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Was ist los mit dem Dollar?

Von Daniel Neun | 26.September 2008

Peer Steinbrück hält es für “höchstwahrscheinlich”, dass die USA ihren Status als Supermacht des Weltfinanzsystems verlieren werden. Harald Schumann meint, die Wall Street habe den Dollar verspielt. Der Kurs des US-Dollar bewegt sich jedoch trotz der vor gut einer Woche “plötzlich ausgebrochenen Finanzkrise” praktisch nur seitwärts. Auch heute bewegte sich der US-Dollar wie von Geisterhand gesteuert innerhalb eines Bandes von 68 bis 69 Euro-Cent.

Die Tagesschau “informiert” ihre Leser heute, dass führenden Notenbanken der Welt die Geldmärkte angesichts der Finanzkrise erneut mit Milliardensummen an Dollar geflutet haben. Allein die EZB in Frankfurt habe 35 Mrd US-Dollar von der US-Notenbank erhalten und nun bereitgestellt. Weiter erläutert die Tagesschau:

Liquidität in Dollar ist bei vielen Banken rund um den Globus begehrt, weil sie viele in Dollar notierte Wertpapiere halten, der Dollar als wichtige Leitwährung gilt und der kurzfristige Umtausch erhebliche Kosten verursachen würde.

Wir rekapitulieren die Erläuterung der Tagesschau: Wer in Dollar notierte Wertpapiere hält, der braucht dazu angesichts der Finanzkrise ganz viele zusätzliche US-Dollar und deshalb hilft die EZB nun mit Dollars aus. Alles verstanden?

So als naiver Wirtschaftslaie wie Steinbrück und Schumann hätte man vermutlich eher das Gegenteil erwartet, nämlich dass angesichts der Finanzkrise alle möglichen Leute ihre in Dollar notierten Wertpapiere verkaufen, die Märkte dadurch mit Dollar fluten und der Dollar beispielsweise gegenüber dem Euro an Wert verliert. Wenn der Dollar trotzdem nicht fällt, dann sieht das eher so aus, als würde da irgendjemand – zum Beispiel die EZB – ganz viele Dollars kaufen, um den Kurs zu stützen.

Das würde dann bedeuten, dass die EZB in großem Stil gutes Geld, für das man auch in Zukunft noch Waren kaufen kann, gegen vermutlich bald schon ziemlich wertlose Papierschnipsel mit den Köpfen toter US-Präsidenten eintauscht. Wenn Europa seine Waren gegen wertlose Bilder von toten Präsidenten eintauscht, dann ist das gut für die Wall Street und schlecht für die Bürger Europas.

Aber das kann natürlich nicht sein, denn da käme glatt der Verdacht auf, entscheidende Banker der EZB wären genauso US-Marionetten wie das manch einer vom französischen Zar Kotzi annimmt. Aber, so what, hoch lebe der American way of life! (Quelle: Mein Parteibuch)

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