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Springer, Köhler und Axel Möller vom Störtebeker-Netz – Brüder im Kampf um Tapferkeitsorden
Von Daniel Neun | 10.August 2008
Da wächst zusammen, was zusammen gehört. Springer meldet an allen Fronten, dass Hotte Köhler schon ganz feucht im Schritt ist und darauf wartet, endlich das neue Eiserne Kreuz als Tapferkeitsorden herausgeben zu können. Dummerweise hat bisher wieder einmal der der Erbauer der Gedächtnisbaracke versagt und den Antrag für den Tapferkeitsorden mit Eichenlaub nicht eingereicht.
Immer wieder dieser Jung. Aber diesmal ist er entschuldigt, er muss ja an der deutschen Beteiligung im Krieg gegen Russland und den Iran arbeiten. Das ist für ihn besonders schwer, da er ja nicht sehr flexibel ist und die US-Amerikanern ständig neue Wünsche melden, denen er auf Befehl der Außenkanzlerin Angela Merkel, sofort gehorchen soll. Schließlich will die Merkel auch vom nächsten Präsidenten wie ein Hund gekrault werden. Brav Angela, brav.
Das Springer danach lechzt, “Großdeutsche Zeiten” zurück zu holen ist schon seit langem klar. Jeder Krieg ist gut für Friede Springer. Zum einen weil die Leute dann nach Nachrichten gieren und Zeitungen kaufen, zum anderen weil dann nicht auffällt, wenn sie wieder einmal versucht, sich auf Kosten anderer schamlos zu bereichern, wie bei der PIN AG. Deshalb ist die Haltung der Springerpresse klar positiv.
Warten im Bundespräsidialamt: Horst Köhler würde den Weg für das neue “Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit” wohl umgehend frei machen. Aber bis gestern fehlte der förmliche Antrag aus dem Bundesverteidigungsministerium samt der Zustimmung von Ressortchef Franz Josef Jung sowie Innenminister Wolfgang Schäuble (beide CDU).
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Der neue Orden, der in der “Bild”-Zeitung gestern gezeigt wurde, ist die erste Tapferkeitsauszeichnung in der 1955 gegründeten Bundeswehr. 1980 wurde ein Ehrenzeichen eingeführt, das als Ehrenmedaille sowie als Ehrenkreuz in Gold, Silber und Bronze verliehen wird. Diese vier Stufen des Ehrenzeichens können sowohl durch das Erreichen bestimmter Mindestdienstzeiten als auch durch “hervorragende Einzeltaten”, etwa eine Lebensrettung, erworben werden. Bislang wurde das Ehrenzeichen 214 500 mal verliehen. Der Tapferkeitsorden als nunmehr fünfte Stufe des Ehrenzeichens entspricht in seiner Form und Gestaltung dem Ehrenkreuz, trägt aber zusätzlich das Eichenlaub auf dem Band.
Da läuft Hotte Köhler nun also Trittspuren ins Parkett vom Schloss Bellevue, während er darauf wartet endlich einen Orden genehmigen zu können, den sie den Angehörigen toter Soldaten dann per Post zuschicken.
Das eiserne Kreuz. Das sieht in der Zeitung dann auch gleich viel besser aus wenn da steht:
In stolzer Trauer
geben wir den Tod unseres
geliebten Sohnes, Bruders und FreundesTräger des eisernen Kreuzes 4. Klasse
Erwin Kuwalke*1.06.1999 +1.02.2008
bekannt.
Niemand muss ja wissen, das dieses Kreuz aus billigstem Blech war und in einem billigen Plastiketui lag. Es wurde posthum verliehen, was nichts anderes bedeutet als dass es der Briefträger mit einem Formschreiben ohne Unterschrift brachte.
Warum Erwin Kuwalke das eiserne Kreuz bekam. Vielleicht weil der die Nacht über im Schützengraben so ruhig gestorben ist. Er hat nur ein paar Mal gestöhnt. Medikamente und Verbandsmittel waren mal wieder keine da. Vermutlich hatte die Bertelsmanntochter VAW-Arvato gerade keinen billigen Transport für Medikamente und Verbandsmittel gefunden. Aber wenigstens gab es in dieser Woche Munition. Vielleicht war aber einfach nur die Ration schon verbraucht.
Sicher man hätte Erwin Kuwalke retten können. Aber wozu. Keine Beine nur noch Oberschenkel. Der hätte sich in Deutschland doch nur den Bettelsack nehmen können. So darf man nicht nach Hause kommen. Einige haben dann ja auch selbst Schluss gemacht. Bei anderen halfen die Sanitäter. Erwin Kuwalke starb ganz ruhig. In der gleichen Nacht ist auch Fritz Kuhn gestorben. Nein nicht verwandt mit dem Bundestagsabgeordneten. Deren Verwandte sind nicht hier. Die sind zu Hause oder in der Etappe.
Fritz Kuhn lag zwischen den Linien. Er wurde um 21 Uhr 15 getroffen und hat bis 5 Uhr 03 geschrien. Dann hat ihn ein Scharfschütze der anderen Seite erlösen können. Von der deutschen Seite aus gab es ja kein Schussfeld und in der Nacht konnten auch die anderen nichts tun, weil das Licht fehlte. So hat er geheult, gejammert und geschrien. Die ganze Nacht lang. Er wollte zu seiner Mutter. Der bekommt bestimmt kein eisernes Kreuz.
Aber es gibt das Kreuz ja nicht nur für die Dummen von der Front. Nein auch für die Bundeswehrlieferanten, für die Ärzte die Kriegsverwendungsfähig schreien, bevor sie den Soldaten gesehen haben, für die Politiker die immer neue Kriegssschauplätze finden und natürlich für die Herren Offiziere. Da gibt das eiserne Kreuz sogar in Gold und in Platin.
Nun nennen sie es eben nicht Eisernes Kreuz, die Kurve haben sie gerade noch gekriegt. Selbst Jung und Köhler war das wohl zu offensichtlich nah an den Nazis, auch wenn es Prof. Michael Wolffsohn doch so gerne gehabt hätte, obwohl es auch für Judenmord vergeben wurde.
In der Diskussion um die Wiedereinführung des Eisernen Kreuzes als Verdienstorden für die Bundeswehr meldet sich der Historiker Dieter Pohl vom Münchner Institut für Zeitgeschichte zu Wort. Er berichtet von neu ausgewerteten Akten, die belegen, dass dieser Orden auch an Verantwortliche für Holocaust-Massaker verliehen wurden.
Die begehrte Auszeichnung erhielten demnach unter anderem die SS-Offiziere Rudolf Lange (verantwortlich für den Mord an 60 000 Juden) und Friedrich Jeckeln, der zahllose Mordaktionen in der Ukraine und im Baltikum organisierte, darunter das berüchtigte Massaker von Babij Jar bei Kiew.
Auch Jürgen Stroop, der Vernichter des Warschauer Ghettos, wurde für seine Tat mit dem Tapferkeitsorden geehrt. Vom Mythos des Eisernen Kreuzes, schreibt Dieter Pohl, sei in Vernichtungskrieg und Holocaust wenig übrig geblieben. Das Eiserne Kreuz habe in den fünfziger Jahren nur deswegen wieder salonfähig werden können, weil diese Verbrechen nach 1945 verdrängt und vertuscht wurden.
Das macht es auch so verständlich, das neben Springer und Köhler auch die Jungs und Mädels vom Störtebeker-Netz so richtig begeistert sind und mögliche Gegner gleich hart angehen.
Um die Tapferkeitsauszeichnung gab es in den vergangenen Monaten heftige Diskussionen. Die ursprüngliche Vorlage desselben, sei dem Eisernen Kreuz verdächtig nahe gekommen. Grund genug, Angelika Beer, ihres Zeichens sicherheitspolitische Sprecherin im EU-Parlament, in das Horn der Entrüstung zu blasen. Ihrer Ansicht nach wird das Eiserne Kreuz im Ausland –verständlicherweise- nicht als „Ehrung für die Deserteure im Zweiten Weltkrieg“ verstanden. Wäre ja auch noch schöner, wenn es für Feigheit auch noch einen militärischen Orden geben würde.
Das ist wohl die Art von Zustimmung auf die Horst Köhler sich schon lange gefreut hat. Für Springer ist das nichts ungewöhnliches, zielt der Verlag doch mit seiner Bild Zeitung genau auf diese Art von Klientel und bedient deren Ressentiments so gut es eben geht, ohne den Staatsanwalt anzulocken.
Natürlich lässt sich auch nichts mehr ändern. Köhler würde alles mögliche annehmen, aber sicher keine Vernunft. Die Außenkanzlerin Merkel wird fragen ob sie auch einen Orden bekommt und fairerweise sollte sie den ersten bekommen. Opfert sie, zusammen mit Struck, Steinmeier und Jung, doch so leidenschaftlich gern die deutsche Jugend für amerikanische Interessen. Hauptsache sie wird gekrault. Nein. Es ist kein Widerspruch mehr möglich. Es ist nur noch Chronistenpflicht zu berichten, wie die Dinge vor die Wand gefahren werden.
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