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"Politische Blogs sind in Deutschland so gut wie nicht vorhanden"

Von Daniel Neun | 23.Juli 2008

Distorting Reality WorldwideDer Spiegel hat sich diesmal Mühe gegeben und gleich drei Autoren an den dreiseitigen Artikel über politische Blogs in Deutschland gesetzt. Das war auch bitter nötig, denn hätte der Spiegel die “Generation Doof” oder einen Blindgänger wie Bernd Graff von der Süddeutschen an das heikle Thema gesetzt, dann hätte er nichts anderes bewirkt, als ausgelacht zu werden und die politische Blogosphäre zu stärken.

Die Botschaft “Politische Blogs sind in Deutschland so gut wie nicht vorhanden” und “rechthaberisch, selbstbezogen und unprofessionell” wurde diesmal von Markus Brauck, Frank Hornig und Isabell Hülsen gut verpackt. Leser des Spiegel dürfen sich schlau fühlen, wenn sie im Gegensatz zu Bild-Lesern in der Lage sind, die Schlussfolgerung “politische Blogs in Deutschland sind nicht lesenswert” selbst zu ziehen.

Woran das liegt, dass politische Blogs in Deutschland im Vergleich zur USA vergleichsweise bedeutungslos seien, erklärt der Spiegel seinen Lesern natürlich auch. So erklärt der Spiegel den Grund der Online-Stärke von US-Blogs mit den Worten “Verantwortlich für die Online-Stärke sei aber auch die Schwäche der etablierten US-Medien mit ihrer voreingenommenelitären Berichterstattung” und behauptet damit implizit, deutsche Medien würden nicht “voreingenommenelitär” berichten.

Das passt zwar prima zur zu vermittelnden Botschaft, ist jedoch ziemlich grober Unfug. Um das zu erkennen, muss man gar nicht mal den Verdacht haben, der Bertelsmann-Eigner und Spiegel-Mitbesitzer Reinhard Mohn arbeite genau wie der US-Medienzar Rupert Murdoch für die CIA. Die vielen an Realsatire erinnernden Märchen in der deutschen Milliardärspresse sprechen ohnehin für sich.

Durch den groben Unfug, die hohe Qualität der deutschen Medien sei für die relativ geringe Reichweite der deutschen Blogs entscheidend, verschleiert der Spiegel, dass politische Blogs in Deutschland von Abmahnanwälten und der deutschen Zensurjustiz regelmäßig plattgeklagt werden, sobald sie zu erfolgreich werden. Geschickt macht der Spiegel dabei Schleichwerbung für Politically Incorrect, und erzählt dabei das Märchen, die hässliche Seite sei “nach kritischen Berichten in der Presse” ins Ausland umgezogen. Die deutsche Zensur zu erwähnen, wird so selbst in diesem Absatz geschickt umgangen. Darauf hinzuweisen wüde vermutlich die Glaubwürdigkeit des Märchens von der freien Presse in Deutschland gefährden.

Der Versuch, die politische Blogosphäre in Deutschland mit Desinformationen zu diskreditieren, dürfte jedoch trotz des vergleichsweise geschickt geschriebenen Artikels nach hinten losgehen. Die so gut wie nicht vohandene politische Blogosphäre in Deutschland zerpflückt auch diesen Spiegel-Artikel. Egal, ob da nun über Reichweiten, Zahnpasta, Heuchelei, Professionalität, PR, Alpha-Journalisten, Vergleicherei, Hackebeile, Sommerloch oder heiße Luft geschrieben wird, nette Worte für das Hamburger Märchenblatt finden sich nicht. Bei Tutsi gibt es einen Überblick über mehr Blog-Feedback zum Spiegel-Artikel. So viel Einigkeit gab es in der Blogosphäre selten.

Was vom Spiegel nach einiger Zeit umfassender Kritik durch politische Blogs in Deutschland noch übrig bleibt, erklärt der Weltherrscher kurz und prägnant: DerSPIEGEListscheisse!. Vielleicht spricht sich in der deutschen Blogosphäre nun auch die Idee rum, keine Links auf Spiegel-Online zu setzen und auch den Rest der verlogenen Milliardärspresse mehr und mehr einfach zu ignorieren. Übrigens: Der Parteibuch Ticker ist für den Spiegel vermutlich so etwas wie eine Fata Morgana. (Quelle: Mein Parteibuch)

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Topics: Aktuelle Nachrichten, Politik, Unabhängige Medien | Kommentare deaktiviert

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