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Der vertuschte Skandal – Bodenkamps Auftrag
Von Daniel Neun | 6.März 2008
(ter) “Stephan Bodenkamp” – alias Christoph, Roman Klonowski (*) – 2007 Resident des BND in Nigeria – ist von Beruf Spezialist auf dem Gebiet der Sprachtechnologie und Computerlinguistik.
[* Der unbekannte Betreiber des „Mein Parteibuch.com/Blog“ (nicht zu verwechseln mit „Mein-Parteibuch.de“) hat mittels einfacher „Google- Suche“ den Agenten – vom Foto, über die private Wohnungsanschrift bis zur derzeitigen, dienstlichen Verwendung – vollständig entschlüsselt. Abgesehen davon, dass sich „Mein Parteibuch.com/Blog“ nur an die Deutsche im Ausland richtet und wir es eigentlich gar nicht lesen dürften – kann der Artikel unschwer – hier – aufgefunden werden.]
Dem BND war das Schlimmste passiert – was einem Geheimdienst passieren kann – ihm war mit dem Zusammenbruch des Warschauer Paktes der „Feind“ abhanden gekommen – und nun stand dieser Dienst – ohne jegliche Beschäftigung mit etwa 6.000 Schlapphüten da – davon allein etwa 3.000 in der Beschaffung (von Informationen).
Der Auftrag
Anfangs der Neunziger aber kam neue Hoffnung. 008 (Staatsminister Bernd Schmidbauer) im Bundeskanzleramt hatte dafür gesorgt, dass der BND die strategische Telefonüberwachung übertragen bekam.
Also die Überwachung von Telfongesprächen und Telefaxe aus dem Ausland bzw. von Deutschland in das Ausland.
Dumm nur, die TK-Teilnehmer kommunizierten in über 100 Sprachen miteinander und der BND eigener Übersetzungsdienst wäre mit dieser Aufgabe schlicht überfordert gewesen.
Ja – von Computer hatte man im BND schon gehört – man hatte sogar welche – und eine derartige Aufgabe müsse sich doch mit Hilfe der digitalen Technik lösen lassen – dachten sich die Verantwortlichen im Bundeskanzleramt.
Das “Amts für Auslandsfragen” (AfA) wurde gegründet. Leiter des Amtes (“Direktor MÜ/KI1″)wurde Stephan Bodenkamp.
Der hatte nun eine herausragende Position – aber keine Chance – die ihm übertragene Aufgabe zu lösen.
Die PC Betriebssysteme waren bezüglich der Nutzeroberfläche gerade dem DOS entstiegen. Die Datenbanktechnologie orientierte sich am Bedarf des privaten Nutzers und der Wirtschaft.
Die Entwicklungskosten für Software und für Datenbanken waren damals enorm – mein damaliger PC hatte eine Superfestplatte mit 120 MB. Normal waren damals Speicherkapazitäten von 40 MB.
Jede Entwicklung müsste sich deshalb an diese vorgegebenen Festplattenkapazitäten orientieren und an den damaligen Arbeitsspeichern.
Zudem steckte die maschinelle Übersetzung damals noch nicht ein Mal in den Kinderschuhen – für die gängigen Sprachen.
Der BND aber brauchte Sprachen wie Farsi und Urdu oder Bahassa.
Persien, Pakistan oder Indonesien – wo diese Sprachen gesprochen werden – waren damals für die Computerindustrie kein Markt.
Wie wird gelauscht?
Sinn der strategischen TK- Überwachung ist die Abwehr von Gefahren für die Sicherheit dieses Staates oder die Vorfeldaufklärung auf den Gebieten des Waffen- Drogen- und Menschenhandels oder die Verletzungen des Außenwirtschaftsgesetzes.
Eine strategische Überwachung macht nur dann Sinn, wenn alle ein- und ausgehende Telefonate geprüft werden.
Dies geht nur, wenn selektiv – nach bestimmten Kriterien – abgehört wird. Drei dieser Kriterien (außerhalb der Stimmenprofilüberwachung) möchte ich hier aufzeigen:
• die Schlüsselwortüberwachung
• die Namensüberwachung (Personen, Häfen, Rüstungsprojekte) und die
• Überwachung von Abkürzungen
D.h., Computer scannen den Inhalt von Telefonaten und zeichnen auf, wenn eines der Suchkriterien erkannt wird.
Dies setzt voraus, dass es digitale „Sprachbilder(*)“ der Suchkriterien geben muss und das diese „Sprachbilder“ in sehr schnellen Datenbanken gespeichert sind – in vielen, vielen Sprachen.
(*Auch wenn es den Technikern (unter den Lesern) die Schuhe bei vorstehendem Text auszieht – ich muss die Sache so erklären, dass es – in etwa – auch der normale Leser versteht. Mea culpa – und weiter.)
Hut ab – vor einem Schlapphut
Ich unterstelle Stephan Bodenkamp, dass er eine saubere Lösung wollte – aber von den Zwängen der Marktwirtschaft – zu einem riesiges “Betrugsmanöver” gezwungen wurde.
Er suchte sich zunächst Kooperationspartner in der freien Wirtschaft – die in etwa eine Software oder eine Datenbank in Betrieb hatten – die seinen Ansprüchen sehr nahe kam.
Um die Entwicklungskosten für die notwendige Modifizierung oder Neuentwicklung auftreiben zu können – zapfte er auch EU- Fördergelder in einem erheblichen Umfang an.
Gleichzeitig musste er, seinen zumeist kleinen Kooperationspartnern die falsche Hoffnung vermitteln, dass die modifizierten Weiterentwicklungen auch einen Markt hätten, der über seinen BND-Auftrag hinausgehend genutzt werden konnte.
Zu Hilfe kam ihm der Bedarf der internationalen Konzerne – die bei der Dokumentenübersetzung – fast ähnliche Problemen hatten – wie der BND.
• Frei nach dem Motto – der Staat trägt die Entwicklungskosten – ihr könnt die von uns (dem Staat) finanzierte Entwicklung dann kommerziell nutzen.
Dieser Mann konnte sich offensichtlich verkaufen und er konnte Visionen verkaufen – zumal bei einem staatlichen Beamten – einer Elitebehörde, die unmittelbar dem Bundeskanzleramt nachgeordnet ist – Argwohn nicht aufkam.
Der normale Übersetzungsdienst
Es wäre schön, wenn die Auswertung (der beschafften Informationen) bei den Nachrichtendiensten mit Personen besetzt wäre, die nicht nur die Sprache des ihnen zugewiesenen Landes sprechen, sondern auch in der Kultur, der Religion, der Geschichte und in der Tagespolitik Kenntnisse hätten.
Leider haben viele Auswerter noch nicht einmal die notwendigen Sprachkenntnisse.
Was die Abteilung 1 des BND beischaffte – verstaubte deshalb erst einmal in der Übersetzungsabteilung – bis es auf den Tisch des Auswerters gelangte.
Zudem wurden in der fraglichen Zeit die westlichen Nachrichtendienste mit Dokumenten aus der ehemaligen UdSSR überschwemmt – auch mit aktuellen – für die Tagespolitik – wichtigen Dokumenten.
Bis diese übersetzt waren – ausgewertet und überprüft – waren sie Schnee vom „vergangenen Jahr“ oder die brisante Meldung stand schon längst im FOCUS, SPIEGEL, DIE ZEIT oder in der WELT.
Um Prioritäten setzen zu können, musste der BND aber zuerst wissen, was in den Dokumenten – in etwa – stand.
Dies konnte ohne personelle Aufstockung des Übersetzungsdienstes nur mit Hilfe der “maschinelle Übersetzung” geschehen.
Zur strategischen TK- Überwachung kam daher auch die Aufgabe – eine maschinelle Übersetzung von Dokumenten zu entwickeln.
Die Auftragserteiler
008 (Bernd Schmidbauer) – einer der Mitbegründer von SAP – hatte noch eine Ahnung auf dem Gebiet der EDV – wusste also in etwa von was er redete.
Bei allen übrigen Verantwortlichen – einschließlich Dr. August Hanning – habe ich erhebliche Zweifel.
Komplexe Vorgänge kann keiner – einem Ministerialbeamten oder Politiker vortragen. Spätestens nach 15 Minuten winken diese Entscheidungsträger ab.
Sachverhalte werden daher maximal auf eine DIN A 4 Seite reduziert und vorgelegt. Bar jeder EDV Kenntnisse werden derartige Vorlagen durch gewunken oder aus Kostengründen abgelehnt.
Aufmunterungen wie:
• …. vielleicht sind Sie nicht der richtige Mann für diese Aufgabe…. oder
• …..lassen Sie sich halt etwas einfallen….
• …..Sie machen es schon – der Herr Staatsminister hat volles Vertrauen in Ihre Person…
sind die „Steine“ – die ein Projektleiter wie Stephan Bohnenkamp – anstelle von „Brot“ wohl erhalten hat, im Zentrum der politischen Macht – im Bundeskanzleramt.
1998 wechselten die Verantwortlichen des Bundeskanzleramtes und die neuen Herren von der SPD hatten so ihre eigenen Vorstellungen, wie man derartige Probleme zu beheben hatte.
Nicht nur beim BND.
Auch in der Bundesbauverwaltung wurde jeder formale Fehler nach der vereinbarten VOB ein finanzieller Nachteil für den Auftragnehmer aus der Wirtschaft.
Anstelle von Ethik und Moral traten in der gesamten Bundesverwaltung das Gesetz oder der Vertrag und die faktische Macht des finanziell Stärkeren.
Die Großen der Wirtschaft betrieben mit Spenden politische Landschaftspflege und hatten daher Fürsprecher in den Ministerien oder im Bundestag – bei Fehlern der Vertragsgestaltung oder Vertragserfüllung.
Die Kleinen bissen die Hunde – häufig in Form der Insolvenz.
Ein Spruch aus der damaligen Zeit sagte: „Der Staat zahlt immer – nur wann?“
Artikel dieser Serie:
Der BND – mein zweiter Schatten
http://www.r-archiv.de/article3096.html
Der vertuschte Skandal – Einführung
http://www.r-archiv.de/article3098.html
Der vertuschte Skandal – Bodenkamps Auftrag
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