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Typisch für Bundestagsabgeordnete – MDB 2.0
Von Jochen Hoff | 26.November 2008
Dass unsere Bundestagsabgeordneten, solange sie nicht fest an den Tropf der großen Lobbyisten angeschlossen wurden, bitterarme Menschen sind, ist bekannt. Die Armen leben ja praktitsch von Hartz IV und werden nur von der Fahrbereitschaft des Deutschen Bundestages am Leben gehalten, indem diese sie zu den Tafeln und Armenspeisungen der Stadt fährt.
So ist es leicht zu verstehen, dass sich die Bundestagsabgeordneten mit ihren monatlichen Bruttobezügen von 11.721 Euro natürlich kein eigenes Blog leisten können. Selbst fünf von den Komikern zusammen schaffen das nicht.
Arm zu sein, ist ja angeblich keine Schande und selig sind die geistig Armen. Wie geistig arm man sein muss um sich seinen Webauftritt vom Gebührenfernsehen Phoenix bezahlen zu lassen, mögen die Herrschaften für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall reichte es bei ihnen nicht so weit, sich gemeinsam einen der vielen Anbieter von freien, kostenlosen Blogs auszusuchen und sich dort zu präsentieren. Vermutlich wissen die Herrschaften gar nicht, das es ein Leben außerhalb des Dauersponserings gibt.
Vermutlich aber brauchen Andreas Scheuer (CDU/CSU), Carsten Schneider (SPD), Florian Toncar (FDP), Michael Leutert (DIE LINKE) und Nicole Maisch (Bündnis 90/Die Grünen) einen vom Gebührenzahler gestellten Redakteur. Ich bin auch der Meinung das so ein Redakteuer wie Gregor J. Mayer einfach jedem Blog kostenlos zur Verfügung gestellt werden sollte.
Seltsamerweise gehen andere Blogs völlig unverkrampft mit dieser Subvention um, ja sie beklagen nur bitterlich, dass ähnliche Projekte scheiterten, weil so ein Bundestagsabgeordneter nämlich eigentlich nicht nur einen Redakteur sondern auch mindestens drei Ghostwriter braucht. Nun ja, vermutlich kommt es darauf an wie weit man selbst sich mit dieser Quersubventionen abgefunden hat, oder teilweise sogar von ihnen profitiert.
Das was unter Projekt MdB 2.0 vom gebührenfinanzierten Sender Phoenix angeboten wird, ist unabhängig von seinen Inhalten, ein typisches Beispiel für die illegitimen Verknüpfungen zwischen Politik und öffentlich rechtlichen Medien, wie es leider tagtäglich überall auftaucht. Auch wenn der Wert der “Bestechung” formal gegen Null tendiert, ist es doch ein erstes Einbinden. Es ist ein Anfang.
Denn genau diese, wenn auch minimal bevorzugten Abgeordneten, werden darüber entscheiden, wieviel mehr Geld, von dem Bürger mit einem organisierten und durch nichts gerechtfertigten Überwachungsdruck durch die GEZ als Zwangsgebühr für etwas eingefordert wird, für etwas, was sicherlich nicht dem Bildungsauftrag entspricht. Wie der Subventionsempfänger von der FDP Florian Toncar mit seiner Pressemitteilung beweist, stehen ihm viele andere ebenso hoch subventionierte Veröffentlichungskanäle zur Verfügung.
Wenn man bedenkt, wie vielen Verfolgungen freie Blogger in Deutschland ausgesetzt sind, wenn sie nicht ausdrücklich staatsbejahend sind, zeichnet sich da schon ein düsteres Bild. Mag sein, dass einige schon deshalb jubeln um nicht in Gefahr von Repression zu kommen oder um einfach selbst mal wieder in der Systempresse erwähnt zu werden, auch wenn diese sich nicht mal den Namen richtig merken kann. Man muss mittlerweile auch unter Bloggern schon einige Vorsicht bei der Motivation walten lassen. Nicht alles was bloggt ist noch ein Blogger.
Wichtiger ist jedoch wie sich die Chefredaktion von Phoenix verhalten wird. Sie hat ja die Macht, durch die Anordnung von Themen, Beiträgen und Berichten, einzelne Politiker zu fördern oder zu bremsen. Wenn sie da noch weitere Abhängigkeiten schafft, stellt sich die Frage, warum dies gebührenfinanziert, innerhalb eines Zwangssystems geschehen muss. Wäre es da nicht besser man würde werbefinanziert, nur das an Politschranzen bringen, was die Lobbyisten bezahlen. Es wäre zumindest ehrlicher.
Aber Ehrlichkeit im Öffentlich Rechtlichen Bereich erwartet wohl niemand in Deutschland. Ach ja. Ein Linker ist natürlich auch dabei. Warum auch nicht.
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