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    Finanzkrise als Problem oder willkommenes Moment zur Marktbereinigung?

    Von Thomas Marschner | 3.Dezember 2008

    Wer in den letzten 2 Monaten sah, zu welchen Verwirbelungen die “Finanzkrise” in der Wirtschaft führt, muss sich fast zwangsläufig die Frage stellen, wer nicht „noch alles“ am sprichwörtlichen Tropf der Banken und Börsen hängt. Kaum ein Unternehmen, dass nicht entweder Kredite aufgenommen hat oder zumindest mit den Einnahmen versucht noch mehr Geld zu scheffeln.

    Welcher große multinationale Konzern ist nicht von solchen Krediten abhängig um die eigene Liquidität (Zahlungsfähigkeit) zu sichern oder um genügend Geldmacht aufzubauen, die ihn vor „feindlicher Übernahme“ schützen könnte.
    Bei Investitionen geht es um oft um Milliardensummen, die über Kreditinstitute bzw. Banken nur unbar abzuwickeln sind. Schon allein durch dieses „virtuelle Geld“ entstehen Gefahren.
    In den Schlüsselindustrien werden Handelsgeschäfte über Kredite und Kreditzusagen finanziert.
    Geldgeschäfte im ursprünglichen Sinn werden nur mit „Kleinkunden“ abgewickelt, obwohl auch hier der klare Trend zum virtuellen Geld eingeschlagen wurde. Für Geschäfte mit virtuellem Geld ist ein Beweis der Bonität (Zahlungs- und Kreditwürdigkeit) notwendig. Ein Großes Problem könnte also für die Nachfrage entstehen, wenn alle Geringverdiener oder Arbeitslosen durch ihre geringen Einkünfte als Kreditunwürdig gelten. Vielleicht deshalb wurde bisher entgegen der Vernunft bei solchen Kunden dennoch eine Kreditkarte ausgegeben, weil es sonst eine wesentlich geringere Konsumnachfrage gäbe. Kleinkunden werden mit „scheinbar günstigen“ Konsumkrediten gelockt, die sie verführen und sie in ihre Verschuldung führen.

    Geldbesitz hat den Vorteil, dass dessen Eigentümer überall auf der Welt damit Ware kaufen oder Geschäfte machen kann, ohne dabei ein Bonitätsprüfung über sich ergehen lassen zu müssen. Bestenfalls werden die Geldscheine selbst verraten, woher Geldnoten stammen. Mit Geld kann also „nicht kontrollierter“ Handel entstehen und abgewickelt werden. Wer das Geld und Bewegung kontrolliert, kann also jeden Handel kontrollieren und möglicherweise verhindern. Deshalb hantieren Kriminelle meist mit Bargeld und ohne Banken, sondern mit persönlichen Kurieren.

    Um virtuelles Geld inform von Kredit zu bekommen ist die Kreditwürdigkeit das A und O. Bonität ist das entscheidende Hilfsmittel um Geld zu bekommen oder Kreditgeschäfte abwickeln zu können. Kreditwürdigkeit wird durch Rating Agenturen bewertet und ihr Urteil ist entscheidend, denn es kann verheerende Wirkung haben. Die Rating Agenturen bewerten Kreditkunden und stellen Testate aus.
    Handelspartner müssen sich auf Testate verlassen können. Je besser das Ranking, je höher die Kreditwürdigkeit, in einer globalen Marktwirtschaft werden „gute Testate“ zur Einkommensquelle.
    Vielleicht haben die modernen Global Player ihre Firmen deshalb mit eigenen Kreditinstituten ausgestattet, um sich selbst bei den Geldgeschäften zu beteiligen oder um Testate zu beeinflussen.
    Letztendlich können sie über Querverbindungen sich selbst durch „eigene Rating Agenturen“ gute Testate ausstellen und sind selbst am Geschäft mit Konsum- und Investitionskrediten beteiligt.
    Ihre eigenen Institute kontrollieren den Geldmarkt und haben Einblick in die Geschäfte der Konkurrenz, mit langfristigen Kreditverträgen werden die Kunden an ihre Unternehmen und Produkte fest gebunden. Letztendlich existiert kein „freier“ Finanzmarkt. Wenige „Weltbanken“ kontrollieren alles und sie sind es auch, die Börsenkurse manipulieren oder Rohstoffpreise zu ihrem Vorteil beeinflussen. Eine Weltumspannende Mafia aus Macht und Moneten.

    Wer Geld besitzt, kann sich Freiheit erkaufen. Die Freiheit, Geschäfte zu machen, ohne eine Bank um Erlaubnis zu fragen. Nur Reiche besitzen überhaupt soviel Geld oder könnten es auftreiben, um damit “in Bar” einkaufen zu gehen, aber auch sie handeln lieber mit virtuellem Geld, ihre Angst vor Überfällen ist groß. Denn in allen Gesellschaften ist ihre Gruppe die Minderheit in der Bevölkerung.
    Wenn wundert’s da, wenn sie hinter hohen Mauern oder Zäunen, schwer bewacht und kontrolliert „ihren Reichtum“ ausleben müssen, während Wachdienste für ihre Sicherheit sorgen müssen.

    Der Konsummassenmarkt wird über Kredit- bzw. Leasingverträge abgewickelt wird ist allumfassend.
    Es gibt kaum etwas, dass heutzutage nicht über entsprechende Kredite zu finanzieren wäre.  Seit Jahrzehnten hat die Branche mit Absatzproblemen zu kämpfen. Kein Wunder, wenn Massenarbeitslosigkeit und eine stetig sinkende Kaufkraft haben besonders in den USA zu solchen Problemen geführt. Da kann es nicht verwundern, wenn zur „künstlichen“ Kaufanreizschaffung jedes Jahr viele „neue Produkte“ der Banken- und Versicherungsindustrie auf dem Markt geworfen werden oder neue „Finanzierungsmodelle“ auch noch den „letzte Groschen“ locker machen sollen.
    Nur durch die Schaffung eines Konsumrausches „auf Pump“ konnte die gewaltige Geldumverteilung Zulasten der Normalbürger verdeckt werden.

    Der Druck auf Konzerne, mehr Profit erwirtschaften zu müssen (in der irrigen Annahme, dass dann irgendetwas besser wird), hat dazu geführt, das Kredit- und überhaupt Geldgeschäfte für sie zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden sind, die oft wichtiger scheint, als die Produkte oder deren Entwicklung selbst. Die “Schlüsselindustrien” wurden in den letzten Jahrzehnten quasi zu Kreditinstituten mit “angeschlossener Fertigung” um- oder ausgebaut. Ohne diese Kreditgeschäfte könnten viele Firmen kaum existieren. Es werden alle Industriebereiche, Immobilien und auch Nahrungsmittel heute über Kredite finanziert. Es ist für die Beteiligten ein Riesengeschäft und die Risiken trägt die Volkswirtschaft (wenn Arbeitsplätze in Gefahr sind). Die Kapitalismusgesellschaft der „Luftnummern“ mit ihrem “Schneeballsystem” funktioniert solange, wie ihre wackligen Kredite nicht platzen. Renditen von mehr als 25 Prozent lassen sich anders nicht mehr erreichen.

    Die Automobilindustrie hat vor vielen Jahrzehnten die kreditfinanzierte Anschaffung von Fahrzeugen als Chance entdeckt, um ihre Flotten loszuwerden. Die dazu gegründeten „Autobanken“ waren anfangs keine „richtigen“ Banken, denn sie durften nicht wie vollwertige Banken arbeiten. Das ist schon lange nicht mehr so, mittlerweile sind die Banksysteme soweit geöffnet worden, dass alle namhaften Konzerne nicht mehr ihre „Hausbank“ haben, sondern eine eigene besitzen.
    Infolge der zunehmenden Umweltprobleme ist diese Branche auch seit langem in der Kritik. Die Diskussion um Schadstoffe, Spritverbräuche, Verkehrsbelastung, Ölpreise oder die Verschuldung der Menschen ist in ihrer Entwicklung an einen Punkt angekommen, wo sich für viele Autohersteller die Grundsatzfrage stellt, wie ohne größere “eigene Kosten” ihre Produkte so verändert werden könnten, um künftig mit weniger Personal auszukommen, kleinere Fahrzeugflotten zu bauen und durch neue Entwicklungen Marktanteile zurück gewonnen werden können, die sie aus eigenen Mitteln nicht bestreiten wollen. Denn darum geht es, sie wollen das nicht selbst finanzieren.

    Die Kreditkrise wird den Anbieterbereich der Fahrzeugmarken bereinigen. Einige Automarken si
    nd seit Jahren am Rande ihrer Existenz, jetzt bietet sich die große Chance um sie los zu werden.
    Die Fahrzeugflotten der großen Hersteller sind mit großvolumigen Fahrzeugen überfrachtet. Neue, vor allem ökologisch sinnvollere Varianten, werden am Markt überteuert angeboten und sind (und waren in der Vergangenheit) deshalb für den Massenmarkt nicht attraktiv genug.

    Die Automobilkonzerne werden die „Finanzkrise“ dazu nutzen, um sich in einem schwieriger werdenden Markt neu aufzustellen. Produktionsstopps und Kurzarbeit, wie geht es weiter?
    Vermutlich sind die Autobauer erst der Gipfel eines schmelzenden Eisbergs, der jetzt bereits mitreißende Bäche erzeugt. Auch andere Industriebereiche stehen am Rande eines Strudels.
    Überall wo Unternehmen ihre Produkte oder ihre Firmen mit Krediten finanziert haben geht die Angst um, dass sich hinter den “scheinbar” erfolgreichen Geschäften ein “luftleerer Raum” befindet.

    Eines scheint derzeit aber sicher zu sein, wie so oft in der Geschichte der Kapitalgesellschaften werden die „Nicht Vermögenden“ die üble Suppe auslöffeln dürfen. Entweder weil der Staat ihre Steuern dazu nutzt, die „Buden“ vor dem AUS zu bewahren oder weil sie staatliche Bürgschaften erhalten. Am Ende wird das Geld wieder futsch sein und unsere Gesellschaft hat nichts davon.
    Weder hat sie Geld für die Erhaltung von Schulen und Infrastruktur, noch für ein ausgebautes Sozialsystem. Am Ende werden wir wieder ertragen dürfen, dass es weiteren Sozialabbau gibt, weil ja nun offensichtlich die Sozialsysteme nicht mehr finanzierbar sind.
    Warum lassen wir uns das gefallen und wählen wir dann wieder die gleichen Seilschaften?

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