen Zeiten an die Exekutive angebunden, in vom Feind besetzten Ländern werden sie über Nacht zu dem was sie eigentlich sein sollten, zu völlig autark operierenden Organisationen.

    Jeder der ND- Erfahrung hat weiß, wie einfach es war und vermutlich auch heute noch ist, Nachrichtendienst in einem Drittland zu gerieren, besonders dann, wenn die, welche die offiziellen Kontakte halten, den Verantwortlichen des Drittlandes einmal als Nachrichtendienstoffiziere vorgestellt oder bekannt geworden sind.

    Klar, der Krug geht so lange zum Brunnen bis er bricht, aber bis dahin läuft ein solches Bubenstück, zumal dann, wenn derart dubiose Operationen von einer PMC ausgeführt werden. Selbst wenn der Herr in der Botschaft jammert: „Wir sind das nicht.“ Residenten leben gefährlich und wer ein solches Bubenstück plant, hat längst vorgesorgt, dass der Herr oder die Dame in der Botschaft im Notfall schnell die Rückflugorder erhält. Noch cleverer ist es, offiziell – als Mann fürs Grobe – mit dem das Auftragsland keinesfalls etwas zu tun haben will – vorgestellt zu werden, unter dem deutlichen Hinweis, das die Operation strengster Geheimhaltung unterliegt, auch im eigenen Dienst, auf höchstem Befehl. Tja – und schon hält der Knabe in der Botschaft den Mund und ist artig und lieb.

    Wenn so etwas in einem Drittland möglich war (ist?), was ist dann im eigenen Land möglich?

    Im neuen Russland gibt es die so genannten Dankschreiben des Herrn Präsidenten – und wer wagt schon dem Inhaber eines solchen Schreibens nicht zu glauben – und wenn doch – dann genügt ein bestechlicher Obrist oder General des Nachrichtendienstes und schon ist der Unglaube einer tiefen Gläubigkeit gewichen. Aus dem Saulus wurde häufig mit nur einem Telefonanruf ein Paulus. So liefen im neuen Russland die Geschäfte der „Superreichen“, bis Putin.

    Und bei uns?

    Die Stay Behind Organisationen kannten keinen Dienstausweis. Sie waren ja geheim. Im Notfall, bei Problemen mit der eigenen Polizei, gab es eine Telefonnummer, welche das Mitglied der Organisation anrufen konnte. [Die anderen kleinen Geheimnisse möchte ich verschweigen, bevor ich einige Leser auf dämliche Ideen bringe und bleibe deshalb bei der Telefonnummer als einzige Möglichkeit.]

    Wer diese Möglichkeit kannte – tja, der war – wenn er es sein wollte – Stay Behind, für die welche er Anwarb und selbst für Behörden. Zudem – und dies muss ich neidlos den illegalen Parallelorganisationen lassen – blieben sie meisten von ihnen lange Zeit im Dunkeln. Ihre Mitglieder glaubten ja, sie arbeiten für einen GEHEIMDIENST und handelten auf HÖCHSTEM BEFEHL.

    Es kommt alles noch wesentlich dicker. Ich habe nicht grundlos – die Gedanken zu einer tragfähigen Arbeitshypothese für eine Recherche – in einer derartigen Breite ausgeführt, zeigte den zeitlichen Bezug auf, machte mich – nur für diese Romanartikelserie – selbst zum Mittäter eines damals tatsächlich gelaufenen Bubenstückes.

    Einmal unter uns. Wer waren denn in Griechenland damals tatsächlich die Lausbuben? Doch nicht die, welchen es gelang, den einen oder den anderen Wunschkandidaten der Folterknechte außer Landes zu bringen. Schade, das nur Griechen nach 1974 verurteilt wurden und keine Verantwortlichen im CIA und in Washington D.C., welche ihre griechische „Meisterleistung“ 1972 in Chile gleich wiederholten. Und die Folter zum Ersatz für die Freiheit brachten.

  2. ter meint:
    13.November 2009 at 12:07

    Stay Behind – Gladio was der Leser wissen sollte (Teil II)

    Im ersten Teil dieses Kommentarartikels habe ich versucht, dem Leser ein Gefühl dafür zu geben, dass nicht jede Sache – wo angeblich „Nachrichtendienst“ drauf steht – auch Nachrichtendienst drin ist.

    Ich weiß, dies ist schwer zu begreifen, ohne ein Verständnis für diese These gibt es aber keinen Zugang zur Geschichte der Stay Behind.

    Das Etikett „Nachrichtendienst“ wurde in den Sechzigern und Siebzigern definitiv – nie – vom Nachrichtendienst selbst vergeben, sondern in der Regel von Journalisten.

    Der Nachrichtendienst hat sich zu derartigen – spekulativen Zuordnung – in dieser Zeit nie öffentlich geäußert. Die Vorsitzende der US- Frauenvereinigung, welche den damals amtierenden CIA- Direktor zu einer Jahrestagung eingeladen hatte, bekam zur Antwort:

    „…..schön das Sie wissen, das es eine CIA gibt, dies reicht für Sie und ihre Mitglieder als Wissen völlig aus….“

    Aber – natürlich wurde der Nachrichtendienst bei solchen journalistischen Zuordnungen neugierig. Ein Referatsleiter bekam den Job aufzuklären, was dies für ein Verein ist, der sich „Nachrichtendienst“ nennt.

    Und genau an diesem Punkt kommen wir zu dem Problem, welches die heutige Geschichtsschreibung über die Stay Behind offensichtlich nicht versteht, nicht erkennt oder einfach übersehen will.

    Dieser Referatsleiter meldete nämlich in der Regel seinen Vorgesetzten: „….harmlose Spinner ….aber ….überzeugte Antikommunisten….“

    Für die Leitungsebene des Nachrichtendienstes entstand nun die Frage: „Verein zerschlagen oder unter Kontrolle halten?“

    In der Regel entschied man sich für eine lockere Kontrolle und da es alte Kameraden aus der Wehrmacht waren oder später aus der Bundeswehr, schickte man ihnen einen Kontrolleur, der den einen oder anderen Hansel dieses Vereins persönlich aus seiner Wehrzeit kannte.

    Nun hatte dieser Verein – offiziellen Kontakt – (zum Beispiel) zum BND.
    Die Initiatoren dieser (zum Beispiel) Wehrsportgruppe nutzten dies aus und schmückten sich nun mit der Fahne des Offiziellen – gegenüber ihren Mitgliedern.

    Machen wir uns nicht vor, einige dieser „Kontrolleure“ machten diese Vereine – faktisch – zu Nebenorganisationen der Stay Behind. Dies gilt besonders für diesen Spinner „W“ – der in dem Artikel der „CeiberWeiber.at“ eine sehr treffliche Charakterisierung erfahren hat.

    Was „W“ und seine Cowboys angerichtet haben, weiß die CIA bis heute nicht, da dieser Mr. Spy kein Freund von Akten war oder diese vernichtete, bevor Zugriff und Rausschmiss kamen. „W“ war keineswegs – nur – ein Einzeltäter. Er wurde heimlich von Personen in der Leitungsebene gedeckt, welche auf seine Cowboy- Organisationen gerne zurückgriffen und Operationen – fern des offiziellen Dienstes – durchführten.

    Kontaktlisten:

    Diese Erfahrung war für die Nachrichtendienste derart schmerzlich, dass beim BND noch heute eine „Kontaktdatei“ geführt wird. Jeder Journalist, der bei der Pressestelle des BND eine Anfrage stellt, wird mit seinem Anliegen – festgehalten.

    In einigen Nachrichtendienste mussten Agenten, die für den Nachrichtendienst offiziell auftraten, Kontaktlisten führen.

    Wer dies kapiert hat, findet unschwer den Zugang zur wahren Geschichte der Stay Behind, welche geprägt ist von dem Dichterwort: „…Halb zog sie ihn, halb sank er hin…“

    Damit die Sache noch komplizierter wird, entführt die Serie „Gladio Berlin“ den Leser in die Welt der „Schattengeheimdienste“, die sich damals parallel zu den offiziellen Nachrichtendienste bildeten und mit deren Hilfe Organisationen und Firmen eine Art privaten „Kalten Krieg“ führten.

    Die Ausläufer dieser „privaten, parallelen Geheimdienste“ finden wir heute in den so genannten PMC wieder. In den Sechzigern und Siebzigern waren in den USA diese Parallel- Geheimdienste (welche damals ohne jeglichen Organisationsrahmen auftraten) viel mächtiger, als sich dies ein Bürger heute vorstellen kann. Sie entwickelten chemische und biologische Waffen und machten sogar teilweise ihre eigene Außenpolitik. Es gibt einige Fälle, in denen die CIA „Aufspringen musste“, um Schlimmeres zu verhindern. (Wir sollten uns an die Waffen-Anthrax – Anschläge nach dem WTC Anschlag erinnern. Einzelgänger oder Organisation? Waffen-Anthrax ist eine spezielle Züchtung.)

    Wir tauchen in eine Welt ein, in der die Geheimhaltung dazu führte, das es „geheime Operationen“ jenseits der Nachrichtendienste gab und der dämliche Spruch: „Sind wir das wirklich?“ Durch die Fluren der Nachrichtendienste geisterte. Weshalb ein CIA- Direktor an die „Familienjuwelen“ ging und als einer seiner ersten Amtshandlungen einmal feststellen ließ: „Für was waren wir in der Vergangenheit wirklich verantwortlich?“

  3. ako meint:
    13.November 2009 at 13:11

    Gibt es eine Möglichkeit, diese unkontrollierbaren Truppen wieder unter Kontrolle zu bringen ? Können Sie als Ehemaliger diesbezüglich anhand der Arbeitsweise konkrete Vorschläge zur Abwehr machen ? Sind diese Organisationen jemals wieder kontrollierbar, nein abschaffbar ? Wäre eine Namensliste bzw. eine Veröffentlichung der bekannten beteiligten Personen nicht geradezu systemzerstörend ? Warum wird W nicht voll genannt ? Gemäß Grundgesetz muß jeder Deutsche Straftaten anzeigen, von welchen er erfährt.

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  4. ter meint:
    13.November 2009 at 16:08

    @ ako

    Der Herr ist über Siebzig, möglicherweise wegen Betrugs in Österreich immer noch im Knast. Eine kleine Internetrecherche und der Name wäre auch von ako unschwer zu finden. Ich bin nicht der Meinung, dass sein Name noch genannt werden muss. Er hat viel Mist verbreitet, der nicht unbedingt wieder neue Aktualität erfahren muss.

    Pflicht zur Strafanzeige:

    Nur der Bürger oder auch die Aktenführenden Behörden? :-)
    Und wenn der Bürger, mit welchen Beweisen? Gladio, ist ein Thema für die Geschichtsforschung, nicht (mehr) für den Staatsanwalt.

    Kontrolle:

    Bis auf die harmlosen offiziellen Gladio- Organisationen wurden diese „Vereine“ 1979 aufgelöst. Die BND Gladio 1990.

  5. 204999 meint:
    13.November 2009 at 18:25

    Also da muss ich jetzt aber mal juristisch einschreiten: § 138 StGB regelt die “Nichtanzeige von Straftaten. Keinesfalls das GG, das hat Wichtigeres zu tun. Und anzeigen muss man auch nur ganz bestimmte schwere verbrechen, nicht jeden ND-Quatsch, wo kommen wir da hin?

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  6. ter meint:
    14.November 2009 at 11:15

    Von der Verjährung einmal abgesehen… :-)
    Offen wäre allenfalls noch Mord, also die Geschichte mit dem Münchner Oktoberfest und in dieser Geschichte gibt es viele Gerüchte, Spekulationen und Theorien, aber keinen einzigen Beweis dafür, dass hinter dem Anschlag eine Organisation stand.

    Es wurde bei diesem Anschlag nicht oberflächlich ermittelt, sondern sehr intensiv. Der Verfassungsschutz hat damals alles eingesetzt, was er aufbieten konnte. Allein die Vorstellung: Es gebe in Westdeutschland eine militant, terroristische Gladio, wie in Italien, hat einigen Politikern den Schlaf geraubt.

    Von was träumen einige Leser eigentlich in der Nacht? Glauben einige Leser wirklich, die Behörden legten ihre Hände in den Schoss und schauten sich diesen Spuk, nachdem er erkannt war, in aller Ruhe an?
    Zur Zerschlagung einer dieser Gruppen wurde ein Werner Mauss als V- Mann sehr erfolgreich eingesetzt. Ein Umstand der zeigt, dass die Zerschlagung der erkannten Aktivitäten – ganz weit oben – angeordnet und angesiedelt war.