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Offener Brief der Bandbreite an die WAZ
Von Daniel Neun | 6.August 2008
Wenn Zlatan Alihodzic einen Text schreibt, so ist das normalerweise sicherlich kein Grund, zu dem Geschreibsel irgendwie Stellung zu nehmen.
Da die WAZ in Duisburg jedoch soeben einen Text, mit dem Zlatan Alihodzic versucht hat, die Band “Die Bandbreite” zu dissen, publiziert hat, hat die Bandbreite sich die Mühe gemacht, auf den substanzlosen Text zu antworten.
Der Sänger der Bandbreite, Wojna, hat also dazu mal eben ein Video (Teil 1, Teil 2) bei Youtube hochgeladen und, da mit dem substanzlosen Text offenbar mal wieder versucht wurde, die Band um Auftrittsmöglichkeiten zu bringen, nur weil sie offensichtlichen Stuss nicht glauben und noch ein paar Fragen dazu haben, was die westlichen Regierungen ihren Bevölkerungen als Wahrheit zu 9/11 und Rechtfertigung für die zuvor geplanten darauffolgenden Kriege auftischen, auch noch einen offenen Brief an die WAZ dazugelegt:
Stellungnahme zum Artikel “Von rinks nach lechts”, WAZ Duisburg, 1. August 2008
Offener Brief an die Geschäftsleitung und Redaktion der WAZ-Duisburg
Duisburg, der 2. August 2008Sehr geehrte Damen und Herren,
als Sänger der Duisburger Band “Die Bandbreite” möchte ich Bezug nehmen auf den Artikel “Von rinks nach lechts” von Zlatan Alihodzic, der am 1. August 2008 in der Lokalausgabe der Duisburger WAZ erschienen ist.
Meine Band “Die Bandbreite” ist eine Politipop-Band, die in ihren Texten stets versucht,
gesellschaftliche und politische Missstände aufzuzeigen und in das Bewusstsein der Menschen zu tragen. Mit unserer Band haben wir zahlreiche Auftritte in In- und Ausland bestritten und uns dabei auf politischen Veranstaltungen, Friedensdemonstrationen, Anti-Nazi-Demos und Gewerkschaftsveranstaltungen einen Namen gemacht. Wir fühlen uns der politischen Linken zugehörig und erfahren aus diesem Lager stets Bestätigung und Zuspruch.Um so mehr verwundert mich, dass Herr Alihodzic in seinem Artikel in der WAZ bereits in der Überschrift versucht, uns in die rechte Ecke zu stellen. Der Satz “Einige Texte von Sänger Marcel Wojnarowicz finden auch bei Neonazis großen Anklang” ist in Sachen Polemik kaum noch zu übertreffen. Finden nicht auch Texte von “Die Ärzte” oder “Ton Steine Scherben” Anklang bei den Rechten? Sind das seit neuestem jetzt Nazi-Bands?
Neonazis nehmen sich mittlerweile auch Themen wie Arbeitslosigkeit oder Globalisierung an. Heißt das für ihren Autor dann automatisch, dass jeder, der sich mit solchen Dingen auseinandersetzt ein Nazi ist oder einer rechten Ideologie anhängt?
Nicht einmal die WAZ ist dagegen gefeit, dass Nazis Texte aus ihrer Zeitung für gut befinden. Trotzdem würde ihnen deshalb niemand eine Nähe zur rechten Szene unterstellen. Warum aber tut ihr Redakteur genau das mit uns? Für diese nicht einmal subtile Unterstellung schuldet Herr Alihodzic uns eine Entschuldigung.
Wegen Liedtexten wie “Kein Sex mit Nazis” laufen wir Gefahr, von Rechtsradikalen mit körperlicher Gewalt bedroht zu werden. Um so abstruser erscheint es mir, dass Herr Alihodzic ausgerechnet diesen Songtext heranzieht, um verbal auf uns einzudreschen.
Als Redakteur für “junge Kultur” übersieht er hier zudem, dass unsere Lieder – und Kunst im Allgemeinen – nicht immer für bare Münze zu nehmen sind. Oftmals versteckt sich in den Songs eine weitere Interpretationsebene oder gar Ironie, so dass wir uns nur an den Kopf fassen können, wenn Herr Alihodzic mutmaßt, wir würden in diesem Lied ernsthaft Adolf Hitlers unerfüllte “homoerotische Neigungen” als “Ursache für sein Handeln” ansehen. Vielleicht sollten Sie Herrn Alidhodzic einmal auf ein Seminar schicken, wo ihm die Bedeutung von Kunst näher gebracht wird. Als Redakteur für den Kulturbereich ist solches Basiswissen nämlich unabdingbar.
Mir graut es schon jetzt davor, sollte Herr Alidhodzic einmal gezwungen sein, die Hitler-Parodie in der Fernsehsendung “Switch” kommentieren zu müssen. Und zu welchen Erkenntnissen über die Künstler mag er kommen, wenn er sich den Song “Männer sind Schweine” von den Ärzten anhört?
In der Überschrift zu dem besagten Artikel fällt des Weiteren der Satz “Trotz ihres Hangs zu Verschwörungstheorien soll die Gruppe Die Bandbreite im Kulturzentrum ‘Parkhaus’ auftreten.”
Herr Alihodzic bezieht sich dabei in seinem Artikel auf unserern Song “Selbst gemacht”, einem Lied, dass wir über den 11. September 2001 geschrieben haben.
Eine Verschwörung ist eine heimliche Absprache von mindestens zwei Menschen mit dem Zweck jemandem Schaden zuzufügen. Es kann also eine Absprache zwischen zwei Terroristen oder aber auch zwischen zwei oder mehreren Politikern oder Geheimdienstlern sein.
Somit ist die offizielle Darstellung der Ereignisse des 11. September ebenfalls eine Verschwörungstheorie, zumal Beweise für die Täterschaft von Osama bin Laden und seiner Clique bis heute auf sich warten lassen.
Dokumentationen wie “Loose Change” oder “Unter falscher Flagge” liefern da in unseren Augen ein wesentlich plausibleres Bild jener Vorfälle in 2001. Wie dem auch sei, es steht hier jedem frei, sich sein eigenes Bild von diesem historischen Ereignis zu machen. An dieser Stelle sei auch noch einmal darauf hingewiesen, dass viele unserer Partner und Kunden unsere Meinung in dieser Hinsicht nicht teilen, sie aber trotzdem respektieren.
Da wir aber in einer Demokratie mit dem Recht auf Meinungsfreiheit leben, steht es jedem Menschen frei, zu glauben was er möchte. Wieso suggeriert Herr Alihodzic in seiner Überschrift ein Auftrittsverbot für uns, nur weil wir in dieser Hinsicht eine andere Meinung haben als die des Mainstreams?
Wünscht sich Herr Alidhodzic eine gleichgeschaltete Meinung in Deutschland, wie es in einer Diktatur üblich ist? Oder wie kann ich den subtilen Aufruf zum Auftrittsverbot in seiner Überschrift verstehen? Wer hat in Duisburg überhaupt ein Auftrittsverbot für “Die Bandbreite” gefordert? Augenscheinlich niemand. Wie kommt dann diese Überschrift zu Stande? War an dieser Stelle vielleicht der Wunsch der Vater des Gedanken?
In einem weiteren Teil des Artikels versucht der Autor Alihodzic uns in einen Kontext mit dem iranischen Präsidenten und Holocaust-Leugner Mahmud Ahmadineschad zu bringen. Als Mitglied der deutsch-iranischen Band Tapesh 2012 weiß ich um die menschenverachtende und frauenfeindliche Politik von Ahmadineschad und distanziere mich auf das Schärfste von diesem tyrannischen Poltiker. An meiner Aussage aus dem Song „Story of Iran“ halte ich jedoch fest: „Ich hab mehr Angst vor Atombomben in der Hand von Amerika.“ Bis jetzt hat erst eine Nation es gewagt, eine Atombombe zu werfen und es ist mein gutes Recht, Angst davor zu haben, dass sie es noch einmal tut – zumal die Entwicklung sogenannter Mini-Nukes insbesondere in den USA forciert wird.
Ich frage mich nur, warum Herr Alihodzic so suggestiv die Tatsache erwähnt, dass Ahmadineschad den Holocaust leugnet. Was soll das bewirken? Welche Bedeutung hat diese Bemerkung für den Aritkel? Meiner Ansicht nach gar keine. Außer, dass dem unbeholfenem Leser der Eindruck vermittelt wird, wir würden mit einem Holocaustleugner sympathisieren. Möchte er gar das Bild vermitteln, wir selbst würden den Holocaust leugnen?
Wir weisen diese infamen Beschuldigungen aufs Heftigste von uns und sind entsetzt, wie Sie solch perverse Suggestion in ihrer Zeitung zulassen können.
Die Berichterstattung über “Die Bandbreite” in ihrer Zeitung ist bisweilen sehr widersprüchlich. So erscheint es mir höchst verwunderlich, warum wir in der WAZ vom 19.02.2008 als Newcomer auf dem Rheinhauser Stadtfest angepriesen werden. Alle Videos und Songs auf die sich Herr Alihodzic in seinem Artikel bezieht, waren zu dem Zeitpunkt bereits online auf unserer Homepage verfügbar. Recherchieren Sie nicht, welche Bands Sie in ihrer Zeitung anpreisen? Und warum fallen Herrn Alihodzic diese angeblichen moralischen Verfehlungen erst fünf Monate später auf?
Hat Herr Alihodzic möglicherweise erfahren, dass wir den Wahlkampf von SPD-OB-Kandidat Jürgen C. Brandt unterstützen und hat hier die Chance ergriffen, seinen politischen Gegner zu diskreditieren?
Im Sinne ihrer Leser und einer homogenen Berichterstattung sollten Sie sich sich entscheiden, ob Sie uns nun an den Pranger stellen oder über den grünen Klee loben möchten. Dauerhaft werden ihnen ihre Leser diese Wankelmütigkeit nämlich nicht verzeihen.
Zumindest Herr Alihodzic bleibt seiner Art der Berichterstattung über uns treu: Bereits im Jahr 2006 verfasste er eine Rezension über unser Album “komplett durch” in der WAZ. Auffällig war dabei, dass er unserer CD dabei absolut nichts Positives abgewinnen konnte. Nicht ein gutes Haar hat er daran gelassen, weswegen ich mir die Frage stelle, wieso um alles in der Welt er dann überhaupt über uns geschrieben hat. So entstand bei uns allmählich der Eindruck, dass Herr Alidhodzic ein persönliches Problem mit uns zu haben scheint, das er über ihre Zeitung zum Ausdruck zu bringen versucht.
Wie sonst kann es sein, dass er unser Lied “Dat is Duisburg” in seinem Artikel als “eher belanglos” tituliert? Über 500.000 Zuschauer haben das Video zu dem Lied auf Youtube gesehen. Dieses Lied ist offenkundig ein Stadtgespräch und Radio Duisburg spielt es in der Rotation. Mit welchem Hintergrund kann man hierbei von Belanglosigkeit sprechen?
Auch hier drängt sich mir wiederum der Verdacht eines persönlichen Affronts gegen uns auf, der nichts mit sachlicher Berichterstattung zu tun hat. Sie sollten sich die Frage stellen, ob sie sich vor diesen Karren spannen lassen wollen.
Mit dieser Art der unlauteren Berichterstattung riskieren Sie, etliche Duisburger Leser zu brüskieren, wie die zahlreichen Protestnoten belegen sollten, die bereits jetzt per E-Mail bei Ihnen eingegangen sind. Eine Korrektur der Darstellung unserer Band in ihrer Zeitung halte ich für mehr als überfällig.
Hochachtungsvoll
Marcel „Wojna“ Wojnarowicz
- Die Bandbreite -
Das ist nun vielleicht auch Leuten wie Kohl’s Parteispenden-Anwalt Stephan Holthoff-Pförtner zu peinlich, der bekanntermaßen nichts davon hält, dass Bloggern das Grundrecht des Artikel 5 zusteht. Ob das auch für Künstler gilt, ist hier jedoch nicht bekannt. Dass man bei der WAZ-Mediengruppe schon immer gespart hat wo man nur kann, war angesichts der früher großzügig verteilten Spenden vom SPD-nahen Ex-Chef Erich Schumann sicher verständlich, aber inzwischen ist das Konzept der preiswerten Generation Doof in den Redaktionsstuben dann wohl doch keine so gute Idee.
Die WAZ hat jetzt zwar einen Leserbrief der Bandbreite veröffentlicht, Mein Parteibuch hält das Konzept Abo-Sharing zum Austrocknen der verlogenen Milliardärspresse jedoch nach wie vor für eine prima Idee und die Bandbreite für eine prima Band. (via Mein Parteibuch)
Topics: Aktuelle Nachrichten, Kunst und Kultur, Politik | Kommentare deaktiviert
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