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Flottenmanöver "in der Nähe der US-amerikanischen Küste"
Von Daniel Neun | 7.September 2008
Bedrohliches passiert offenbar gerade in der Karibik. Die Tagesschau weiß über das geplante Flottenmanöver von Venezuela und Russland in den Hoheitsgewässern von Venezuela genau Bescheid und informiert heute ihre Leser über die Bedrohung der USA durch die russische Marine wie folgt:
“Das Flottenmanöver in der Nähe der US-amerikanischen Küste könnte die angespannten Beziehungen zwischen Russland und den USA weiter verschlechtern.”
Die Hoheitsgewässer von Venezuela liegen also – die transatlantische Märchenschau informiert – in der Nähe der US-amerikanischen Küste.
Zweifelhaft ist dabei, welche Landkarte die Redaktion des journalistischen Leuchtturmes im deutschsprachigen Internet für ihre gewohnt gründliche Recherche verwendet.
Auf der Landkarte von Mittelamerika, die Wikipedia verwendet, sieht es so aus, als sei Venezuela ganz schön weit weg von der Küste der USA und als lägen zwischen den Hoheitsgewässern von Venezuela und der Küste der USA mehrere kleine und größere souveräne Inselstaaten, so zum Beispiel Kuba, Haiti, die Dominikanische Republik und Jamaika. Die Webseite Mapcrow, die die Redaktion der Tagesschau vermutlich nicht genutzt hat, ist der Meinung, die Entfernung zwischen Caracas und Miami betrage 2152 km, sei also etwa so groß wie die Entfernung zwischen Islands Hauptstadt Reykjavik und der Tagesschau-Redaktion in Hamburg. Das entspricht sicher nicht der Entfernung zwischen den Hoheitsgewässern Venezuelas und der Küste der USA, aber unter Abzug einiger Hundert Kilometer für die vorgelagerten Dependencias Federales zeigt das die Größenordnung der Entfernung zwischen den USA und Venezuela auf.
Weiterhin informiert die Tagesschau ihre Leser, dass das Flaggschiff der im Mittelmeer stationierten 6. US-Flotte gerade Hilfsgüter nach Poti gebracht habe, Russland jedoch argwöhnt, dass die US-Marine auch Waffen als Hilfsgüter getarnt nach Georgien bringen könne. Dass Poti einem Map Generator im Internet zufolge nur 223 km von der russichen Hafenstadt Sochi entfernt liegt und in der Nähe von Poti die mit US-Hilfe ausgerüstete georgische Militärbasis bei Senaki liegt, erwähnt die Tagesschau genausowenig, wie dass Georgien gerade mit US-Unterstützung einen Angriffskrieg gegen Russland geführt hat.
Nicht erwähnt wird auch, dass das US-geführte Militärbündnis NATO im schwarzen Meer – übrigens nicht nur mit Beteiligung der US-Marine, sondern auch mit deutscher Beteiligung – ganz selbstverständlich Flottenmanöver durchführt. Die Landkarte vom schwarzen Meer, die Wikipedia verwendet, zeigt, dass das schwarze Meer recht klein ist. Von der russischen Hafenstadt Sochi im Osten bis nach Istanbul im Westen sind es Mapcrow zufolge gerade mal 929 km. Nach dem Tagesschau Maßstab liegt aber nicht nur das ganze schwarze Meer einschließlich Istanbul in der Nähe der russischen Schwarzmeerküste, sondern auch Athen, das einer Internetquelle zufolge gerade mal 1500km entfernt von Sochi liegen soll, befindet sich nach dem Tagesschau-Maßstab klar in der Nähe der russischen Küste. Bei Seemanövern der NATO vor der griechischen Hauptstadt Athen muss man zukünftig – der gebührenfinanzierte journalistische Leuchtturm Tagesschau.de ist schließlich Leitmedium – darauf hinweisen, dass diese in der Nähe der russischen Küste stattfinden.
Nun kann man sich angesichts des offensichtlichen Unfugs, den die Tagesschau verbreitet, natürlich fragen, welche Landkarten die Leuchtturm-Redaktion der Tagesschau verwendet. Schnell wird man da fündig. Das kaum noch kaschierte pro-amerikanische Propaganda-Outlet Spiegel-Online schrieb heute:
Die Anwesenheit der US-Navy im Schwarzen Meer provoziert Moskau. Jetzt folgt die Antwort: Russland will gemeinsam mit Venezuela ein Seemanöver abhalten – in der Nähe der USA.
Die “Nähe der USA” ist dabei offenbar eine Erfindung von Spiegel-Online, denn die dem Propaganda-Märchen zugrundeliegende dpa-Meldung sprach übrigens noch nicht von einer Nähe zur USA. Davon, dass die USA Südamerika mit der kürzlich wieder in Dienst gestellte vierten Flotte bedroht, und dass insbesondere in Venezuela aufgrund der von den USA unterstützten Versuche, dort die demokratisch gewählte Regierung mit Gewalt zu stürzen, die Befürchtung eines neuen US-amerikanischen Angriffskrieges nicht ganz von der Hand zu weisen ist, schreibt Spiegel Online nichts. Natürlich schreibt unter diesen Umständen auch die Tagesschau nichts dazu.
Damit ist auch die Landkarte der Tagesschau verständlich. Der Effekt, wie das geplante Flottenmanöver in den Hoheitsgewässern von Venezuela auf der Landkarte des journalistischen Leuchtturms Tagesschau in die Nähe der US-amerikanischen Küste kam, mag manchem aus dem lustigen Kinderspiel “Stille Post” bekannt vorkommen.
Mein Parteibuch gratuliert der “Generation Doof” zur erneuten Tiefstleistung im Fach Propaganda. (Quelle: Mein Parteibuch)
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