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Guttenberg oder wie kleinbürgerlich-untertänig sind die Deutschen?
Von Tlaxcala | 15.August 2009
Statt zu streiken traten letztes Jahr 221 Busfahrer der Verkehrsbetriebe Saarbahn GmbH in eine Partei ein, um die drohende Privatisierung zu verhindern. Bei Schaeffler und Porsche fielen Arbeiter ihren Kapitaleignern schluchzend um den Hals, anstatt sie zum Teufel zu jagen. Und gleichzeitig himmeln viele Deutsche den Wirtschaftsminister Guttenberg an, halten ihn gar für etwas Besonderes. Warum dieser untertänige und kleinbürgerliche Blick?
Wer die Weltwirtschaftskrise anrichtet, scheint manchmal fast gleichgültig – Hauptsache die Täter und die Elendsverwalter haben gute Manieren. Das Bürgertum klaubt für die eigene „Elite“-Produktion Vordemokratisches aus der „adligen Kultur“ (Rituale, Manieren, Erziehung, Militärisches).
Fast 90 Prozent der Menschen (ARD, Tagesschau v. 6.8.2009) glauben, dass die Weltwirtschaftskrise ihre soziale Lage verschlechtern wird und dass die Banken so weiter machen werden wie bisher. Und alle diese Millionen Menschen sagen: »Man kann nichts machen.« Millionen – Man will nicht. Man müsste sich ja streiten, informieren und organisieren. Da ist es bequemer zu maulen und zu jammern und zu warten, dass …. ja, was? Ein Führer kommt? Damit die Menschen nicht aufmucken und sich von den herrschenden Verhältnissen befreien, wird das Gift des Nationalen mobilisiert. Das soll helfen, die Vorstellung klein zu halten, dass diese Verhältnisse Widerstand verdienen. Wir sind aber nicht »alle in einem Boot«, sondern die einen ersaufen im Meer oder schuften im Maschinenraum, und die anderen logieren im Penthouse der Reederei. Es bedarf also einer Meuterei. Das Gift des Nationalismus ist in Deutschland immer virulent. Es wird gern gespritzt, wenn dem Kapitalismus Gefahr droht. Dann entwickelt sich die Ideologie der »nationalen Schicksalsgemeinschaft«, und auf einmal – hast du nicht gesehen? – gibt es keine sozialen Klassen mehr und keine internationale Solidarität. Es wird unterstellt, dass ausgerechnet der kapitalistische deutsche Staat eine fürsorgliche, auf das Wohl aller Deutschen – vor allem der schwächsten – ausgerichtete Institution ist. Der Arbeitslose in England, der Wanderarbeiter in China, die Gewerkschafterin in Venezuela, der revoltierende Jugendliche in Griechenland – alle rücken plötzlich weit weg. Dem national berauschten Deutschen ist sein deutscher Kapitalist näher als ein Mensch ähnlicher sozialer Lage, der wie der Zufall der Geburt es so will, in einem anderen Teil der Welt aufgewachsen ist.«
Und was bekommt der Untertan für seine Unterwerfung? Man verspricht ihm den scheinbaren Schutz: »vor größeren Schicksalsschlägen, vor Fremden, vor Veränderungen und anderen ‚Sicherheits’-Problemen. Wirklich wertvolle Grundwerte wie soziale Gleichheit aller Menschen, Freiheit von Ausbeutung, Erniedrigung, Rassismus, Antisemitismus und Sexismus, Solidarität über alle nationalen Grenzen hinweg und eine umfassende gesellschaftliche Emanzipation hat die Nation niemals im Angebot. Ganz besonders nicht die deutsche, die nicht mal ein Recht auf ‚résistance’ kennt.« (Zeit des Zorns, S. 219/202) Wer wird der Adressat ihrer Wut, wenn sie feststellen, dass alle Unterwerfung nichts nützt? Manche Menschen zerstören sich selbst. Andere aber lassen sich leicht gegen sozial Schwächere aufhetzen.
»Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, dem wir es verdanken, dass es die Auschwitz-Prozesse (1963–1965) gegeben hat, hat kurz vor seinem Tod im Juli 1968 darauf hingewiesen, dass ein ureigenes Widerstandsrecht des Menschen existiert, das sich gegen den Staat und die Obrigkeit richtet. […] Für Bauer war der Kontrast zwischen Deutschland und Frankreich augenfällig: ‘Frankreich hatte seine Revolution. Es bekannte sich zu den Menschenrechten. Hierzu wurde sofort das Recht auf résistance gezählt. Anders in Deutschland. Die deutschen Philosophen machten im Kielwasser des autoritären Staates dem Widerstandsrecht der Jahrtausende den Garaus.’ Bauer zitierte Kant, der dem Untertan kein bisschen Widerstand erlaubt, was auch immer der Staat verbricht, um den Menschen unglücklich zu machen. ‘Die Worte Kants, denen ganz ähnliche Hegels, auch […] Treitschkes und vieler anderer entsprechen, sind das Spiegelbild der sozialen Realität in Deutschland.’« (Zeit des Zorns, S. 214) Ist es nicht schön, dass es viele Menschen gibt, die aus dieser verzerrten Realität ausbrechen?
Quelle: Verlagsgruppe Dromer Knaur – http://www.was-sache-ist.de/2009/08/guttenberg-oder-wie-kleinburgerlich-untertanig-sind-die-deutschen
AUTOR: Jutta DITFURTH
Originalartikel veröffentlicht am
Über die Autorin
Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl die Autorin als auch die Quelle genannt werden.
URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8334&lg=de
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15.August 2009 at 20:07
Sehr treffend geschrieben. Danke!
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15.August 2009 at 20:44
lese unglaublich gerne eure Beiträge …
Aber so langsam solltet ihr wieder auf den Teppich kommen …kleiner Tip von mir.
Wir reden hier von Menschen die angst haben …nicht mal Angst um sich…vieleich Angst um ihre Kinder usw. ….
Denn der Beweiss das ihr so unglaublich mutig seit….den habt ihr auch noch nicht erbracht….und mit solchen Sprüchen würde ich sehr vorsichtig sein .
Hunde die bellen beisen bekanntlich nicht ….
Wenn ich schon lese….Oooooh ein Künstler …jaaa die Kunst… wir singen und machen ein paar theaterauftritte gehgen die Mächtigen ….Bullshit sag ich da nur…Bullshit !!
Wie gesagt…bleibt mal schön auf den Teppich ihr Angeber Retorikkünstler und was weiss ich…!!
Mich regt das langsam auf das ihr ein großteil der Bevölkerung beleidigt …. nur weil ihr meint ihr seit wissend .
Aber im großen und ganzen bin ich ein echter Fan von euch…das meine echt ernst
Nur bitte überlegt machmal was ihr schreibt… wir haben alle Angst…und wir sind deswegen nicht blöde
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15.August 2009 at 21:21
Die alte linke Litanei von der “Internationalen Solidarität” überzeugt auch nicht mehr wie einst.
Erst sollte die Weltrevolution durchgeführt werden und danach würden sich ja angeblich all die kleinlichen Probleme hier in Deutschland wie von selbst auflösen, versprachen stets die linken Ideologen. Dieser Traum konnte nicht einmal 2 mörderische Weltkriege verhindern.
Dennoch sitzen ihm sogenannte “Linke” ja noch heute auf, wenn sie skandieren “Kein Mensch ist illegal!” und damit die weitere Masseneinwanderung nach Deutschland propagieren.
Solche “Linke” können sich die Globalisierer doch nur wünschen, dient doch Masseneinwanderung dem Lohndumping und Sozialabbau in Deutschland.
Aber ehe manche Linke begreifen, daß die vielgepriesene internationale Solidarität nur ein Wunschtraum ist, der höchsten zu weltweit gleichen Verhältnissen wie in Brasilien führen würde, eher werden die linken Träumer an Altersschwäche sterben.
mit freundlichen Grüßen
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15.August 2009 at 22:58
“[...]Uns aus dem Elend zu erlösen können wir nur selber tun![...] – und schnell “rechnet” man erst ein Mal die Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik arm, um irgendwelche “Schlussfolgerungen bei der Halbglatze herbeiziehen zu können.
Was es für den Einzelnen aber konkret heißt, dass sich (Zitat): “[...] ihre soziale Lage verschlechtern wird [...]“, bleibt sauber ausgeblendet.
Da also die Verschlechterung der sozialen Lage sehr relativ ist, sind auch die daraus entstehenden, persönlichen Schlussfolgerungen sehr verschieden.
Je höher also das “soziale Niveau”, desto weniger kann die Verallgemeinerung greifen.
Darum mein Buchtipp: So lügt man mit Statistik von Walter Krämer (Taschenbuch – September 2000)
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16.August 2009 at 10:44
NACHTRAG:
Hier offenbart sich halt deutlich ein (oder auch DAS ???) >linke ProblemHäuptling Hasenfuß< mit dem Motto: „Seid mutig Kameraden, lasst mich hinter den Baum!!!“ zu etablieren.
Nun haben die „Linken“ nur schon MEHR ALS GENUG dieser „Häuptlinge“.
Auf dem Schlachtfeld der Gleichmacherei, der Diffamierung und der ständigen Beschimpfung des Andersdenkenden (Luxemburg lesen und verstehen wäre nicht schlecht), ist halt keine Zeit für Veränderung.
VERÄNDERUNG würde unter Umständen auch den „Häuptlingsstuhl“ gefährden denn wo wären „wir“ denn, wenn alles gut wäre, worüber kann man dann noch meckern?
Gysi und Lafontaine machen es doch vor, da wird zwischen Arbeitnehmern und Akademikern (weil Akademiker – wie und warum ist und bleibt ein Rätsel – keine Arbeitnehmer sind?) unterschieden, da werden (trotzdem man ständig barmt, dass die Erbschaftssteuer höher werden muss) alle Rentner (sind die es nicht, die später (oder früher) vererben?)) zu Almosenempfängern gemacht, da wird eben nicht nach dem Individuum sondern der „gleichförmigen Masse“ gerufen.
ZITAT: "Guttenberg oder wie kleinbürgerlich-untertänig sind die Deutschen?"
Zum glück sind nicht alle Menschen gleich, zum Glück gibt es das Individuum und zum Glück gibt es auch weiterhin Menschen die selbst denken, sodass die „Häuptlinge“ halt weiterhin Häuptlinge ohne Indianer sind.
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16.August 2009 at 23:40
Hallo Saito,
wenn Du ein Problem mit Flüchtlingen hast, mußt Du nur dafür sorgen, dass diese keinen Grund mehr haben ihre Heimat, ihre Familie, Freunde, evtl. auch ihren gesamten Besitz zu verlassen bzw. tausende von Dollars (auch Geld von Freunden bzw. der Familie) an Schlepper zu zahlen.
Man könnte z.B. seine EADS- oder Rheinmetall-Aktien verkaufen, man könnte die Abgeordneten der Regierungsparteien auffordern gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr zu stimmen.
Man muß dafür sorgen, dass Menschen auch Arbeit haben, wenn es keine Waffenfabriken gibt, aber das dürfte nicht so das Problem sein, weil Waffen nicht produktiv sind (10 Mio. für ein Solarzellen-Werk oder 10 Mio. für ein Landminen-Werk?).
Man muß dafür sorgen, dass man auch mit weniger Konsum gut leben kann, weil aufgrund unseres Rohstoffhungers kommt der Krieg erst in all die Länder (Somalia, Afghanistan, Irak, Kongo, Sudan, Tschad, etc.).
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20.August 2009 at 13:34
[...] August 20, 2009 Guttenberg oder wie kleinbürgerlich-untertänig sind die Deutschen? [...]
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