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Thilo Sarrazin, der Hass auf die Menschen, Wowereit und "Die Linke"

Von Daniel Neun | 30.Juli 2008

Natürlich läge es nahe Thilo Sarrazin lässig als arrogantes Arschloch zu bezeichnen, aber das würde nicht nur ein Berliner Gericht als Beleidigung werten, es wäre auch völlig falsch. Arschlöcher üben nämlich eine nützliche Funktion im menschlichen Leben aus, dass ohne sie undenkbar wäre. Ein Leben ohne Thilo Sarrazin ist nicht nur leicht denkbar, es ist auch sehr viel leichter lebbar, als ein Leben mit ihm.

Es nützt auch nichts ihm mit Beleidigungen jeder Art zu überhäufen, in seinem Fall des geistigen Totalprekariats würde nichts bei ihm ankommen. Vermutlich hat er diesen Mangel an geistigen Fähigkeiten seinem Vater zu verdanken, der wie und Thilo Sarrazin selbst beschreibt, ja auch nicht der Hellste gewesen sein kann:

Bei uns waren es zuhause immer 16 Grad. Am Morgen hat mein Vater die Koksheizung befeuert und sie erst am Abend, wenn er von der Arbeit zurückkam, wieder angemacht. Das hielt dann immer gerade für 16 Grad. Ich habe es überlebt.

Ich finde es schon seltsam, das bei Sarrazins zu Hause im Sommer auf 16 Grad heruntergekühlt wurde, vor allem würde mich interessieren wie die das gemacht haben. Aber wahrscheinlich war nur das Thermometer kaputt und von den Intelligenzlern hat es keiner gemerkt. Da war denn eben immer 16 Grad und auf der Küchenuhr war es immer 12. Ein praktisches Leben.

Natürlich befeuert man eine Koksheizung auch nicht sondern man kann sie laden, füllen, oder zum anzünden vorbereiten. Befeuern kann man Hasen, Soldaten, und vor allem Dampf oder Heizungskessel, was dann aber immer die gleichzeitige Anwesenheit von Feuer und Brennmaterial voraussetzt. Aber an Feuer fehlte es morgens wohl ständig, so dass der Vorgang des “Anmachens” am Abend erfolgte. Wie sich Sarrazin zu erinnern weiß.

Da er von einer Koksheizung spricht und zu der Zeit, die er zu meinen scheint in Recklinghausen lebte, redet er vermutlich von Kokskohle, die sein Vater vemutlich direkt oder auf “Umwegen” aus Deputatkohle erhielt. Nein, ich nehme nicht an, dass er sie gestohlen hat, weil ja viele ihre Deputate oder Teile davon verkauften und das Sarrazins Vater fringsen ging ist eine durch nichts zu beweisende Unterstellung, die allerdings erklären würde, warum Sarrazin meint, den Menschen alles weg nehmen zu können.

Kokskohle dürfte Steinkohlenkoks gewesen sein und nicht der meist eher in der DDR verbreitete Braunkohlen-Hochtemperaturkoks. Die beiden unterscheiden sich nämlich beträchtlich. Der Braunkohlenkoks ist verhältnismäßig leicht entzündbar, der Steinkohlenkoks ist schwer entzündbar. Ein intelligenter Familienvater hätte also eine Heizung den ganzen Tag über gedroselt brennen lassen und lieber den geringen Verbrauch hingenommen als Abends zu versuchen die Heizung “anzumachen”

Denn so leicht sich auch bestimmte Mädchen anmachen lassen, so schwer ist es eine Koksheizung in Gang zu bekommen. Da hat schon manch einer Fluch um Fluch laut werden lassen und würde man alle Empfehlungen, die es über erfolgreiche Methoden des Anzündens von Koksheizungen gibt, in ein Buch zusammenfassen, wäre es auch in winziger Schrift das dickste Buch der Welt. Ich habe immer gerne den Schweißbrenner genommen, aber auch das muss man können.

Intelligente Familienväter und andere Personen die eine Koksheizung haben, lassen diese also brennen, aber wir haben es ja hier mit Thilo Sarrazin Vater, oder vielleicht auch nur einer dummen Fiktion von ihm zu tun, die Thilo Sarrazin gerade mal wieder in den Kram passte, um die Menschen zu demütigen.

Genau darum alleine geht es Thilo Sarrazin. Er hat seine Freude daran, wenn er andere demütigen kann. Egal ob er sie verhungern lassen will oder ihnen Pullover empfiehlt die sie vermutlich auch nicht waschen dürfen. Das Thilo Sarrazin so ist, ist leicht verständlich wenn man seinen Werdegang betrachtet.

02/1965 Abitur am altsprachlichen Gymnasium in Recklinghausen/Westfalen
04/1965 – 03/1967 Wehrdienst
05/1967 – 10/1971 Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn mit Abschluss Dipl. Volkswirt
11/1971 – 10/1973 Assistent am Institut für Industrie- und Verkehrspolitik, Promotion zum Dr. rer. pol.
11/1973 – 12/1974 Wissenschaftlicher Angestellter der Friedrich Ebert-Stiftung
01/1975 – 01/1978 Bundesministerium der Finanzen
Referent im Referat Finanzfragen der gewerblichen Wirtschaft und des Wohnungsbaus
1977 Abordnung zum Internationalen Währungsfonds in Washington
02/1978 – 03/1981 Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung
Leiter des Referats Kommunikation und Verbindung zu den autonomen Gruppen
04/1981 – 05/1991 Bundesministerium der Finanzen
— 04/1981 – 09/1981 Leiter des Referats Finanzfragen der Sozialpolitik
— 10/1981 – 10/1982 Leiter des Ministerbüros
— 11/1982 – 07/1989 Leiter des Referats Finanzfragen des Verkehrs, Verkehrsbeteiligungen
— 08/1989 – 09/1990 Leiter des Referats Nationale Währungsfragen
— 12/1989 – 09/1990 Leiter der Arbeitsgruppe Innerdeutsche Beziehungen, Federführung bei der deutsch-deutschen Währungsunion
— 10/1990 – 05/1991 Leiter der Unterabteilung Treuhandanstalt, Rechts- und Fachaufsicht
05/1991 – 02/1997 Staatssekretär des Ministeriums für Finanzen, Rheinland-Pfalz
03/1997 – 02/2000 Vorsitzender der Geschäftsführung der TLG Treuhandliegenschaftsgesellschaft mbH, Berlin
03/2000 – 07/2000 Leiter der Konzernrevision bei der Deutschen Bahn AG
08/2000 – 12/2001 Mitglied des Vorstands der DB Netz AG
Ab Januar 2002 Finanzsenator in Berlin auf besonderen Wunsch von Klaus Wowereit

Der Mann musste nie arbeiten. Er ist ein studierter Parteifunktionär, der wie so viele seiner Kaste nie mit dem wirklichen Leben in Berührung gekommen ist und auch nicht mehr kommen wird. Sein Geld fließt unabhängig von jeder Leistung und von dem was er alles nicht tut. Vor Strafverfolgung ist er praktisch wie Berlusconi kraft seines Amtes geschützt und sein Gehalt als Finanzsenator dürfte nur einen winzigen Bruchteil seiner Einnahmen ausmachen, da er reichlich Nebentätigkeiten hat:

Im Rahmen der Tempodrom-Affäre wurde ihm vorgeworfen, Landesgelder regelwidrig vergeben zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat im November 2004 Anklage erhoben. Ermittelt wurde gegen ihn, zwei weitere SPD- und zwei CDU-Politiker, drei Unternehmer und zwei Wirtschaftsprüfer. Gegen den ermittelnden Oberstaatsanwalt stellte Sarrazin eine Dienstaufsichtsbeschwerde. Das Landgericht Berlin hat es im Dezember 2004 abgelehnt, das Hauptverfahren zu eröffnen, was wie ein Freispruch wirkt, da die Anklage als unschlüssig angesehen wurde.

Mit 46 Nebentätigkeiten ist Sarrazin (Stand: Juni 2008) das Senatsmitglied mit den meisten Nebentätigkeiten. Er ist unter anderem Mitglied des Aufsichtsrats der Berliner Verkehrsbetriebe, der Charité, der Investitionsbank Berlin und der Vivantes GmbH.

An den Sarrazins dieser Erde kann man nichts ändern. Sie sind lästig wie Mücken Abends am Seeufer wenn man sich eigentlich der Dame seines Herzens widmen möchte und manchmal kann man vor solchen Plagegeistern nur flüchten. Die SPD hat ja einige davon. An dieser Stelle grüßen wir alle mal die Herren Riester, Clement, Schröder, Steinbrück und Struck und nicht zu vergessen Überwachungsotto Schily.

Das weiß auch die SPD und immer wieder versucht jemand, das was so ein Sarrazin sagt, elegant von der SPD abzulenken:

“Herr Sarrazin erzählt dummes Zeug. Er spricht nicht für die SPD“, sagte SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber der “Westdeutschen Allgemeinen Zeitung” – und versuchte sich selbst an einem lustigen Spruch. “Wenn Sarrazins Größe von seiner Sensibilität abhängig wäre, könnte er unter dem Teppich Fallschirm springen”, sagte Kelber.

was er aber genausowenig wie Klaus Wowereit sagt, ist, dass Sarrazin wegen absoluter Unerträglichkeit zurücktreten müsse. Kein Gedanke. Deshalb sind auch alle Bekundungen des Missfallens reine Show. Es nützt nicht zu sagen, dass, wenn Sarrazins arrogante, freche Dummheit stinken würde, ihn die Leute überall auf der Welt riechen könnten. Man muss ihn rauswerfen und nicht beleidigen. Aus der SPD in die er nie gehörte und aus dem Senat.

Eine SPD die sich ein wenig aufregt und dann wieder hinlegt um auf die nächsten eingehenden Diäten oder Bestechungsgelder zu warten, ist eben genau wie Sarrrazin. Kein Stück anders und ein Regierender Bügermeister der diesen Vogel hält, ist für Berlin nicht brauchbar. Die einzige Forderung die nun noch Sinn macht, ist die Forderung nach dem Rücktritts Wowereits. Wenn er seinen Komiker nicht zur Ordnung bringen kann, ist er als Bürgermeister nicht geeignet.

Aber Wowereit wird weiter regieren und “Die Linke”, die man in Berlin vielleicht besser, “Die Willenlose” nennen sollte, wird brav weiter nicken, Dienstwagen fahren und Geld kassieren. Man ist eben nicht mehr verantwortlich wenn man erst in der Regierung ist. Dann hat man Koalitionszwänge, da nützt es auch nicht, wenn mir der Pressesprecher Hendrik Thalheim mir ungewöhnlich schnell und unkompliziert die Pressemitteilung der Partei zukommen, aber meine Fragen unbeantwortet lässt:

1002 / 29. Juli 2008
Pressemitteilung von Ulrich Maurer

Gegen Sarrazins soziale Kälte helfen auch Pullover nicht

„Nichts scheint Berlins Finanzsenator zu plump zu sein, um in die Schlagzeilen zu kommen. Nun will er die Nachkriegszeiten für sozial Benachteiligte wieder aufleben lassen. Gegen soviel soziale Kälte helfen auch Pullover nicht“, kritisiert Ulrich Maurer, Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion DIE LINKE. Maurer weiter:

„Sarrazin palavert offensichtlich ohne jede Kenntnis der sozialen Realität daher. Doch die Tatsachen lassen sich auch mit dummen Sprüchen eines Finanzsenators nicht aus der Welt schaffen. Im Hartz IV-Satz sind 21,75 Euro für Stromkosten vorgesehen. In Berlin muss man heute schon mindestens 27,05 Euro berappen, um einen durchschnittlichen Jahresverbrauch für einen Singlehaushalt von 1.500 kWh finanzieren zu können.

Es besteht also akuter Handlungsbedarf. Ohne Sozialtarife oder eine sofortige Erhöhung des Regelsatzes und der Altersgrundsicherung kann von immer mehr Menschen ein angemessener Strombedarf nicht mehr bezahlt werden. Es ist doch ein Alarmsignal, wenn 2007 allein Vattenfall als größter Berliner Stromanbieter rund 22.600 Haushalten zumindest zeitweise den Strom sperren ließ.

Gegen die fortgesetzten Attacken Sarrazins scheint nur noch eins zu helfen: Klaus Wowereit muss verfügen, dass Sarrazins Büro ins Kühlhaus verlegt wird. Dort kann er dann im Pullover versuchen, wieder einen kühlen Kopf zu bekommen.

Zum Glück bestimmt Sarrazins Asozialität nicht das Regierungshandelns des Senats. Sozialticket, Kulturticket, vernünftige Regelungen bei den Kosten der Unterkunft von Hartz IV-Betroffenen, Erhalt der öffentlichen Unternehmen hätte es wohl sonst nicht gegeben.“

Es ist doch nett von Ulrich Maurer das er so gegen Sarrazin wettert. Jawohl, gibs ihm. Immer feste druff. Und der Witz mit dem Kühlhaus ist auch gut. Ich mag Ulrich Maurer wirklich. Aber ich mag es nicht wenn er mich verarschen will. Das kann ich überhaupt nicht leiden.

Sarrazins Asozialität bestimmt nicht das Handeln des Senats. Lieber Ulrich Maurer. Sarrazin ist der Finanzsenator. Der mit der Hand auf der Kohle und sein Kurs hat bisher immer das Handeln dieses Senates der Übel bestimmt. Es ist genau Sarrazins Asozialität, die aus dem Handeln dieses Senates immer abzulesen ist und es folglich auch bestimmt.

Die Sozialität der Linken hat allerdings wirklich nichts mit dem Handeln des Senats zu tun. Die Linke ist in diesem Senat nur für das Zustimmen von Sarrazins Entscheidungen zuständig und wird ansonsten mit Dienstwagen und Pöstchen bei Laune gehalten. Gäbe es eine wirksame Linke in diesem Senat, wäre Sarrazin schon längst Geschichte, weil Wowereit auf die Frage Koalition oder Sarrazin antworten müsste.

Aber dazu fehlt der Linken der Mut. Es könnte ja jemand anders an die Macht kommen. Die Pfründe weg, das darf nicht sein. Deshalb erträgt sie sogar Sarrazin oder besser trägt ihn. Wer aber Sarrazin trägt, wird in einer möglichen anderen Regierung auch nichts für die Menschen in diesem Land tun. Eine solche Linke ist keine Alternative zu SPD, sie ist nicht einmal mehr das kleinere Übel. Sie wird nicht gebraucht.

Eine Linke die Sarrazin trägt um an der Macht zu bleiben, wird auch alles andere dulden um die Macht nicht zu verlieren. Marionetten haber wir aber schon genug in der deutschen Politik. Die Linke kann ihren Laden also wieder zu machen. Es gibt keinen Bedarf für sie.

Der guten Ordnung halber sei erwähnt, das man CDU und FDP nicht erwähnen muss. Auch wenn die so tun als ob sie sich aufregen, spricht ihnen Sarrazin in Wirklichkeit aus der Seele und würde in beiden Parteien leicht Karriere machen, weil er so gut hineinpasst. Den Grünen ist schon lange alles egal, wenn sie nur an die Macht kommen.

Quelle

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