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Wo kein Kriech is, da wird auch nich jefallen
Von Daniel Neun | 8.September 2008
Das ist doch kein Krieg da in Afghanistan. Da hat der Jung doch recht. Da muss er einfach recht haben der Jung. Denn wenn das da ein Krieg ist, dann ist es ein Angriffskrieg. In Afghanistan haben die Deutschen nämlich nichts zu verteidigen und einen Angriffskrieg aber darf man in Deutschland noch nicht einmal vorbereiten:
§ 80
Vorbereitung eines Angriffskrieges
Wer einen Angriffskrieg (Artikel 26 Abs. 1 des Grundgesetzes), an dem die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sein soll, vorbereitet und dadurch die Gefahr eines Krieges für die Bundesrepublik Deutschland herbeiführt, wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe oder mit Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren bestraft.
Deshalb dürfen Sätze wie des Bundeswehrverbandschef Gertz nicht fallen.
Wir befinden uns in einem Krieg gegen einen zu allem entschlossenen, fanatischen Gegner.
Dieser Hauptfeldwebel ist für die Bundesrepublik Deutschland gefallen
Natürlich hat Gertz aus seiner Sicht vollständig recht. Deutschland führt in Afghanistan einen verbotenen Angriffskrieg gegen die afghanische Zivilbevölkerung, der als Kampfziel nur einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat für Deutschland hatte. Aber selbst das, haben Schröder und Fischer nicht hinbekommen. Es ist also ein nutzloser Krieg der in Wirklichkeit auch kein echtes UN-Mandat hat oder hatte.
All das ist bekannt und die Schuldigen, die sich der Planung und der Führung eines Angriffskrieges schuldig gemacht haben, müssten abgeurteilt und und in den Knast gebracht werden. Aber nicht in Deutschland. In dem Land wo jeder Ladendieb mit der vollen Härte des Gesetzes rechnen muss, sind die hohen Damen und Herren der Politik und der Wirtschaft von jeder rechtlichen Verfolgung ausgenommen.
Schröder, Struck, Steinmeier, Müntefering, Fischer, Trittin, und all die anderen Brandstifter gehen straflos aus und fordern wie Trittin auch noch weiteres sinnloses Morden. Sie brauchen auch gar keine Angst zu haben. Sie haben nämlich keine Ankläger zu befürchten. Die nutzlose Generalbundesanwaltschaft hat längst entschieden, nichts zu tun und das auch noch in ihrer typischen Art und Weise perfide und trickreich begründet.
Nur die Vorbereitung eines Angriffskrieges ist nach deutschem Recht strafbar, nicht allerdings das Führen des Angriffskrieges selber. Diese Rechtsauffassung vertritt der Generalbundesanwalt in seiner Antwort auf eine Strafanzeige von Friedensorganisationen gegen den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und andere Politiker. Weil der Angriffskrieg selbst nicht strafbar sei, sei auch “die Beteiligung an einem von anderen vorbereiteten Angriffskrieg nicht strafbar”, heißt es in dem ngo-online vorliegenden Schreiben. Die Friedensorganisationen bezeichneten die Entscheidung als “hanebüchene Rechtsauffassung”. Die Bundesanwaltschaft begebe sich in offenen Gegensatz zum Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Gehorsamsverweigerung eines Bundeswehr-Majors im Juni 2005. Das Gericht hatte damals festgestellt, dass schwere völkerrechtswidrige Bedenken gegen den Irak-Krieg und die Unterstützung desselben durch die Bundesregierung bestehen.
Das ist so typisch für die Bundesstaatsanwaltschaft, die im Grunde ja nur eine politische Staatsanwaltschaft ist, die sich auch ansonsten nur als höchster Arm der politischen Polizei sieht und sich dem Recht in keiner Weise verpflichtet fühlt. Sie hätten vermutlich auch gerne noch Sondergerichte und haben das zumindest bei einigen Prozessen auch politisch durchgedrückt.
Diese Situation ist bedauerlich, aber in Deutschland nicht mehr zu ändern, ohne die Bundesanwaltschaft, so wie sie ist, komplett aufzulösen und bis zum Haushandwerker, neu zu besetzen. In Deutschland nicht denkbar, weil die Bundesanwaltschaft ja auch das Schwert der Regierung und der hinter dieser stehenden Neoliberalen und des Großkapitals ist.
Was allerdings noch hinterfragt werden kann, ist das Bild das Bundeswehrverbandschef Gertz in unsere Köpfe prägen will, wenn er von gefallenen Soldaten spricht.
Der Begriff ist ein alter Euphemismus und suggeriert, dass der Soldat aufrecht (heldenhaft) kämpft und sterbend (erst) zu Boden „fällt“. Ein paralleler älterer Ausdruck dafür ist „bleiben“ (z.B.: „NN blieb in Flandern“). Auch die Deutsche Marine spricht von den „auf See gebliebenen Kameraden“.
Ältere kennen auch den Ausdruck gefallene Mädchen, für jene Damen die aus Spaß an der Lust, oder aus Freude am Geld etwas williger waren und somit aus dem Stand der Ehre und der Verweigerung fielen. So wie dieses Gefallen sein völliger Blödsinn ist, ist es auch Blödsinn den Tod eines Soldaten als gefallen zu bezeichnen. Besonders dann wenn der Betroffene in einem Auto saß, das für den Einsatzzweck, einfach nur zu leicht gepanzert war.
Der 29-jährige Hauptfeldwebel der Fallschirmjägerbrigade 263 aus Zweibrücken hatte im Führungsfahrzeug eines aus acht Autos bestehenden Konvois gesessen. Nach Durchqueren einer Furt im Kundus-Fluss, sechs Kilometer südlich des deutschen Feldlagers in der nordafghanischen Stadt, fuhr der leicht gepanzerte Geländewagen in die Sprengfalle. Sie wurde laut Jung per Draht ausgelöst.
Der Hauptfeldwebel wurde so schwer verwundet, dass er kurz darauf starb, obwohl ein Arzttrupp im Konvoi sofort Hilfe leistete. Drei Soldaten wurden nicht lebensgefährlich verletzt und ins Lazarett nach Masar-i-Scharif geflogen.
Das einzig positive an seinem Tod ist, dass der bereits kurz nach seiner Verwundung eintrat. Das ist ja längst nicht immer so. Die Menschen die nicht einmal das Schlachten von Tieren ertragen können, reden von den Gefallenen auf den Schlachtfeldern des Krieges.
Im Krieg fällt niemand, da wird jemand dahingeschlachtet, ermordert, auf grausamste Art und Weise verletzt. Aber da wird wirklich nicht gefallen. Die meisten sterben mit der Nase im Dreck, röchelnd, schreiend, nach ihren Müttern rufend. Sterben hat nichts mit Heldentum zu tun. Vor allem nicht das Sterben im Krieg. Für die us-amerikanischen Bomber ist töten so etwas wie ein Videospiel. Sie steuern ihre Bomben ins Ziel. In Menschen.
Dabei ist es egal ob die Ziele Zivilisten oder Soldaten sind. Hauptsache das Ziel wird getroffen. Ohne Sinn und ohne Verstand. Das gleiche bei den weitreichenden Geschützen. Die schießen in Wellen und decken einfach ein großes Gebiet ab. Oft mit Splitterbobmen. Da stirbt sich langsam und grauenhaft. Es ist erstaunlich, wie weit Menschen noch kriechen können, die ihre Gedärme aus dem offen Bauch verlieren.
Da fällt überhaupt nichts in so einem Krieg. Da wird verstümmelt und zerfetzt. Grausam. Es gibt im Krieg kein Heldentum. Ein Held ist, wer einen Krieg unmöglich macht. Nicht wer ihn führt. Die Soldaten sind meist nur Opfer. Schlachtopfer der Herrschenden. Die Herrschenden selbst sind natürlich nicht im Krieg. Peter Struck, für den die Soldaten in Afghanistan, die Freiheit der internationalen Drogenhändler verteidigen sollte, war nur mal besuchsweise dort.
Die tatsächlichen Auftraggeber aus Großkapital, wirtschaftsfaschistische Neoliberalen und Kriegsindustrie bringen derweil die Gewinne, in die Schweiz oder anderswo, vor der Steuer in Sicherheit. Das sind die Leute die von Ehre in einem ehrlosen Krieg erzählen. Die brauchen Worte wie gefallen, weil sie gemeuchelt, zerfetzt, zerrissen und verblutet nicht ertragen.
Es sind die gleichen die so gerne Orden vergeben wie der Jung mit seinem bescheuerten “Eisernen Kreuz” und dann auch noch für die Volkstrauertage “Ehrenmale” erichten lassen.
Sicher gibt es bald auch wieder Kriegervereine und jedes Kaff bekommt sein eigenes Ehrenmal mit einer Tafel auf der dann steht: “Auf dem Felde der Ehre gefallen“. Da können dann die Söhne der Väter, an rauhen Tagen im November hingehen und irgendein Trompeter trompetet dann von einem Kameraden.
Ich hatt’ einen Kameraden,
Einen bessern findst du nit.
Die Trommel schlug zum Streite,
Er ging an meiner Seite
In gleichem Schritt und Tritt.Eine Kugel kam geflogen,
Gilt’s mir oder gilt es dir?
Ihn hat es weggerissen,
Er liegt mir vor den Füßen,
Als wär’s ein Stück von mir.Will mir die Hand noch reichen,
Derweil ich eben lad.
Kann dir die Hand nicht geben,
Bleib du im ew’gen Leben
Mein guter Kamerad!Ludwig Uhland 1809
Uhland schrieb dieses Gedicht als schwärmerischer Student und er schrieb über etwas, dass er nicht kannte und dessen Grauen er sich nicht vorstellen konnte. Ein Blinder der von der Farbe der Milch predigte und sich damit zum Handlanger von Mördern machte, die Generationen von Deutschen und den vielen Völkern in der Welt unsäglichen Schmerz bereiteten.
Aber natürlich sind nicht die Soldaten die Mörder. Sie sind Opfer. Ihnen gehört das Mitleid der Menschen und ihren Angehörigen. Doe Mörder sitzen in der Etappe. Fressen saufen und huren, ohne Sinn und Verstand. Sie sitzen in Ministerien und freuen sich, dass sie über Leben und Tod entscheiden, oder sitzen einfach am Computer und freuen sich über den Reichtum, den ihnen das Morden einbringt.
Ein Volk braucht eine Arme um sich zu verteidigen. Die deutsche Bundeswehr wurde zu einer Angriffsarmee umgeformt, ohne ihr auch nur im mindesten die Ausstattung für solche Einsätze zu geben, oder sie für die Einsätze wirklich zu schulen. Soldaten sind eben nur billiges Kanonenfutter.
Es ist eine Haltung. Man nennt sie Neoliberalismus. Entweder ist jemand als Konsument oder Arbeiter wichtig, oder er ist überflüssig. Da es keine Raubtiere gibt die Menschen reißen, müssen die Menschen einander zum Raubtier werden. Der Homo Lupus, der den Menschen ein Wolf sein soll. Nicht weil er Spaß am morden hätte, sondern weil die Neoliberalen und die Reichen nicht mit anderen Teilen wollen.
Es geht um Verdrängung durch Tod im Krieg. Da ist dann auch jede Rhetorik recht, wie der Kriegsminister Jung zeigt:
“Der feige, hinterhältige Anschlag darf uns aber nicht von unserem Auftrag abhalten, in Afghanistan Stabilität und friedliche Entwicklung herzustellen”, sagte er.
Mann muss diese Äußerung auf der Zunge zergehen lassen um ihre Ungeheuerlichkeit wirklich zu begreifen. Die USA haben ohne irgendeinen vernünftigen Grund Afghanistan überfallen und die gierigen Deutschen unter Schröder, Struck und Fischer sind mitmarschiert. Es möge bitte keiner mit 9/11 und dem Worldtradecenter kommen.
Bis heute gibt es beim FBI nicht einmal einen Fahnungsaufruf gegen Bin Laden oder Mullah Omar wegen dieser Geschichte. Es wird auch nicht behauptet, das die angeblichen Attentäter in Afghanistan das Fliegen lernten. Ob die angeblichen Ausbildungscamps der Al Qaida in Afghanistan oder in Pakistan lagen kann keiner so genau sagen. Es gibt da nämlich ein großes Gebiet das praktisch Niemandsland ist.
Die deutschen Aufklärungstornados fliegen also in einem durch USA und ihre Verbündeten besetztem Land und nach deren Flügen kommen US-amerikanische Bomber und zerlegen vorzugsweise Hochzeitsgesellschaften oder andere große Familienfeste, weil sie ihren eigentlichen Gegner gar nicht finden. Dabei werden Taliban, Al Qaida und alle möglichen anderen Parteien einfach in einen großen Topf geworfen und zu Opfern gemacht.
Noch nie hat jemand einen Grund dafür genannt, dass es einen Krieg gegen die Taliban gibt. Ein solcher wurde auch von der UNO nicht abgesegnet. Bis heute hat niemand auch nur einen Al Qaida Mann in Afghanistan gesehen und festgenommen. Viele angebliche Al Qaida Leute wurden allerdings in Pakistan festgenommen. Aber Pakistan hat die Bombe, da konnte die USA schlecht angreifen.
Afghanistan ist ein Land in einem mehr als hundertjährigen Krieg. Engländer, Stammeskriege, Russen, Stammeskrieg und nun die Amerikaner und ihre Helfer. Gegen die imperiale Macht dieser Erde gegen die USA und ihre Mitverbrecher haben die Afghanen keine Chance. Da gibt es keine Feldschlacht. Da kann es nur Partisanenkrieg geben.
Selbst einen Partisanenkampf können die US-Amerikaner mit ihren technischen Mitteln in Ländern wie dem Irak verhindern. Aber wie schon im Urwald Vietnams, in Laos und Kambodscha funktioniert das nicht in bergigen oder dicht bewaldeten Gebieten. Deshalb die USA ja in Vietnam das ganze Land mit Agent Orange und anderen Giften besprüht um das Laub von den Bäumen zu bekommen.
Da gingen die Vietcong einfach in den Untergrund und gruben sich ein. In Afghanistan gibt es wunderbare Höhlen mit kilometerlangen Gängen, winzige Trampepfade auf den Bergen mit tausenden von Verstecken. Die Engländer und auch die Russen waren den Afghanen haushoch überlegen. Aber es hat ihnen nichts genützt. Die Feldschlacht in der gefallen wird, gibt es in Afghanistan nicht. Es hat sie nie gegeben.
Es ist ein Partisanenkrieg, der hoffnungslos Unterlegenen gegen einen übermächtigen Gegner, der scheinbar alle Vorteile auf seiner Seite hat. Deshalb gibt es Sprengfallen, Minen, und natürlich Bombenattentate. Das ist nicht gemein oder hinterhältig sondern einfach Krieg. Es wird vielleicht zwanzig oder vierzig Jahre dauern, aber am Ende werden die Afghanen gewinnen. Jeder ermordete Zivilist, jede tote Frau, jedes tote Kind hat Verwandte die dann in die Berge gehen, wenn sie es nicht mehr ertragen.
So haben die Engländer und Russen ihre Gegner in Afghanistan selbst herangezogen und die USA macht es eben so, während die dummen Deutschen treudoof mitlatschen. Da ist es erbärmlich wenn Jung von Feigheit und Hinterhältigkeit spricht. Hätten die deutschen Politiker und ihre Auftraggeber nicht feige und ehrlos ein kleines Land angegriffen, gäbe es keinen Hinterhalt.
Jung tut nämlich nichts für eine Stabilisierung und friedliche Entwicklung Afghanistans. Er lässt Zivilisten ermorden und er opfert dafür gerne deutsche Soldaten, in einem Angriffskrieg für dessen weitere Planung und Durchführung er zuständig ist. Jung, Struck und die gesamte deutsche Politik und ihre Hintermänner planen permanent an diesem Angriffskrieg und an weiteren. Sie werden nur nicht verfolgt.
Das sie nicht verfolgt werden, zeigt lediglich, dass Deutschland kein Rechtsstaat ist und sich auf direktem Weg über eine Parteiendiktatur in eine wirtschaftsfaschistische Diktatur der Neoliberalen und ihrer Auftraggeber befindet. Bei dieser Betrachtung der Dinge ist der Zeitpunkt sehr nahe, wenn nicht sogar schon überschritten, wo Widerstand zur Pflicht wird.
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