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    Systemkrise – Auflösung des Kapitalismus oder nur etwas Sand im Getriebe?

    Von Thomas Marschner | 29.Dezember 2008

    Wurden die Zeichen der Zeit richtig verstanden oder gibt es wieder nur Wundsalbe für die Opfer?
    In Vorweihnachtszeit aber vor allem zu den Feiertagen wurde die Bevölkerung wieder „aus allen Rohren“ mit Ansprachen und Reden befeuert und daran erinnert, dass sie gefälligst den Karren aus dem Dreck zu ziehen habe.

    Fast heimlich still und leise werden noch mehr „Notpacketchen“ geschürt, die übel danach riechen was sie sind. Wundverbände für die Konzerne, kleine Pflaster für den Mittelstand und für das Volk gibt’s die große Portion Valium. Mit Durchhalteparolen wird die Solidarität beschworen und an den Gemeinschaftssinn appelliert. Die Bürger werden ermahnt, ihren Anteil beizutragen, damit die Krise überwunden wird. Wieder sollen Opfer gebracht werden, es wird zwar so nicht gesagt, aber das ist genau damit gemeint.

    Die nächsten Stufen des Sozialabbaus, der Entrechtung und Entmündigung werden damit indirekt angekündigt. Statt wirklicher Reformen und der Regulierung vor allem am Finanzmarkt, besorgen deren Vertreter gerade die notwendigen Mehrheiten, um die Regierungen „auf Kurs“ zu bringen. Diese Krise entsorgt “überflüssige” Arbeitskräfte und “lästige” Konkurrenz, sie bereinigt die Märkte.
    Versäumt wird der politische Schritt zur Neuorientierung der Wirtschaft und des Finanzmarktes.
    Es wird weiter der Eindruck vermittelt, dass es sich bei dieser „Finanzkrise“ um die Folgen einer ausufernden Spekulationsblase handelt und nicht wie oft behauptet einer Systemkrise „an sich“.

    Aufmerksame Mitbürger und informierte kritische Menschen, also jene, die schon länger denken, dass das gegenwärtige Gesellschaftssystem „irgendwie“ überholt ist, sehen das allerdings anders.
    Bei ihnen macht sich eine „gewisse Frohlockung“ breit. In dem Irrglauben, dass nun vielleicht die Zeit gekommen sei, wo das System nun endlich zusammenbricht oder zumindest jedem klar werden müsse, wie unsicher und morbide es ist. Da machen einige ihre Rechnung zu früh auf.

    Oberwasser erhalten im Moment jene, die revolutionäre Zeiten vorhersagen und die ernsthaft glauben, dass nur die radikale Abschaffung des Kapitalismus unser Seelenheil bedeutet. Aber worin liegen deren Alternativen und welche Perspektive geben uns diese Dichter und Denker? Kann überhaupt dieses weltumspannende Gesellschaftssystem so einfach abgeschafft werden?
    Steckt das Wirtschaftssystem oder die Gesellschaft in der Sackgasse?

    Weltweit wird von der Vertrauenskrise des Kapitals gesprochen, dass den Finanzrutsch begünstigt hat. Die Angst vor dem Risiko sei von Kleinaktionären geschürt worden, die ihr Geld aus dem Markt nehmen wollten. Die „verbrannten“ Milliarden stammen also von Kleinanlegern?
    Die Wirtschaft hat sich mit ihrer Macht und Geldgier die Probleme selbst geschaffen. Sich jeder Kontrolle entziehend und mit ganzem Vorsatz wurde gezockt bis die „Schwarte gekracht hat“.

    Und wieder sollen die Bürger dafür zur Kasse gebeten werden. Steuergelder werden aufgewendet um die labilen Banken zu stützen und um hoch bezahlte Arbeitsplätze zu erhalten. Mittlerweile ist bei den Politikern angekommen, dass der Konsum in der Krise steckt. Dem Niedergang des Einzelhandels könnte nun der der Produktionsbetriebe folgen. Deshalb sollen jetzt Konsumanreize geschaffen werden (wenn man schon nicht an das Ersparte der Bürger herankommt), die der Zielgruppe Konsument die letzten Heller aus der Tasche ziehen sollen.

    Von einem Schuldenerlass für Kreditkunden will die Geldindustrie nichts wissen und spricht fast zynisch über ihre Kreditabhängigen Kunden. Als hätte sie es gerade nicht darauf angelegt, mit einer Kreditblase zusätzlich neue Kundschaft heranzuholen und einige durch die sprichwörtliche Raste fallen zu lassen. Hätten sie nicht den Konsum in den USA gestützt, wäre dort bereits vor mehr als 10 Jahren eine große Rezession ausgebrochen, wie die Geld- und Vermögensverteilung belegt.

    Wer in der heutigen westlichen Gesellschaft als Niedrig- oder Tagelöhner seine Brötchen verdient, weiß, dass er Arm trotz Arbeit ist. Wo das Geld geradeso ausreicht, um sich zu versorgen und nicht auf der Strasse zu leben, wird jede Preissteigerung, jedes Wackeln der Arbeitsplätze zur Zitterpartie. Zusammen mit den Leiharbeitern sind es die niedrigen Einkommensgruppen, die am meisten betroffen sind, wenn die Industrie eine Absatzkrise hat, weil ihre Arbeitsplätze wegfallen.

    Die Gesellschaft steckt in der Krise, weil sie ihre Entwicklung an den Geldkreislauf angepasst hat.
    Geldbesitzer, können sich Bildung, Konsum und Reisen leisten und können ihr Geld vermehren und Arme?
    In Deutschland ist die Leiharbeit das Vorzeigeinstrument, der als Erfolg gepriesenen Arbeitsmarktreformen.
    Nun wackeln dort gewaltig die Arbeitsplätze, vor allem in der Automobilindustrie. Diese hat entscheidend auf den Faktor Leiharbeit gesetzt. Automobilfirmen haben eigene Leiharbeitsfirmen gegründet, um ganze Abteilungen auszulagern. Große Maschinenbauunternehmen haben es ihnen gleich getan und auch die Chemie- und Pharmabranche wollte da nicht zuschauen. Insgesamt etwa 500.000 Arbeitsplätze wurden so in den zweiten Arbeitsmarkt verschoben.

    Die Industriegewerkschaft Metall hat in diesem Jahr mit ihrer bundesweiten Aktion „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“ versucht, Leiharbeiter zu organisieren und Regelungen in den Betrieben zu treffen. Nun steht der Erfolg auf der Kippe, wenn die Leiharbeiter ihre Jobs verlieren. Diese wiederum fordern mehr Einsatz der Gewerkschaften „zum Erhalt“ ihrer Arbeitsplätze. Die Politik appelliert an Unternehmen die Leute nicht gleich rauszusetzen und hat gerade die Möglichkeiten geschaffen, dass die Kurzarbeiterregelung auch für die Leiharbeit angewendet werden kann.

    Welchen Anteil haben Kreditschulden an der Krise?
    Ein immer größerer Teil der Bevölkerung ist überschuldet und während ein kleiner Teil der Bevölkerung immer reicher wird, verarmt ein großer. Viele Haushalte die gestern noch zum Mittelstand gehörten, sind heute bettelarm. Die Zahl der Privatinsolvenzen steigt erheblich.
    Während Politiker und Wirtschaftsprofessoren von einer Geldkrise sprechen, besteht die Krise in Wahrheit in einer Konsum- und Schuldnerkrise, die in einer Verarmungskrise enden kann. Ausgelöst wurde diese, weil die Menschen infolge ihrer Verschuldung nicht mehr konsumieren können. Damit handelt es sich also zwangsläufig um eine Systemkrise des Kapitals. Solange Kreditzinsen die Verschuldung rasant verschlimmern, wird die Schuldenfalle weitere Opfer finden und die Systembedingte Krise des schwachen Konsums nicht zu lösen sein.

    Auch das stetig erwartete Wachstum von Volkswirtschaften und Produktivitätssteigerungen führt dazu, dass wir uns mit Waren quasi „tot schmeißen“ können, ohne eine dazu notwendige Nachfrage zu schaffen. Wann wird der Gipfelpunkt (Break Even point) erreicht sein, ab dem das System wirklich kollabiert und die „materiellen Werte“ durch Inflation zerstört werden?
    Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges hat die Welt insgesamt einen nie da gewesenen Wirtschaftsaufschwung erlebt.
    In der westlichen Welt stieg die Produktivität fast zweistellig. Gewinne von Anlegern, von Unternehmen haben sich in den letzten 30 Jahren fast vertausendfacht. Während des „Kalten Krieges“ hat die Welt massiv an der Konsumschraube gedreht. Die Bruttoeinkommen der Arbeiter und Angestellten wuchsen mit der Produktivität. Zusammen mit der Nachfrage, stieg auch die Reiselust der Menschen, weil Reisen erschwinglich wurde. Genährt wurde der Konsum auch durch Nachholbedarf infolge der Kriegsschäden. Außerdem konkurrierten zwei Gesellschaftssysteme um die Gunst der Menschen.

    Ende der 60er Jahre hatte das Wachstum in den meisten Westeuropäischen Ländern seinen bis dahin höchsten Gipfelpunkt erreicht. Vielfach gab es Vollbeschäftigung und die Einkommen feuerten die Nachfrage an. Aber es gab auch die Schattenseite der Medaille. Hunger und Elend in Afrika und Lateinamerika sowie Südamerika. Bürgerkrieg und Destabilität, Diktaturen überall.

    Wohlfahrt als Notwendigkeit zur Umdeutung systembedingter Probleme?
    Ende der 50er Jahre wurden überall in den Industriestaaten Hilfsorganisationen, die bis dahin eher ein Schattendasein fristeten, erstmalig von der Politik, als Moment des Handelns entdeckt. Die „Welt Charity“ der UNO, WHO, UNICEF und der vielen anderen „Hilfsorganisationen“ wurde geboren. Reichtum sollte den Anstrich des Humanismus als verklärende Botschaft des Kapitalismus zum Ausklang des 20. Jahrhunderts bekommen – Wir sind die guten!

    Die Reichen Industriestaaten liefern Nahrungsmittel und überhaupt ihre Überschussproduktion an die als „Dritte Welt“ bezeichneten Armutsregionen. Vorgespielter Humanismus soll das System menschlicher zeichnen und führt die ehemaligen Kolonien nur in die fortgesetzte Abhängigkeit. Lebensmittellieferungen und überhaupt Entwicklungshilfe wurde zum Moment außenpolitischer Einflussnahme. Fremdbestimmung, statt Selbsthilfe oder selbst bestimmtem Regieren. Am Tropf der „der Reichen“ hängend, konnte über 30 Jahre lang dafür gesorgt werden, das diese Regionen sich weder entscheidend entwickeln konnten, noch das sie sich aus der Abhängigkeit befreien konnten. Damit wurde letztendlich verhindert, dass „lästige Konkurrenz“ auf den Markt drängt. Das internationale Kreditgeschäft mit der Kreditverzinsung führt dazu, dass sich ganze Regionen so hoch verschulden bis sie bankrott sind, damit werden sie wieder unfrei und abhängig.

    Die Welt Charity ist zu einem Industriezweig geworden. Er funktioniert inzwischen genauso wie jeder andere Bereich, bei dem es letztendlich nur darum geht, Abhängigkeiten zu erzeugen, beizubehalten oder Geld daran zu verdienen. Es geht nicht und ging nie darum, die Mehrzahl der Menschen unabhängig zu machen, sie dazu zu befähigen, dass sie ein freies und selbstbestimmtes leben führen können.
    Seit Ende der 80er Jahre, hat die neue Zeitrechnung der Industrieländer eingesetzt, die ihre kolonialen oder imperialen Absichten nicht mehr durch das Militär, sondern mit der Verschuldung umsetzen. Die Ausbeutung von Rohstoffen ergänzt den alten Imperialismus des Kapitals, der die Ausbeutung des Menschen verfolgte. Wir wurden und werden als Verwertungsobjekt betrachtet.
    Die Versklavung ganzer Regionen wird neu ausgerichtet. Die multimediale Vernetzung lässt Grenzen verschwimmen.
    Nicht immer ist klar, wo sich der Feind befindet und welche Strategie er gerade anwendet oder worin dessen Zielsetzung liegt. Ein weiteres Spielfeld des Kapitalismus ist die weltweite Patentierung, vor allem von Wirkstoffen die als Medizin zur Heilbehandlung eingesetzt werden.

    Jahrtausende alte Medizin der Ureinwohner wird plötzlich durch Patente geschützt und ist für sie unerreichbar, weil sich Konzerne bestimmte Wirkstoffe international schützen lassen. Diese perfide Handlungs- und Denkweise, durch die internationale Patentierung auf natürliche vorhandene Wirkstoffe für die Chemie und Arzneimittelindustrie ist eine riesige Gelddruckmaschine.
    Ureinwohner sollen für Medizin Geld bezahlen, obwohl diese in ihren Regionen wächst und sie diese selbst sich seit jahrhunderten anwenden. Sogar Genetische Strukturen werden patentiert. Es wurde sogar der Versuch unternommen, Lebewesen patentieren zu lassen. Mittlerweile hat dieser Trend einige Grenzen erreicht, weil die Aufmerksamkeit für diese neue Form von Imperialismus wächst und mit ihm auch der Widerstand.

    Die „Finanzkrise“ ist kein Zufallsprodukt, kein Mikadoeffekt und keine Folge von Gier. Sie ist Ausdruck einer systembedingten Krankheit und auch Ausdruck der Anfälligkeit für Manipulation.
    Lasche Regulierung durch Korruption, Vorteilsnahme Beteiligter Entscheidungsträger und schwache Kontrollen und Schutzmechanismen haben ihre negative Wirkung nicht verfehlt.
    Die politische Einflussnahme wurde zurück gedrängt. Eine kleine internationale Mafia von Konzernen hält den Globus in Atem.
    Diese Krise ist wie Sand im Getriebe für die Regionen, die sich durch harte Arbeit zu Konkurrenten der beherrschenden Industrienationen gemausert haben und ihnen nun quasi in die Quere kommen. Letztendlich ist die internationale Kreditwirtschaft die einzige Chance für die beherrschenden, ihre Machtverhältnisse durch die Verschuldung dieser aufstrebenden Länder aufrecht zu erhalten.

    Die Herrschenden haben Angst vor Machtverlust!
    Wie groß diese  Angst vor ihrem eigenen Volk ist, beweist die fortwährende Terrorgefahr, die dazu benutzt wird, Freiheit schrittweise abzubauen und die Überwachung zu perfektionieren. Schon in wenigen Jahren werden wir eine Sicherheitsarchitektur haben, die jederzeit und weltumspannend jeden Menschen lokalisieren und überwachen kann. Damit wird Orwells Gesellschaft möglich.
    Nicht der Markt regelt sich, sondern er muss geregelt werden. Aber Politiker wollen weder unsere Freiheit bewahren, noch wollen sie unseren Vorteil mehren oder Schaden vom Volke abwenden. Entgegen ihres Amtseides schaden sie uns!
    Also, wählt sie nicht mehr wieder, sondern straft sie für ihre Politik ab. Gegenwehr durch Abwahl!
    Die nächste Bundestagswahl kommt. Wählt Alternativ, es gibt viele Möglichkeiten. Wer keine wählbare politische Alternative für sich findet, sollte aber trotzdem wählen gehen.

    Er kann seinen Wahlzettel ungültig machen. Denn auch ungültig gemachte Stimmzettel werden ausgezählt. Jede ungültige Stimme, kostet die Parteien Geld, weil sie gemäß ihres Stimmenanteils Geld aus der Wahlkampfkostenerstattung erhalten. Weniger Stimmen = weniger Geld.

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