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    Kinder werden geschlagen und gefoltert

    Von Jonathan Cook | 6.Juli 2009

    Die Rechte der palästinensischen Kinder werden nach einem neuen Bericht routinemäßig von Israels Sicherheitskräften verletzt: Schlagen und Folter sei allgemein üblich.

    Zusätzlich werden Hunderte von palästinensischen Kindern jedes Jahr strafrechtlich belangt ohne eine richtige Gerichtsverhandlung; Familienbesuche werden ihnen verweigert.

    Die Untersuchungsergebnisse von „Defence for Children International“ DCI kommen nach den Enthüllungen der israelischen Soldaten und ranghoher Kommandeure: es sei eine „normale Prozedur“, in der Westbank palästinensische Zivilisten, einschließlich Kinder zu terrorisieren.

    Oberst Itai Virob, Kommandeur der Kfir Brigade, gab letzten Monat bekannt, dass zur Erfüllung einer „Mission“ auch „Aggressivität gegen jeden Bewohner im Dorf gehört“ Zu Verhören gehören Ohrfeigen, Schläge und Fußtritte, sagte er.

    Als Folge davon wurde Gabi Ashkenasi, der Chef der bewaffneten Kräfte aufgefordert, vor dem israelischen Parlament zu erscheinen, um das Verhalten der Soldaten abzuleugnen. Schläge seien „absolut verboten“ sagte er den Gesetzesgebern.

    Oberst Virob machte seine Aussagen während einer Gerichtsverhandlung zur Verteidigung zweier Soldaten, einschließlich seines vertretenden Kommandeurs, der angeklagt worden war, Palästinenser im Dorf Qaddum, nahe Nablus, geschlagen zu haben. Einer sagte vor Gericht, „die Soldaten seien zu Aggressionen in der IDF-Armee erzogen worden“.

    Oberst Virob schien seine Beobachtung zu bestätigen, als er sagte, es wäre Taktik, das Dorfleben während Militärmissionen „aus dem Gleichgewicht zu bringen“ und dass die meisten Angriffe „gegen Leute seien, die nicht beteiligt seien“.

    Letzte Woche wurden weitere Enthüllungen von Misshandlungen von Palästinensern, einige jünger als 14, im israelischen Fernsehen ausgestrahlt. Dabei wurde Material verwendet, das von Dissidenten-Soldaten gesammelt wurde und das ein Teil des „Das Schweigen brechen- Projektes“ sei, das sich mit besonders schlimmer Brutalität der Armee befasst.

    Zwei Soldaten, die im Harub-Bataillon dienten, sagten, sie seien Zeugen von Schlägen im Westbankdorf Hares, südwestlich von Nablus, gewesen. Es war bei einer Operation im März gegen das Steine werfen. Viele der Festgehaltenen waren aber Unbeteiligte, sagten die Soldaten.

    Während einer 12 stündigen Operation, die nachts um 3 Uhr begann, wurden 150 Verhafteten mit verbundenen Augen, die Hände hinter dem Rücken so fest mit Nylon gefesselt, dass die Hände blau wurden. Die schlimmsten Schlägereien fanden in den Schultoiletten statt, sagten die Soldaten.

    Nach den Zeugenaussagen eines Soldaten wurde einem etwa 15 jährigen Jungen „eine solche Ohrfeige gegeben, dass er zu Boden fiel. Er fügte noch hinzu, dass viele seiner Kameraden nur deshalb Palästinenser mit den Knien stoßen, weil sie Langeweile haben. Sie müssen 10 Stunden dort am Kontrollpunkt stehen und haben nichts zu tun, also schlagen sie die Leute zusammen.“

    Das Bild von im Dienst stehenden Soldaten bestätigt die Untersuchungsergebnisse von DCI, die feststellten, dass viele Kinder bei allgemeinen Hausdurchsuchungen nach Unruhen oder während nächtlicher Überfälle auf die Wohnhäuser aufgelesen wurden.

    Sein Bericht von 2008 schließt eine Auswahl von Zeugenaussagen von Kindern ein. Sie beschreiben, wie sie von israelischen Soldaten geschlagen und von Verhörenden gefoltert wurden.

    Ein Zehnjähriger, Ezzat H. beschreibt eine Durchsuchung des Hauses seiner Familie durch die Armee wegen einer angeblichen Waffe. Er sagte, ein Soldat hätte ihn geohrfeigt und während zwei Stunden Verhörs wiederholt herumgestoßen, bevor ein anderer Soldat mit dem Gewehr auf ihn zielte: „Das Gewehr war nur wenige Zentimeter von meinem Gesicht entfernt. Ich hatte so große Angst, dass ich zu zittern anfing. Der Soldat machte sich über mich lustig.“

    Ein anderer Junge, Shadi,15, sagte, er und seine Freunde wurden gezwungen, sich in einem Orangenhain in der Nähe Tulkarems auszuziehen, während sie von den Soldaten mit Steinen beworfen wurden. Dann wurden sie mit den Gewehrkolben geschlagen.

    Jamal K., 14, beschrieb, wie er zu einem Militärlager mitgenommen wurde, wo man über ihn herfiel, ein Seil um seinen Hals legte, als ob man ihn erhängen wollte.

    Yehuda Shaul von „das Schweigen brechen“, sagte, die Soldaten behandeln jeden Palästinenser, der älter als 12 oder 13 ist, wie einen Erwachsenen.

    „Es ist das erste Mal, dass ein hochrangiger Soldat Oberst Virob sich uns anschloss und das Problem ansprach – wenn auch nicht absichtlich – dass die Anwendung von physischer Gewalt gegen Palästinenser keine Ausnahme sondern Taktik sei. Vor ein paar Jahren hätte kein ranghoher Offizier den Mut gehabt, dies zu sagen,“ sagte er.

    Der DCI-Bericht betont auch die systematische Anwendung von Folter während der Verhöre durch die Armee, die Geheimpolizei, den Shin Bet, um von den Kindern Geständnisse zu erpressen, oft im Zusammenhang mit dem Steine werfen.

    Islam M., 12, sagte, er wäre mit kochendem Wasser bedroht worden, das man ihm übers Gesicht schütten wollte, wenn er nicht eingesteht, Steine geworfen zu haben. Dann wurde er in einen Dornbusch gestoßen. Ein anderer Junge, Abed.S.,16, sagte, dass seine Hände und Füße in Form eines Kreuzes einen Tag lang an die Wand eines Verhörraumes gebunden wurden und dass er dann 15 Tage lang in Einzelhaft gewesen sei.

    Im letzten Monat drückte ein Panel unabhängiger Experten des UN-Komitees gegen Folter seine tiefe Betroffenheit über Israels Behandlung Minderjähriger aus.

    Nach dem DCI-Bericht werden jedes Jahr 700 Kinder in Israels Militärgerichten verurteilt, den Kindern über 12 wird der Zugang zu Anwälten bei Verhören verweigert.

    Im Bericht steht noch, dass die Verhörenden während des Verhörs den verhafteten Kindern routinemäßig die Augen verbinden, die Hände fesseln und besondere Techniken anwenden, einschließlich Ohrfeigen und Fußtritten, Schlafentzug, Einzelhaft, Drohungen dem Kind und seiner Familie gegenüber und das Kind für lange Zeit aufhängen.

    Solche Praktiken wurden 1999 vom Obersten Gerichtshof verboten, wurden aber von israelischen Menschenrechtsgruppen auch später noch ausführlich dokumentiert.

    DCI sagt, dass es von Berichten mehrerer Kinder beunruhigt sei, die von einer besonderen winzigen Zelle berichten, die No 36 genannt wird, ein Haftzentrum bei Haifa. Die Zelle habe keine Fenster, keine Luftzufuhr, ihre Wände sind dunkel und ein wenig Lichtschimmer gibt es 24 Stunden am Tag.

    In 95 % der Fälle werden die Kinder auf Grund von unterzeichneten hebräisch geschriebenen Bekenntnissen, die nur wenige verstehen können, verurteilt.

    Einmal verurteilt, werden die Kinder – bei Verletzung des Völkerrechts – in Gefängnissen in Israel fest gehalten, der Besuch von Familienangehörigen wird ihnen verweigert, und sie erhalten so gut wie keine Schulbildung.

    DCI kritisiert auch eine „Kultur der Straflosigkeit“ gegenüber dem Shin Bet und bemerkt, dass nicht eine von 600 Anklagen wegen Folter gegen die Verhörenden während der 2. Intifada aufgenommen wurde und zu einem Prozess vor Gericht geführt hat.

    Yesh Din, eine israelische Menschenrechtsgruppe berichtete im November 2008, dass Soldaten zu selten wegen illegalen Verhaltens ein Disziplinarverfahren erhalten.

    Armeedaten von 2000 bis Ende 2007 decken auf, dass die Militärpolizei in nur 78 von 1268 Fällen Anklage erhoben hat. Die meisten Soldaten erhielten nur geringe Strafen.

    Akademische Studien unterstellen, dass israelische Soldaten routinemäßig seit vielen Jahren Gewalt gegen palästinensische Zivilisten, einschließlich Kindern ausüben.

    Ende 2007 waren Israelis von den Aussagen geschockt, die die klinische Psychologin Nufar Yishai-Karin von 21 Soldaten gesammelt hatte, mit denen sie ihren Militärdienst während der frühen 90er-Jahre geteilt hatte.

    Die Soldaten erzählten ihr von Vorfällen, wo zufällige Passanten erschossen oder angegriffen worden waren. In einem der erschreckendsten Zeugnisse sagte ein Soldat, er sei Zeuge gewesen, wie sein Kommandeur einen vier jährigen Jungen angegriffen habe, der im Gazastreifen mit Sand gespielt habe.

    Er brach ihm das Handgelenk hier, brach ihm das Bein hier und begann, ihm auf den Magen zu treten – drei mal und dann ging er … Am nächsten Tag ging ich mit ihm auf eine andere Patrouille und die Soldaten begannen, dasselbe zu machen.

    Solche Enthüllungen mehrten sich seit „Das Schweigen brechen“ 2004 die Aufmerksamkeit auf die Misshandlungen der Armee gegenüber den Palästinensern auf sich zog.

    Jonathan Cook, Schriftsteller und Journalist in Nazareth. Seine letzten Bücher sind „Israel and the Clash of Civilisations: Irak, Iran and the Plan to remake the Middle East. Pluto Press und “Disappearing Palestine: Israel’s Experiments in Human Despair” Zed Books.

    Jonathan Cook, Counterpunch, 17.6. 09

    Seine Website: www.jkcook.net

    dt. Ellen Rohlfs

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