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Buchtip: "Warum tötest Du, Zaid?"
Von Daniel Neun | 23.März 2008
Jürgen Todenhöfer ist ehemaliger CDU-Bundestagsabgeordneter und als Freund von Hubert Burda stellvertretender Chef beim französisch angehauchten Medienkonzern Hubert Burda Media. Wenn dieser Jürgen Todenhöfer dann nun ausgerechnet bei den Transatlantikern von Bertelsmann ein Buch über den grausamen Krieg gegen den Irak veröffentlicht, dann ist das sicher kein Vorgang, dem Mein Parteibuch weltanschaulich besonders nahesteht.
Trotzdem macht Mein Parteibuch hier nun ganz platt Werbung für das Buch mit Titel “Warum tötest Du, Zaid?“, denn ausgerechnet der CDU-Mann Jürgen Todenhöfer zeichnet darin ein ganz anderes Bild vom Irak als das, was die Massenmedien in Deutschland sonst vermitteln.
Jürgen Todenhöfer formuliert seine zentralen Forderungen in zehn Thesen zum Buch. Seine dritte These lautet beispielsweise:
“Islamisch getarnte Terroristen sind Mörder. Für christlich getarnte Anführer völkerrechtswidriger Angriffskriege kann nichts anderes gelten.”
Diese These erläutert der Jürgen Todenhöfer, der vor seiner Politik- und Medienkarriere von Beruf Richter war, unter anderem wie folgt:
“Gelten die rechtlichen Maßstäbe, die wir an Saddam Hussein oder Slobodan Milosevic anlegen, nicht auch für westliche Regierungschefs? Warum wagen die westlichen Eliten nicht einmal die Frage zu stellen, ob George W. Bush und Tony Blair wegen ihres auf Lügen gebauten Irakkriegs nicht vor ein internationales Strafgericht gestellt werden müssten?
In der Urteilsbegründung des Nürnberger Kriegsverbrechertribunals heißt es: „Die Entfesselung eines Angriffskriegs ist das größte internationale Verbrechen, das sich von anderen Kriegsverbrechen nur dadurch unterscheidet, dass es in sich alle Schrecken vereinigt und anhäuft.“”
Dass Bush, Blair und ihre Komplizen vor ein internationales Strafgericht gestellt werden, ist die zentrale Forderung, die Mein Parteibuch im Artikel “5 Jahre Krieg gegen den Irak” mit drastischen Worten erhoben und mit entsetzlich schrecklichen Links belegt hat.
Auch sonst kommt Jürgen Todenhöfer der Sicht von Main Parteibuch auf den Irakkrieg erstaunlich nahe. So lautet der erste Satz seiner ersten These: “Der Westen ist viel gewalttätiger als die muslimische Welt.”
Und seine siebte These lautet: “Der Westen muss die islamische Welt genauso fair behandeln, wie er Israel behandelt. Muslime sind so viel wert wie Juden und Christen.” Da fehlt zwar noch, dass der Westen bitte schön auch Atheisten, friedliche Kommunisten und Anhänger anderer Weltanschauungen auch so fair behandeln möge, aber da die Thesen vom Irakkrieg handeln ist das immerhin schon ein vernünftiger Anfang.
Und auch beispielsweise die zehnte These beinhaltet Wesentliches: “Das Gebot der Stunde heißt Staatskunst, nicht Kriegskunst – im Irankonflikt, im Irakkonflikt und im Palästinakonflikt.” Mein Parteibuch hält das zwar nicht nur für ein Gebot der Stunde, sondern für ein räumlich und zeitlich praktisch unbeschränktes Gebot, aber angesichts der in den USA gerade geschmiedeten Kriegspläne ist das als Gebot der Stunde immerhin schon mal einmal ein guter Anfang.
Und auch, wenn Jürgen Todenhöfer zum Kampf gegen die Invasoren im Irak erklärt, dass der “bewaffnete Widerstand legitim” sei, dann hat er damit schlicht und einfach recht. Und wenn Jürgen Todenhöfer im selben Artikel erklärt, dass das Pentagon sein Informationsmonopol konsequent ausnutzt, dann beschreibt er damit auch einen Vorgang, auf den Mein Parteibuch immer wieder hinweist. Und auch das hier im selben Artikel sind erstaunliche Worte:
“Al Kaida nimmt den Tod von Zivilisten billigend in Kauf, strebt ihn sogar an. Ihre Untaten werden gezeigt, damit das Pentagon in den USA behaupten kann, es führe im Irak einen Krieg gegen Al Kaida. Aber das ist Unsinn. … In ihrer Hochphase im Irak hat Al Kaida über ungefähr 3000 zumeist ausländische Kämpfer verfügt. Viele sind getötet worden, die meisten aber sind von der irakischen Bevölkerung vertrieben worden, weil die überwiegende Mehrheit Al Kaida verachtet. Dass sich die USA das als ihr Verdienst anrechnen, ist eher komisch.”
Was dabei fehlt, sind allerdings Hinweise auf die aufgeflogenen Covert War Actions von Spezialeinheiten der Koalition der Willigen, die die Frage aufwerfen, ob nicht die Invasoren selbst für die Al-Kaida-Anschläge verantwortlich sind, die ihr bleiben rechtfertigen sollen. Aber das wäre vermutlich auch zuviel verlangt.
Spannend ist vor allem, dass Jürgen Todenhöfer als einer der mächtigsten Medienmanager Deutschlands von der gigantischen transatlantischen Propagandamaschine nicht so leicht abzuservieren sein dürfte wie das mit der fundamentalen Kritik von Gerhard Wisnewski und den Erklärungen von Andreas von Bülow funktioniert hat.
Wer möchte, kann sich Jürgen Todenhöfer übrigens auch in einem Video bei 3sat mal im Interview anschauen. (Quelle: Mein Parteibuch)
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