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Wie funktioniert ein Börsencrash?
Von Mein Parteibuch | 22.Januar 2008
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| Börse |
Um zu verstehen, wie ein Börsencrash funktioniert, musst Du bloß begreifen, wie die Börse funktioniert.
Das ist ganz einfach. Du kannst von anderen Leuten Geld dafür bekommen, dass Du ihnen an der Börse ein paar Minderheitsanteile an deinem Unternehmen, sogenannte Aktien, verkaufst.
Wenn Du nicht willst, dass die Leute gleich merken, dass sie nur Minderheitsanteile bekommen und nichts zu sagen haben, kannst Du einfach den Großteil der Aktien an Tante Frieda und Onkel Herbert verteilen, die einen Großteil Deiner Aktien für Dich als heimlicher Treuhänder halten und Dir das Stimmrecht überlassen.
Falls Du gerade keine Tante Frieda und keinen Onkel Herbert zur Hand hast, reicht es auch, wenn Du zwei wirklich gute Kumpels hast, ihr dann jeweils gegenseitig etwa 18% der Aktien Eurer Unternehmen haltet. Drei mal 18% sind schließlich 54% und wenn ihr zusammenhaltet, kann Euch keiner reinreden. Ja, das ganze kann man auch im Ausland vertraglich absichern. Schau Dir zum Beispiel mal ProSiebenSat1 an, da weiß heute auch keiner, wem die Bude eigentlich gehört, aber vertraglich ist da auch alles in Butter.
Den ganzen Ramsch an Aktien, die nie eine Mehrheit haben werden, kannst Du dann an der Börse verhökern. Je besser es Dir gelingt, mit geschickter Propaganda, gefälschten Bilanzen und gekauften Analysten Dein Unternehmen in ein vorteilhaftes Licht zu rücken, desto mehr Geld bekommst Du für den Ramsch an Minderheitsaktien.
Gewinne packst Du übrigens am besten gleich wieder in die Unternehmenskasse, da bekommen die Aktionäre davon nichts ab. Die Gewinne wurden thesauriert, sagst Du dann dazu. Falls Du mal selbst Geld aus deiner Unternehmenskasse brauchst, so gründest Du ganz privat ein zweites Unternehmen – Geld hast Du ja dank Börsengang genug, Du kannst es auch auf den Namen von Tante Erma und Onkel Otto laufen lassen, damit später niemand blöde Fragen stellt – und lässt Deinem zweiten Unternehmen von Deinem ersten Unternehmen ganz tolle Aufträge geben, die Dein Geld von der Kasse des ersten Unternehmens in die des zweiten Unternehmens verschieben. Da kannst Du Dir dann nehmen, soviel Du brauchst ohne dass irgendwelche nervigen Aktionäre davon was abbekommen.
Macht Dein Unternehmen keine Gewinne, so kannst Du einfach heimlich das Inventar Deiner Bude verhökern und verpfänden, dann deklarierst Du die Erlöse als Gewinne, thesaurierst das und lässt Dir die tolle Bilanz von ein paar korrupten Wirtschaftsprüfern bestätigen. Wenn Du es schaffst, Gewinne zu zeigen und die Kurse steigen zu lassen – auch das ist gar nicht so schwer, dazu brauchen bloß Tante Frieda und Onkel Herbert von dem Geld, was Du beim Aktienverkauf eingenommen hast, hin und wieder mal ein paar der ausgegebenen Aktien zurückzukaufen – dann halten Dich die Leute für Gott. Dann steigen die Kurse der Ramschaktien von ganz allein und Du kannst tolle Kapitalerhöhungen machen, wo Du noch mehr Geld von der Börse bekommst.
So kann das Spiel eine ganze Weile gehen. Vater Staat unterstützt Deine tolle Arbeit selbstverständlich mit großzügigen Steuergeschenken. Wirklich Arbeiten brauchst Du aber natürlich nicht, Du kannst auch einfach ein paar Manager hinsetzen, die das für Dich ganz seriös machen. Das ist sowieso empfehlenswert, denn da brauchst Du Dir die Finger nicht schmutzig machen. Nur für alle Fälle, falls es dann mal jemand an den Kragen geht, hast Du dann Deine Ruhe.
Wenn die Leute Deinen Ramsch nicht mehr haben wollen, dann kannst Du Dir überlegen, ob Du den Mist selbst kaufst, damit der Kurs Deines Unternehmens nicht fällt, oder ob Du den Preis für den Ramsch fallen lässt. Wenn es ohnehin gerade einen Börsencrash gibt, dann schadet ein Kurssprung in die Tiefe nichts. Das nennst Du dann Konsolidierung. Schließlich kann ja nicht jeder gewinnen an der Börse. Das ist genau der richtige Zeitpunkt, um die schlechtesten Nachrichten rauszuhauen, die Du sonst nicht losgeworden wärst, ohne rot zu werden.
PS: Nachher kannst Du übrigens, wenn Du willst, etwas von dem rechtlosen Schrott – sogar etwas preiswerter – zurückkaufen, um damit zu zeigen, dass Dein Unternehmen sich sogar nach einem Börsencrash erholt und damit schon die nächste Kapitalerhöhung, bei der Du richtig abkassieren kannst, vorbereiten. (Quelle)
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